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Schänis
18.06.2019
18.06.2019 21:46 Uhr

ECHTER KLIMASCHUTZ IN SCHÄNIS

v.l.n.r.: Marc Mächler, Regierungsrat des Kt.St.Gallen und Präsident Verein Minergie; Andreas Fäh, Fäh Architektur Benken und Urs Fäh, Eigentümer
Im Ziegelhof Schänis, einer MFH-Überbauung aus den 90er Jahren, wurden insgesamt 46 Wohnungen mit «Minergie Systemerneuerung» umgebaut. Das Vorzeigeprojekt in Sachen Klimaschutz wurde mit der offiziellen Minergie-Zertifikatsübergabe gewürdigt.

Es ist eine Tatsache, Gebäude spielen in der Klimapolitik eine bedeutende Rolle. Ein wesentlicher Grund, weshalb man hier den Hebel ansetzen will, um die hochgesteckten Klimaziele zu erreichen. Einer, der diesen Hebel angesetzt hat, ist der Eigentümer der Ueberbauung Ziegelhof in Schänis. Mit der Erneuerung von 46 Wohnungen im Minergiestandart wurde verdeutlicht, wie viel man für den Klimaschutz machen kann.

Eindrückliche Voten

Am Montag erfolgte im Rahmen einer feierlichen Veranstaltung die offizielle Minergie-Zertifikatsübergabe. Herbert Küng, Gemeindepräsident von Schänis, kam bereits in seiner Grussbotschaft auf eindrückliche Zahlen zu sprechen. Zum Beispiel: «Rund 40 % des Energieverbrauchs fallen im Gebäudebereich an.» Was Küng auf den Punkt brachte, sollte sich danach wie ein roter Faden durch die Veranstaltung ziehen. Denn auf den grossen Energieverbrauch, der von Gebäuden ausgeht, und wie dem entgegengewirkt werden kann, darauf zielten auch die zwei kurzen und knackigen Fachreferate hin. Kristina Orehouning, von der EMPA Dübendorf, legte ihren Blickwinkel auf die Forschung und zeigte mittels Modellen Möglichkeiten und Lösungen auf, von der Gebäude- bis zur Quartiersebene. Im zweiten Referat präsentierte Andreas Meyer Primavesi, Geschäftsleiter Minergie, die eindrücklichen Möglichkeiten des Energiesparens durch Minergie Systemerneuerungen. Die fünf möglichen Systemlösungen ermöglichen riesige Einsparungen: «In den letzten 20 Jahren wurden 50 Mrd. kWh Energie und 10 Mio. Tonnen CO2 eingespart, indem nach Minergie statt nach Gesetz gebaut wurde,» verwies Meyer auf imposante Zahlen in seiner Präsentation.

Die Teilnehmenden konnten sich im Rundgang ein Bild von den diversen Erneuerungen verschaffen

Von der Theorie in die Praxis

Urs Fäh, Eigentümer des Ziegelhofs, hat eine solche Minergie Systemerneuerung implementiert. Die Wohnungen aus den 90-er Jahre waren typischerweise mit Oelheizungen und Elektroboiler ausgerüstet. Mit einfachen Mitteln wurde ein Konzept im Minergiestandard umgesetzt, das eine erstaunliche Wirkung aufzeigt. So wurden die Oelheizung und Elektroboiler durch eine Wärmepumpe ersetzt, die Fenster ausgetauscht, einzelne Bauteile wärmegedämmt, das optimale Lüftungskonzept eingebaut und anderes mehr. Was einfach klingt, benötigte bei einem solchen Projekt eine dementsprechende Logistik. Urs Fäh: «Der Umbau erfolgte in bewohntem Zustand, was eine intensive Kommunikation mit den Mietern und eine optimale Koordination der Arbeiten erforderte.» Sein Sohn, Andreas Fäh, der Architekt des Projekts, lobte auch die gute Zusammenarbeit mit der Energieagentur St.Gallen, welche immer und wo nötig beratend zur Seite stand. «Die Überbauung heute, nach diesem Standard umgebaut, bedeutet einen klaren Mehrwert für die Umwelt, die Mieter und Eigentümer», ist sich Andreas Fäh sicher, und ergänzt: «Durch den Ersatz der Ölheizung durch eine der Grundwasser- Wärmepumpe, dem Rückbau der Elektroboiler sowie Optimierung der Gebäudehülle können wir heute massivste Energie-Einsparungen machen.»

Zertifikatsübergabe durch Regierungsrat

Regierungsrat Marc Mächler würdigte diese imposante Leistung in seiner Rolle als Regierungsrat des Kantons St. Gallen und als Präsident des Vereins Minergie mit der Zertifikatsübergabe. Erfreulich waren auch seine weiteren Ausführung: «Wir haben eine hohe Nachfrage im Kanton St.Gallen nach Fördergeldern und das verdeutlicht, dass im Bereich Klimaschutz schon heute viel gemacht wird.» Er zeigte sich auch überzeugt, dass jeder Einzelne viel und noch mehr zum Klimaschutz beitragen kann. Davon konnten sich die Anwesenden beim Rundgang in den Wohnungen und im Kellerbereich der Mehrfamilienhäuser ebenfalls ein Bild machen. «Man kann mit so wenig, so viel für den Klimaschutz machen.» meinte Silvia Gemperle von der Energieagentur St.Gallen zum  Schluss und sprach damit wohl allen Beteiligten direkt  aus dem Herzen.

Hintergrund: Energieagentur St.Gallen

Die Energieagentur St.Gallen dient Eigentümerinnen und Eigentümer von Liegenschaften als Ratgeber zum richtigen Vorgehen. Die Energieagentur St.Gallen unterstützt Private, Gemeinden, Regionen und Kanton bei der Erstellung ihrer Energiekonzepte und in der Umsetzung von energetischen Massnahmen. Sie bündelt die Kräfte und begleitet engagierte Akteure zur Förderung der Energieeffizienz und des Einsatzes erneuerbarer Energien.

Die Energieagentur St.Gallen bietet der Bevölkerung im Kanton St.Gallen eine kostenlose telefonische Beratung zu allen Energiefragen. Ob Sie Tipps zum Stromsparen im Haushalt, Informationen zum Vorgehen bei der Modernisierung Ihres Gebäudes, zum Heizungsersatz oder Auskunft zu Solarenergie suchen: Die Fachleute beantworten Ihre Fragen produkteneutral und praxistauglich unter 058 228 71 71.

Wichtige Links
www.energieagentur-sg.ch
www.minergie.ch

Rolf Lutz