Kanton
12.04.2019

BUNDESRAT ERÖFFNET KLOSTER SCHATZKAMMER

Am Freitag eröffnete Bundesrat Alain Berset den neuen Ausstellungssaal der Stiftarchivs des Kloster St.Gallen. Am Samstag folgt der Tag der offenen Tür für das Volk.

Das Unesco-Weltkulturerbe Stiftsbezirk St.Gallen ist von zentraler kultureller sowie touristischer Bedeutung für die Ostschweiz. Mit dem aufwändig umgebauten Ausstellungsaal des Stiftsarchivs und der dortigen erlebnisorientierten Dauerausstellung «Das Wunder der Überlieferung – Der St.Galler Klosterplan und Europa im frühen Mittelalter» erhält der Stiftsbezirk eine neue Attraktion. Die Eröffnungsrede am offiziellen Festakt hielt Bundesrat Alain Berset. Diesen Samstag findet für das breite Publikum ein Tag der offenen Türen statt.

Heute Freitag eröffnete Bundesrat Alain Berset im Rahmen eines offiziellen Festakts den neuen Ausstellungssaal des Stiftsarchivs sowie die neue Dauerausstellung «Das Wunder der Überlieferung – Der St.Galler Klosterplan und Europa im frühen Mittelalter». In seiner Eröffnungsrede erinnerte Kulturminister Alain Berset an die überragende Rolle der ehemaligen Reichs- und Fürstabtei St. Gallen als Zentrum der Schriftkultur. «Gerade in Zeiten der Virtualisierung und Digitalisierung haben wir das Denken in geschichtlichen Zusammenhängen nötiger denn je, um uns in dieser volatilen Welt der Gegenwart zu orientieren», betonte Berset. Der St.Galler Klosterplan sei eine Quelle der Inspiration, in der sich die Bedeutung von Ideen, von Initiativen und vorwärts gerichtetem Denken zeige.

Original St.Galler Klosterplan als Höhepunkt Regierungspräsident Stefan Kölliker betonte in seinem Grusswort die Einzigartigkeit der St.Galler Überlieferungssituation mit den zwei Institutionen Stiftsbibliothek und Stiftsarchiv. In seiner Dauerausstellung zeigt das Stiftsarchiv St.Gallen als ältestes Klosterarchiv des Abendlandes die Rechtsdokumente des ehemaligen Klosters St.Gallen. Als Höhepunkte erleben die Besucherinnen und Besucher den berühmten St.Galler Klosterplan der Stiftsbibliothek erstmals im Original sowie weitere Originalobjekte aus dem klösterlichen Archiv, wie das St.Galler Professbuch oder die einzigartigen frühmittelalterliche Privaturkunden, anhand derer das soziale, wirtschaftliche und politische Leben im frühen Mittelalter rekonstruiert werden kann.

Um das Original des St.Galler Klosterplans erstmals einem breiten Publikum zeigen zu können, waren intensive Verhandlungen zwischen dem Katholischen Konfessionsteil als Eigentümer und dem Kanton St.Gallen als Leihnehmer notwendig. Die Leihvereinbarung regelt neben finanziellen Aspekten vor allem die sehr hohen konservatorischen und sicherheitstechnischen Vorgaben der Ausleihe. Regierungsrat Martin Klöti dankte in seinem Referat dem Katholischen Konfessionsteil für sein grosses Engagement und erklärte, dass sich Kanton und Konfessionsteil aufgrund dieser erfolgreichen Verhandlungen noch nie so nahe gewesen seien wie heute. Der neue Austellungssaal des Stiftsarchivs wurde vom Kanton für 2.8 Millionen Franken umgebaut. Die Kosten für die Gestaltung der Ausstellung beliefen sich auf 1.2 Millionen Franken. Dieser Betrag wurde grösstenteils über Drittmittel von Seiten des Departementes des Innern unter Mitwirkung des Katholischen Konfessionsteils eingeworben.

Neuausrichtung des gesamten Stiftsbezirks Der Stiftsbezirk St.Gallen ist als kulturelles Erbe für Region und Kanton St.Gallen identitätsstiftend. Er gehört zu den ersten Unesco-Weltkulturerbestätten der Schweiz und ist auch ein zentraler touristischer Anziehungspunkt für die Ostschweiz. Vor diesem Hintergrund engagieren sich Kanton, Stadt, Katholischer Konfessionsteil, das Bistum und St.Gallen Bodensee Tourismus seit Jahren gemeinsam für dessen Entwicklung. Im Jahr 2016 präsentierten sie den Management-Plan für den Stiftsbezirk, der die Ziele zum nachhaltigen Schutz, zum Erhalt und zur Vermittlung des Weltkulturerbes festlegt und entsprechende Massnahmen definiert. Die Eröffnung des Ausstellungssaals markiert einen wichtigen Meilenstein in dieser Neuausrichtung des Stiftsbezirks. Dabei wird die touristische Entwicklung des Stiftsbezirks von der in St.Gallen ansässigen Ria & Arthur Dietschweiler Stiftung im Rahmen einer strategischen Zusammenarbeit während zehn Jahren massgeblich mit mehr als zwei Millionen Franken unterstützt.

Tag der offenen Türen am Samstag Festakt reiht sich ein in drei Ausstellungseröffnungen im Stiftsbezirk seit Beginn dieses Jahres. Die Stiftsbibliothek eröffnete im Januar im Gewölbekeller die Ausstellung «Gallus und sein Kloster – 1400 Jahre Kulturgeschichte» und im März die Sommerausstellung im Barocksaal unter dem Titel «Vater für die Armen – Otmar und die Anfänge des Klosters St.Gallen». Am Samstag, 13. April 2019, findet zwischen 10 Uhr und 17 Uhr ein Tag der offenen Türen im Stiftsbezirk statt, an dem alle Ausstellungsangebote kostenlos besichtigt werden können. Zudem gibt es ein Rahmenprogramm mit Workshops, Führungen und Konzerten.

Stiftsarchiv St.Gallen Das Stiftsarchiv bewahrt die Rechtsdokumente und Verwaltungsakten des ehemaligen Klosters St.Gallen aus den Jahren 720 bis zur Aufhebung im Jahr 1805 auf. Ferner auch die Archivalien der 1838 aufgehobenen Abtei Pfäfers und ihrer Bibliothek. Das Archiv ist im gemeinsamen Eigentum von Kanton und Katholischem Konfessionsteil des Kantons St.Gallen und in die kantonale Verwaltung eingegliedert. Finanziert wird es zu 62.5 Prozent vom Kanton und zu 37.5 Prozent vom Konfessionsteil.

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