Linthgebiet
14.06.2019
15.06.2019 19:34 Uhr

CHANDIRAMANIS BÖRSENWOCHE NR 24

Volles Vertrauen des eidgenössischen Parlaments in die Nationalbank auf der einen und steigende Goldpreise auf der anderen Seite, prägten diese Woche.

Die Pfingstwoche war wiederum um einen Tag verkürzt. Am Montag nahmen sich - wie üblich - die europäischen Börsenhändler einen freien Tag; die Banken waren geschlossen. Das Thema «Handelskonflikt» verebbte wieder einmal, nachdem sich zwischen den USA und Mexiko eine Entspannung abgezeichnet hatte. Hier ging es mehrheitlich um Migrationsprobleme aus Südamerika in die USA. Die freundliche Börsenstimmung basierte aber vor allem auf der Fortsetzung der weltweit sinkenden Zinstendenz.

Auch die Schweizerische Nationalbank hat an einer Erklärung vom Donnerstag ein Weiterbestehen der Tiefzinspolitik bekräftigt. Ähnlich wollte der Nationalrat bereits am Dienstag von einem Negativzinsverbot für Pensionskassen und andere Vorsorgewerke nichts wissen («St. Galler Standesinitiative») - das heisst also auch volles Vertrauen des eidgenössischen Parlaments in die Nationalbank ohne Ausnahmen.

Auffallend war in den vergangenen Tagen eine Wiedererstarkung der Edelmetalle, vor allem beim Gold. Einerseits hatten Länder wie Russland und China u.a. ihre Goldbestände aufgestockt, anderseits hängt das auch mit den gefallenen Zinsen zusammen - Edelmetalle als eine Art «Obligationenersatz». Marktbeobachter rechnen auch mit einer Erhöhung der industriellen Nachfrage. Die zunehmende Digitalisierung (neue Gerätegenerationen) und Elektromobilisierung dürften zu mehr Verwendung von Edelmetallen führen.

Aussichten

Noch immer ungeklärt ist das Verhältnis der Schweiz zur EU. Das dürfte uns noch eine Weile beschäftigen. Auf dem Spiel steht die sogenannte Börsenäquivalenz (gegenseitige Anerkennung der Handelsplätze). Der Bundesrat hat vor einer Woche allerdings grundsätzlich «ja» gesagt und Eckpunkte genannt oder «Präzisierungen» verlangt, wie er sagte. Unklar bleiben aber die Reaktionen der EU über eine allfällige Verhandlungsbereitschaft. Jedenfalls eilt es der EU. Die Schweiz hätte lieber bis nach den Parlamentswahlen im Oktober 2019 zugewartet.

Aktuell bleibt auch die Klimapolitik. Der St. Galler Kantonsrat hat an der vergangenen Junisession darüber beraten und rund fünfzig Vorstösse bearbeitet. Die meisten wurden abgelehnt. Zurück bleiben Änderungen bei Bauvorschriften (Heizungsanlagen), Steuervergünstigungen für schadstoffarme Fahrzeige sowie die Einhaltung der Vorgaben des Pariser Abkommens. Es gibt also für uns und die Wirtschaft immer noch viel zu tun.

Christopher Chandiramani
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