Kanton
03.06.2019

OFFENSIVE DER OSTSCHWEIZER FDP FRAUEN

Unter dem Titel «Frauen in der Politik: Gleichstellung beginnt im Kopf» haben die FDP Frauen Kanton St.Gallen eine nationale Dachkampagne der FDP Frauen Schweiz entwickelt.

Die FDP Frauen in den Ostschweizer Kantonen geben Vollgas: So lancieren die FDP Frauen Kanton St.Gallen nicht nur die erste bürgerliche Frauenliste im Kanton. Sie haben auch eine Kampagne entwickelt, die in diesen Tagen als nationale Dachkampagne der FDP Frauen Schweiz auf den digitalen Plakatwänden in allen grossen Schweizer Bahnhöfen zu sehen ist. Die Kampagne setzt sich auf originelle Art und Weise mit Gleichstellung auseinander und beleuchtet das Thema aus einer Perspektive, die in der bisherigen Debatte weitgehend unterging. Aber auch in den Kantonen Thurgau und Appenzell Ausserrhoden wird Gleichstellung und Frauenförderung in der FDP grossgeschrieben.

Die Leitfragen für die Kampagne legt Elisabeth Zwicky Mosimann, Präsidentin der FDP Frauen Kanton St.Gallen, wie folgt dar: „Wie kommt es, dass der Frauenanteil im Ständerat wieder auf das Niveau der 90er-Jahre gesunken ist? Wie kommt es, dass der Frauenanteil im Nationalrat mit Müh und Not die 30%-Marke überschritten hat? Und wie kommt es, dass in den Verwaltungsräten der SMI-Unternehmen nicht einmal ein Drittel Frauen Einsitz nehmen? Und vor allem: Wo können wir ansetzen, damit Frauen und Männer endlich gleichberechtigt sind? Wie können wir zu einem gesellschaftlichen Wandel beitragen – welche Impulse sind nötig?“.

Mit unterschiedlichen Ellen messen

Vor diesem Hintergrund haben die FDP Frauen Kanton St.Gallen eine Kampagne lanciert mit dem Ziel, einen Beitrag zu einer „gelebten Gleichstellung“ zu leisten. Häufig wird die Lösung für mehr Gleichstellung „externalisiert“: so werden in Politik und Wirtschaft immer wieder Forderungen nach Quoten und weiteren Regulierungen laut. Jedoch geht ein zentraler Aspekt in der bisherigen Debatte völlig unter: der Umstand, dass Gleichstellung bei uns allen, in unseren eigenen Köpfen beginnt. So thematisiert die Kampagne, dass Frauen und Männer in Politik und Wirtschaft noch immer nach unterschiedlichen Ellen „bemessen“ werden. Wenn etwa ein Mann in einer Führungsposition selbstbewusst und entgegen von Widerständen seine Entscheidungen fällt, wird er als „stark“ betrachtet. Wenn jedoch eine Frau in einer Führungsposition dasselbe tut, gilt sie als „stur“ oder „starrsinnig“. Solche unterschiedlichen Massstäbe sind hoch problematisch, da sie letzten Endes auch unsere Entscheidungen und unseren Umgang mit unseren Mitmenschen bestimmen.

Wettbewerbsvorteile für den Mann?

Der tiefe Frauenanteil im Stände- und Nationalrat sowie in wirtschaftlichen Führungspositionen sei folglich nur die Spitze des Eisbergs. Das wahre Problem liege wesentlich tiefer, erläutert Vizepräsidentin und Wahlkampfleiterin Fabienne Bünzli. Es seien weder Organisationen, Unternehmen, noch ‚fremde Mächte‘, die eine gelebte Gleichstellung verhindern, sondern wir selbst mit unserem Alltagsverhalten. „Durch unterschiedliche Massstäbe zementieren wir selbst Ungleichheiten – oft ganz unbewusst und doch mit spürbaren Folgen. Das zeigt sich beispielsweise, wenn wir einem Kollegen für einen sehr selbstbewussten Auftritt auf die Schulter klopfen und ihn für seine kämpferische Rhetorik loben. Wenn eine Kollegin dasselbe tut, reagieren wir oft anders und finden, sie sei verbissen und habe ‹Haare auf den Zähnen›“, erklärt Bünzli die Grundproblematik, auf die mit der Kampagne reagiert wird. Weiter führt sie aus: „Die Konsequenz davon: Die Frau wird tendenziell konsensorientierter und weniger kämpferisch agieren – das wiederum schafft ‹Wettbewerbsvorteile› für den Mann. Er kann sich profilieren, sich für Wahlen oder Führungsfunktionen empfehlen.“

Nicht auf Kosten der Männer

Die Wahlkampfleitung der FDP Frauen des Kantons St.Gallen führte eine systematische Recherche durch, um anhand von Begriffspaaren aufzuzeigen, dass Männer und Frauen in Politik und Wirtschaft nach unterschiedlichen Kriterien „bemessen“ werden. Was bei Männern als positiv bewertet wird, wird den Frauen zur „Last“ gelegt. Nach einem Brainstorming wurden die Begriffe anhand einer eigens entwickelten Typologie kategorisiert. Anschliessend wurden entsprechende Begriffspaare mit gegenteiligem Unterton gesucht.

Die Kampagne zeigt jeweils Bilder zweier Personen – eines Mannes und einer Frau. Die Bilder sind bewusst in der exakt selben Stimmung mit dem genau gleichen Gesichtsausdruck aufgenommen. Den jeweiligen Bildern werden Begriffspaare wie „Selbstbewusst – Selbstverliebt“, „Stark-Stur“ oder „Zackig-Zickig“ zugeordnet.

„Bei der Umsetzung sind wir nach dem Prinzip ‹reduce to the max› vorgegangen. Wir haben versucht, alle möglichen Kontextfaktoren buchstäblich auszublenden und auf Gesichter zu fokussieren, die im exakt im selben ‹Mood› aufgenommen wurden. Damit wird die Allgemeingültigkeit der Botschaft herausgestrichen. Unabhängig von Status, Herkunft, Branche etc. sind Frauen und Männer mit diesen Kategorisierungen und unterschiedlichen Bewertungen konfrontiert“, schildert Karin Fagetti, Mitglied der Wahlkampfleitung der FDP Frauen und Inhaberin der mit der Ausführung betrauten Kommunikationsagentur. Dabei betont sie: „Es war uns wichtig, keine Frauenkampagne auf Kosten der Männer zu lancieren – Frauen und Männer werden mit Respekt gezeigt.“

Kampagne wird national übernommen

War diese Kampagne ursprünglich nur für den Kanton St.Gallen vorgesehen, haben die FDP Frauen Schweiz dieselbe zwischenzeitlich zur nationalen Dachkampagne erhoben. Sie wird in den nächsten Wochen in den Schweizer Bahnhöfen über die Plakatwände flimmern. Im Vorfeld der Lancierung haben die FDP Frauen Schweiz ein umfassendes Botschaften-Testing in Auftrag gegeben. Das Ziel war, jene Begriffspaare zu identifizieren, die am meisten Aufmerksamkeit und die beste Resonanz erzeugen. Die Botschaften wurden an rund 290‘000 Personen getestet, wobei 66‘000 Personen ein messbares Interesse gezeigt haben. Die letztendlich verwendeten Begriffspaare erzielten das beste Resultat.

Der Freisinn setzt sich aktiv für Frauenförderung ein

„Die FDP hat in den letzten Jahren und Monaten im Kanton St.Gallen sehr viel für die Förderung freisinniger Frauen geleistet – die ersten Früchte durften bereits geerntet und die ersten Erfolge verzeichnet werden“, erklärt Elisabeth Zwicky Mosimann, Präsidentin der FDP Frauen des Kantons St.Gallen und Vizepräsidentin der FDP des Kanton St.Gallen. In der FDP-Kantonsratsfraktion haben die Frauen mit sieben Kantonsrätinnen von insgesamt 26 Fraktionsmitgliedern inzwischen einen beachtlichen Anteil, der zu den höchsten im Kantonsrat zählt. Zudem wurde kürzlich eine dieser Kantonsrätinnen zur Gemeindepräsidentin von Niederbüren gewählt und erhöht damit den Frauenanteil der freisinnigen Gemeindepräsidien. Weitere profilierte und bekannte Mitglieder der FDP Frauen sind Bundesrätin Karin Keller-Sutter, die ehemalige Kantonsratspräsidentin und Vizefraktionspräsidentin Imelda Stadler, Stadtparlamentspräsidentin Dr. Barbara Frei-Grimm und die Präsidentin der St.Gallischen Offiziersgesellschaft, Elisabeth Stadelmann-Meier.

Erklärtes Ziel: Eine freisinnige Nationalrätin

Erstmals in der Geschichte des Kantons St.Gallen gibt es zudem eine bürgerliche Frauenliste – lanciert von den FDP Frauen Kanton St.Gallen. Konkret tritt die Frauenorganisation mit 12 kompetenten Frauen aus verschiedensten Regionen des Kantons, aus allen Altersgruppen und mit vielfältigen, unterschiedlichen Lebenshintergründen an. „Das erklärte Ziel ist es, einer freisinnigen Frau den Sprung in den Nationalrat zu ermöglichen. Mittelfristig streben die FDP Frauen einen Frauenanteil in der FDP-Kantonsratsfraktion von 40% an“, erklärt Fabienne Bünzli. Mit Caroline Büchel und Kathrin Gabathuler seien zudem auch Frauen auf der Liste der Umweltfreisinnigen vertreten und mit Jehan Mukawel auch eine Frau auf der Liste der Jungfreisinnigen. In den letzten Monaten hat Susanne Vincenz-Stauffacher bewiesen, dass sie eine der aussichtreichsten Kandidatinnen für die Nationalratssitz von Walter Müller ist. Mit Dr. Brigitte Bailer, Ingrid Markart und Karin Weigelt gibt es drei weitere Topkandidatinnen auf der Stammliste der FDP.

Thurgau hat Aufholbedarf

Die FDP Thurgau hingegen hat in Bezug auf die Frauen einen grossen Aufholbedarf. So gab es noch keine FDP Frau in den nationalen Räten. Auch gab es noch nie eine FDP Frau in der Thurgauer Regierung. Die FDP Thurgau hat 20 Sitze im 130-köpfigen Kantonsparlament. 6 davon werden von Frauen gehalten, rund 30 Prozent. „So darf es nicht weiter gehen. Die FDP Frauen nehmen sich im kommenden Wahlherbst ihre Quote selber“, gibt sich Cornelia Zecchinel kämpferisch. Es stellen sich acht Frauen und vier Männer zur Wahl. Davon auf der Stammliste zwei Frauen und die Frauenliste mit sechs Kandidatinnen. Alle Kandidatinnen kommen aus verschiedenen Regionen. Sie sind im Alter von 28 bis 67 Jahren. „Wichtig war bei der Zusammenstellung der Liste, dass alle Frauen in unterschiedlichen Lebensphasen stehen. Frauen mit und Frauen ohne Kinder. Frauen, welche die intensive Familienzeit hinter sich haben. Frauen, welche noch davorstehen und Frauen, welche mitten drinstecken“, erklärt Zecchinel die Zusammensetzung der Liste.

Nationalratsvertretung AR: Frauenkandidatur wäre „Tüpfchen auf dem i“ Weniger akzentuiert stellt sich die Situation im Kanton Appenzell Ausserhoden dar. 22 Frauen zogen am 1. Juni 2019 ins Ausserrhoder Kantonsparlament ein. Das sind so viele wie nie zuvor. Mit einem Frauenanteil von 33,8 Prozent befindet sich das Ausserrhoder Parlament nun schweizweit im obersten Viertel. Die Parteileitung der FDP Appenzell-Ausserhoden ist sich sehr bewusst, dass in allen politischen Gremien auf ein ausgewogenes Verhältnis zwischen den Geschlechtern, aber auch zwischen den Regionen und den Berufsrichtungen geachtet werden muss. „Diesen Schwung aus den kantonalen Wahlen möchte die FDP AR auch für die Wahlen im Herbst mitnehmen. Die FDP AR möchte der Stimmbevölkerung eine Auswahl, ja eine Alternative bieten. Seit längerem werden Gespräche mit diversen potentiellen Kandidatinnen und Kandidaten geführt. „Diese Gespräche laufen weiterhin. Eine starke Frauenkandidatur wäre das ‹Tüpfchen auf dem i›“, verkündet Christine Moser, Mitglied der Parteileitung der FDP AR. Die Delegiertenversammlung wird die Kandidaturen für National- und Ständerat am 16. August nominieren. „Seien Sie versichert: Wir werden eine Alternative zum rechtslastigen Profil des aktuellen Nationalrats bieten – wir werden Persönlichkeiten bieten, die im Kanton verwurzelt und breit wählbar sind“, so Moser.

Ansprache Elisabeth Zwicky Mosimann Wie kommt es, dass der Frauenanteil im Ständerat wieder aufs Niveau der 90er-Jahre gesunken ist? Wie kommt es, dass der Frauenanteil im Nationalrat mit Müh und Not die 30%-Marke überschritten hat? Und wie kommt es, dass in den Verwaltungsräten der SMI-Unternehmen nicht einmal ein Drittel Frauen Einsitz nehmen? Mit der Einführung des Gleichstellungsgesetzes wäre doch eigentlich die Grundlage geschaffen. Wie kommt es also, dass Gleichstellung noch lange nicht in der politischen und wirtschaftlichen Realität angekommen ist? Und vor allem: Wo können wir ansetzen, damit Frauen und Männer endlich gleichberechtigt sind? Wie können wir zu einem gesellschaftlichen Wandel beitragen – welche Impulse sind nötig?

Wir begrüssen Sie herzlich zu dieser Medienkonferenz. Gerne stelle ich Ihnen die Personen, die heute zu Ihnen sprechen, kurz vor:

  • Fabienne Bünzli, Vizepräsidentin und Wahlkampfleiterin FDP Frauen Kanton St.Gallen, Nationalratskandidatin SG
  • Karin Fagetti, Mitglied der Wahlkampfleitung FDP Frauen Kanton St.Gallen
  • Corniale Zecchinel, Kantonsrätin TG, Nationalratskandidatin TG
  • Christine Moser, Mitglied der Parteileitung FDP AR
Mein Name ist Elisabeth Zwicky Mosimann. Ich bin Präsidentin der FDP Frauen des Kantons St.Gallen sowie Vizepräsidentin der FDP des Kantons St.Gallen und sitze für die FDP im St.Galler Stadtparlament.

Die FDP Frauen Kanton St.Gallen präsentieren Ihnen heute eine Kampagne, die am Nachmittag in Bern national lanciert wird. Mit dieser Kampagne soll das Thema „Gleichstellung“ auf originelle Art und Weise aus einer neuen Perspektive beleuchtet werden. Gleichzeitig starten wir damit in den Kantonen SG, AR und TG die Wahlkämpfe der freisinnigen Frauen in der Ostschweiz für die Nationalratswahlen am 20. Oktober 2019.

Der Freisinn setzt sich aktiv für Frauenförderung ein: FDP Frauen des Kantons SG & FDP Frauen Thurgau haben eigene Listen und in Appenzell Ausserrhoden gehört das Kantons-Parlament seit den Gesamterneuerungswahlen im März schweizweit zu den Spitzenreitern in Sachen Frauenanteil. Die FDP AR setzt sich seit jeher dafür ein, mehr Frauen in politische Ämter einzubinden!

Sie sehen also: Die freisinnigen Frauen der Ostschweiz arbeiten aktiv an einer besseren Frauenvertretung en den politischen Gremien.

Gerne möchte ich Sie darauf hinweisen, dass auch die anwesenden Nationalratskandidatinnen der FDP im Anschluss an die Medienkonferenz gerne für Fragen und Statements zur Verfügung stehen.

Ansprache Fabienne Bünzli Mit Fragen der Gleichberechtigung setzen wir uns vonseiten der FDP Frauen Kanton St.Gallen seit Jahren intensiv auseinander. Erst recht nach letztem Herbst.

Die Frauenliste zeigt auf, wie viele fähige und kompetente Frauen im Freisinn aktiv sind. Diesen Schub wollen die FDP Frauen dementsprechend auch in die folgenden kantonalen und kommunalen Wahlen mitnehmen. Das leistet einen wichtigen Beitrag dazu, mehr Frauen für politische Ämter zu gewinnen. Dies ist aber kein Selbstzweck. Es geht nicht darum, auf Biegen und Brechen gleich viele Frauen wie Männer in der politischen Verantwortung zu sehen. Es geht darum, dass wir fähige Menschen in die Politik miteinbinden und dort ansetzen, wo es am meisten Potential gibt – nämlich bei den Frauen. Das freisinnige Rezept heisst, Chancengleichheit und Vorbilder schaffen. Die Frauenliste ist ein ganz zentraler Katalysator für unser übergeordnetes und langfristiges Ziel: mehr Frauen in der St.Galler Politik.

Mit Caroline Büchel und Kathrin Gabathuler sind zudem auch Frauen auf der Liste der Umweltfreisinnigen vertreten und mit Jehan Mukawel auch eine Frau auf der Liste der Jungfreisinnigen. In den letzten Monaten hat Susanne Vincenz-Stauffacher bewiesen, dass sie eine der aussichtreichsten Kandidatinnen für den Nationalratssitz von Walter Müller ist. Mit Dr. Brigitte Bailer, Ingrid Markart und Karin Weigelt gibt es drei weitere Topkandidatinnen auf der Stammliste der FDP.

Im Rahmen der Vorbereitungsarbeiten für den Nationalratswahlkampf haben wir eine Kampagne entwickelt, die den gesellschaftlichen Diskurs über Gleichstellung auf originelle Art und Weise anregen will. Diese Kampagne war ursprünglich nur für den Kanton St.Gallen geplant. Die FDP Frauen Schweiz waren so begeistert, dass sie unsere Kampagne als nationale Dachkampagne übernommen haben. Allen voran möchten wir uns bei Doris Fiala für ihre grosse Unterstützung bedanken – sie hat sich von Anfang an für die Kampagne stark gemacht und diese auf nationaler Ebene ermöglicht. Die Kampagne wird heute Nachmittag im Rahmen einer nationalen Medienkonferenz der Öffentlichkeit präsentiert.

Mit dieser Kampagne möchten wir Gleichstellung unter einer neuen Perspektive beleuchten. Häufig wird die Lösung für mehr Gleichstellung „externalisiert“: so werden in Politik und Wirtschaft immer wieder Forderungen nach Quoten und weiteren Regulierungen laut. Jedoch geht ein zentraler Aspekt in der bisherigen Debatte völlig unter: der Umstand, dass Gleichstellung bei uns allen, in unseren eigenen Köpfen beginnt.

So thematisiert die Kampagne, dass Frauen und Männer in der Politik und Wirtschaft noch immer nach unterschiedlichen Ellen „bemessen“ werden. Wenn etwa ein Mann in einer Führungsposition selbstbewusst und entgegen von Widerständen seine Entscheidungen fällt, wird er als „stark“ betrachtet. Wenn jedoch eine Frau in einer Führungsposition dasselbe tut, gilt sie als „stur“ oder „starrsinnig“. Solche unterschiedlichen Massstäbe sind hoch problematisch, da sie letzten Endes auch unsere Entscheidungen und unseren Umgang mit unseren Mitmenschen bestimmen.

Der tiefe Frauenanteil im Stände- und Nationalrat sowie in wirtschaftlichen Führungspositionen ist demzufolge nur die Spitze des Eisbergs. Das wahre Problem liegt wesentlich tiefer. Es sind weder Organisationen, Unternehmen, noch „fremde Mächte“, die eine gelebte Gleichstellung verhindern, sondern wir selbst mit unserem eigenen Alltagsverhalten. Durch unterschiedliche Massstäbe zementieren wir selbst Ungleichheiten – oft ganz unbewusst und doch mit spürbaren Folgen. Das zeigt sich beispielsweise, wenn wir einem Kollegen für einen sehr selbstbewussten Auftritt auf die Schulter klopfen und ihn für seine kämpferische Rhetorik loben. Wenn eine Kollegin dasselbe tut, reagieren wir oft ganz anders und finden, sie sei verbissen und habe „Haare auf den Zähnen“. Im einen Fall ermutigen wir also den Mann, sich kämpferisch, wettbewerbsorientiert zu geben. Im anderen Fall aber geben wir zu verstehen, dass kämpferisch sein kein positives Verhalten einer Frau ist. Die Konsequenz davon: Die Frau wird tendenziell konsensorientierter und weniger kämpferisch agieren – das wiederum schafft „Wettbewerbsvorteile“ für den Mann. Er kann sich profilieren, sich für Wahlen oder Führungsfunktionen empfehlen.

Konzipiert und umgesetzt wurde diese Kampagne von Karin Fagetti, Inhaberin einer Kommunikationsagentur und Mitglied der Wahlkampfleitung der FDP Frauen.

Ansprache Karin Fagetti Die Kampagne möchte auf kreative Art und Weise auf die Vorurteile und Klischees gegenüber Frauen aufmerksam machen. In der Wahlkampfleitung führten wir eine systematische Recherche durch, um anhand von Begriffspaaren aufzuzeigen, dass Männer und Frauen in Politik und Wirtschaft nach unterschiedlichen Kriterien „bemessen“ werden. Was bei Männern als positiv bewertet wird, wird den Frauen zur „Last“ gelegt. Anhand einer Zeitschriftenrecherche versuchten wir folgende Frage zu beantworten: „Welche Erfolgsfaktoren werden im Kontext von Politik & Wirtschaft genannt? Welche Attribute werden erfolgreichen Persönlichkeiten zugeschrieben?“ Wir machten ein Brainstorming und kategorisierten die Begriffe anhand der folgenden Typologie: persönlichkeitsbezogene Attribute (d. h. Kriterien, welche sich auf das Auftreten einer Personen beziehen) vs. tätigkeitsbezogene Attribute (d. h. Kriterien, die sich auf die Einstellungen, Entscheidungsschemata und Qualifikationen einer Person beziehen). Anschliessend suchten wir entsprechende Begriffspaare, die negativ besetzt sind. Folgende Begriffspaare haben wir dabei herausgearbeitet:

  • Selbstbewusst – Selbstverliebt
  • Stark-Stur
  • Zackig-Zickig
  • Rational - Emotional
  • Kompetent – Kompliziert
  • Gefordert – überfordert
Es ist mir nun eine grosse Freude, Ihnen die Kampagnensujets zu präsentieren. Die Kampagne wird dreisprachig lanciert (Deutsch, Französisch und Italienisch).

Bei der Umsetzung sind wir nach dem Prinzip „reduce to the max“ vorgegangen. Wir haben versucht, alle möglichen Kontextfaktoren buchstäblich auszublenden und auf Gesichter zu fokussieren, die im exakt im selben „Mood“ aufgenommen wurden. Damit wird die Allgemeingültigkeit der Botschaft herausgestrichen. Unabhängig von Status, Herkunft, Branche etc. sind Frauen und Männer mit diesen Kategorisierungen und unterschiedlichen Bewertungen konfrontiert. Es war uns wichtig, keine Frauenkampagne auf Kosten der Männer zu lancieren – Frauen und Männer werden mit Respekt gezeigt. Das, was wir über sie sagen, ist auch so gemeint. Männer wie Frauen sind kompetent, gefordert, stark, selbstbewusst, rational, zackig.

Im Vorfeld der Lancierung haben die FDP Frauen Schweiz ein umfassendes Botschaften-Testing in Auftrag gegeben. Das Ziel war, jene Begriffspaare zu identifizieren, die am meisten Aufmerksamkeit und die beste Resonanz erzeugen. Die Botschaften wurden an rund 290‘000 Personen getestet, wobei 66‘000 Personen ein messbares Interesse gezeigt haben. Die gezeigten Begriffspaare erzielten das beste Resultat.

Die Kampagne wird in den nächsten Monaten insbesondere an Bahnhöfen präsent sein. Die digitale Kampagne wird ab dem 3. Juni 2019 in allen Landesteilen der Schweiz geschaltet. Während einer Woche im Juni und einer Woche im August werden digitale Plakatwände in allen grossen Bahnhöfen der Schweiz geschaltet.

Mit unserer Kampagne möchten wir also einen Diskurs über solche Klischees anregen und eine Sensibilisierung erreichen. Wir möchten damit einen echten Beitrag zur gelebten Gleichstellung leisten, indem wir das „Problem“ bei der Wurzel packen – auch bei unseren eigenen Wurzeln. Mit der Kampagne appellieren wir an uns alle, unsere eigenen Massstäbe und Bewertungskriterien zu hinterfragen. Das mag zuweilen schmerzhaft oder zumindest unangenehm sein. Aber nur wenn wir uns gewissen Mechanismen bewusstwerden, die unsere Entscheidungen leiten, können wir auch wirklich etwas an der Ungleichstellung von Frau und Mann ändern.

Sie sehen also, die FDP Frauen Kanton St.Gallen setzen sich auf verschiedenen Ebenen für eine gleichberechtigte Gesellschaft ein. Aber auch die FDP Thurgau und Appenzell geben Vollgas, damit mehr Frauen politische Ämter übernehmen.

Ansprache Cornelia Zecchinel Auch im Kanton Thurgau haben wir uns dafür entschieden, im Herbst mit einer eigenen Frauenliste anzutreten und denselben Weg zu wählen wie die Kolleginnen im Kanton St.Gallen.

Die FDP Thurgau hat in Bezug auf die Frauen einen grossen Aufholbedarf. So gab es noch keine FDP Frau in den nationalen Räten. Auch gab es noch nie eine FDP Frau in der Thurgauer Regierung. Die FDP Thurgau hat 20 Sitze im 130-köpfigen Kantonsparlament. 6 davon werden von Frauen gehalten, rund 30 Prozent. So darf es nicht weiter gehen. Die FDP Frauen nehmen sich im kommenden Wahlherbst ihre Quote selber.

Es stellen sich acht Frauen und vier Männer zur Wahl. Davon auf der Stammliste zwei Frauen und die Frauenliste mit sechs Kandidatinnen. Alle Kandidatinnen kommen aus verschiedenen Regionen. Sie sind im Alter von 28 bis 67 Jahren. Wichtig war bei der Zusammenstellung der Liste, dass alle Frauen in unterschiedlichen Lebensphasen stehen. Frauen mit und Frauen ohne Kinder. Frauen, welche die intensive Familienzeit hinter sich haben. Frauen, welche noch davorstehen und Frauen, welche mitten drinstecken.

Unsere jüngste Kandidatin Sibylle Moopanar, fand den Weg über die Aktion „Helvetia ruft“ zu uns. Die FDP Thurgau hat sofort reagiert und die Primarlehrerin und Militärrichterin aufgenommen und auf die Nationalratsliste gesetzt.

Die Frauenliste im Thurgau ist deshalb ausserordentlich wichtig für die FDP. Sie genoss deshalb an der Delegiertenversammlung der FDP Thurgau auch die uneingeschränkte Unterstützung der FDP-Mitglieder.

Ganz nach unseren liberalen, freisinnigen Grundsätzen nehmen wir Frauen unseren Platz in der Politik selbstbewusst und selbstbestimmt ein. Wir möchten nach Bern und schreiten dafür als Vorbilder voran – damit möchten wir andere liberale Frauen ermutigen, sich ebenfalls in den Wind zu stellen und sich für unser Land und unseren Kanton zu engagieren.

Ansprache Christine Moser 22 Frauen zogen am 1. Juni 2019 ins Ausserrhoder Kantonsparlament ein. Das sind so viele wie nie zuvor. Mit einem Frauenanteil von 33,8 Prozent befindet sich das Ausserrhoder Parlament nun schweizweit im obersten Viertel, während das St. Galler Kantonsparlament mit 18,3 Prozent einen vergleichsweise tiefen Frauenanteil aufweist.

Die Parteileitung der FDP Appenzell-Ausserhoden ist sich sehr bewusst, dass in allen politischen Gremien auf ein ausgewogenes Verhältnis zwischen den Geschlechtern, aber auch zwischen den Regionen und den Berufsrichtungen geachtet werden muss.

Diesen Schwung aus den kantonalen Wahlen möchte die FDP AR auch für die Wahlen im Herbst mitnehmen.

Die FDP AR möchte der Stimmbevölkerung eine Auswahl, ja eine Alternative bieten. Die FDP AR führt seit längerer Zeit Gespräche mit diversen potentiellen Kandidatinnen und Kandidaten. Diese Gespräche laufen weiterhin. Eine starke Frauenkandidatur wäre das Tüpfchen auf dem „i“.

Die Delegiertenversammlung wird die Kandidaturen für National- und Ständerat am 16. August, im Rahmen unseres Sommerfests, nominieren.

Seien Sie versichert: Wir werden eine Alternative zum rechten Profil des aktuellen Nationalrats bieten – wir werden Persönlichkeiten bieten, die im Kanton verwurzelt und breit wählbar sind.

(OriginalMitteilung, FDP St.Gallen)