Home Region Sport In-/Ausland Magazin Agenda
Lifestyle
09.11.2022
09.11.2022 12:04 Uhr

Stilles Örtchen für «divers»?

Wie erkläre ich es meinem Kinde?
Wie erkläre ich es meinem Kinde? Bild: Goldküste24
Diese Woche begegnete mir ein Text mit der neuen Toilettenbezeichnung «divers». Ich musste zwei Mal hinschauen, eh ich begriff, dass die Toiletten in Zukunft wirklich so bezeichnet werden würden.
  • Überlegungen zu einem Piktogramm von Patricia Rutz

Ich merkte schnell, dass eine meiner Töchter ganz eine andere Einstellung zum Piktogramm mit dem Strich-männchen/-frauchen hatte als ich. Sie fand die Bezeichnung gerechtfertigt. Für sie ist es eine Entwicklung in die richtige Richtung. Ich wollte mich nicht weiter mit ihr anlegen und mich geradezu aufs Glatteis begeben. Meine Argumentationen landeten bei ihr auf dem Kompost.

Meine Meinung, dass Kinder bis zu einem gewissen Alter nicht entscheiden können, welchem Geschlecht sie sich nun zugehörig fühlen, bläst sie in den Wind. Es gäbe viele Kinder, die sich nicht wohl in ihrer Haut fühlten. Die aber nicht wüssten warum. Wenn man sie konkret fragen könnte, dann wäre das vielleicht für das eine oder andere Kind eine Erlösung.

Meine Zweifel, dass es ein Kind verunsichern könnte, wenn fragt, ob es sich als Junge oder Mädchen fühlt, sind für sie inexistent. Das ich diese Meinungsverschiedenheit erwähne, liegt daran, dass ich es immer wieder schwierig finde, solche Themen anzusprechen. Es geht mir nicht darum, zu diskriminieren oder nicht zu verstehen. Ich kann mir sicher nicht vorstellen, wie es ist, wenn man sich im falschen Körper fühlt, doch kann ich verstehen, dass es ein Problem sein kann.

Für mich ist alles in Ordnung, solange erwachsene Menschen entscheiden, ob sie im richtigen oder falschen Körper sind. Sie haben die Verantwortung für sich selbst, und tragen sie auch, wenn sie etwas körperlich verändern, um sich im richtigen Körper zu fühlen. Doch bei einem Kind bin ich mir da nicht so sicher. Die Frage ist, wie lange ein Kind ein Kind ist. Das ist heute auch schwierig geworden, weil ich mich da wieder auf Glatteis begebe.

Recht haben, ist sekundär

Ich habe nicht den Anspruch, dass meine Meinung richtig ist. Doch möchte ich es gerne in die Diskussionsrunde bringen dürfen. Ich bin heute mit fast 60 immer noch überzeugt, dass Kinder gewisse Richtlinien, Leitplanken brauchen und trotzdem sich sehr frei bewegen können. Sie suchen Grenzen und brauchen sie sicher auch. Die Natur setzt auch Grenzen. Bei einem dichten Schneegestöber ist manchmal ein Weiterkommen unmöglich. Es gibt nichts anderes, als abzuwarten. Grenzenlosigkeit bedeutet nicht unbedingt Freiheit. Und da müsste man wieder Freiheit definieren können.

Unisex als Lösung?

Zurück zum Piktogramm – weder noch oder sowohl als auch – wie kann ich meinem Kind diese Männchen/Frauchen erklären? Ein Strich-männchen, -frauchen, dass auf einer Seite ein Röckchen trägt und auf der anderen eine Hose.

Ich habe mir Gedanken gemacht – wir haben grundsätzlich beide Teile in uns, männlich wie weiblich. Es wird von männlichem und weiblichen Teil in einem Menschen gesprochen. So gesehen ist das Piktogramm ein Ausdruck, dass beide Teile im Menschen zuhause sind. Doch versteht ein Kind das schon?

Keine Verunsicherung mehr

Ich müsste mir echt überlegen, wie ich einem Kind erklären könnte, warum das Strich-männchen oder -frauchen jetzt auf einer Seite ein Röckchen trägt und auf der anderen eine Hose. Ich denke, ich würde es als Verkleidung deklarieren. An manchen Tagen ist Mensch gerne ein Mann, an manchen eine Frau, je nach dem, was gerade ansteht. Das wäre für mich eine Option. Mir macht persönlich die Spaltung etwas zu schaffen. 

Ein Mensch, der sich gespalten fühlt, fühlt sich nicht vollkommen, sicher auch nicht wohl in seiner Haut. Ein Mensch, der sich nicht wohlfühlt, kann sehr unsicher wirken. Unsicherheit ist für Kinder eine schwierige Situation. Als Kind gibt es oft Situationen, in denenn es sich nicht wohl und sicher fühlt. Es ist noch in der Lernphase, probiert aus, stolpert, steht wieder auf und übt. Irgendwann hat es soviel geübt, dass es sich sicher fühlt und diese Sicherheit strahlt es auch aus, genauso wie ein erwachsener Mensch.

Dieses Piktogramm hat zweifeslohne in mir auch Unsicherheit ausgelöst. Doch auf der anderen Seite habe ich mir überlegt, dass es sehr gut sein könnte, wenn es einfach wieder Toiletten für unisex gäbe. Keine verunsichernden Piktogramme und keine Erklärungen, sollte man sich für eines der der Strich-männchen oder -frauchen entscheiden.

Patricia Rutz/Goldküste24