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Gesundheit
27.09.2022
28.09.2022 18:52 Uhr

Krankenkassen-Prämien steigen um 6,6 Prozent

Die Krankenkassenprämien steigen 2023 um 6,6 Prozent im Durchschnitt, im Kanton St.Gallen gar um 6,9 Prozent. (Symbolbild)
Die Krankenkassenprämien steigen 2023 um 6,6 Prozent im Durchschnitt, im Kanton St.Gallen gar um 6,9 Prozent. (Symbolbild) Bild: KEYSTONE/CHRISTIAN BEUTLER
Die Krankenkassenprämien steigen 2023 um durchschnittlich 6,6 Prozent. Die mittlere Monatsprämie wird sich damit auf 334.70 Franken belaufen. Auslöser seien die Corona-Pandemie und Nachholeffekte.

Die mittlere Prämie für Erwachsene steigt auf 397.20 Franken im Monat, wie das Bundesamt für Gesundheit (BAG) am Dienstag an einer Medienkonferenz mit Bundesrat Alain Berset bekannt gab. Das entspricht einem Anstieg um 6,6 Prozent.

Die Prämie für junge Erwachsene verteuert sich um 6,3 Prozent auf 279.90 Franken im Monat. Und die Prämien für Kinder steigen um 5,5 Prozent auf durchschnittlich 105 Franken.

Nach vier Jahren relativer Stabilität sei der Anstieg «beträchtlich», teilte das für die Bewilligung der Prämien zuständige BAG mit. Die Coronavirus-Pandemie belastete das Gesundheitssystem stark.

Kostenanstieg seit dem zweiten Halbjahr 2021

Die Pandemie verursachte zum einen direkte Kosten etwa für Spitalbehandlungen und Impfungen. Zum anderen verursachte sie indirekte Kosten unter anderem durch verschobene Eingriffe. Diese Verschiebungen führten zu Nachholeffekten, die ab der zweiten Hälfte 2021 stark zunahmen. Das schlug sich in einem Kostenwachstum von 4,5 Prozent nieder. Die Gesundheitskosten stiegen zudem im ersten Halbjahr 2022 weiter.

Die Berechnung der Prämien basiert auf Schätzungen. Nach Angaben des BAG waren diese durch die Pandemie besonders schwierig. Es zeigte sich indessen, dass die Prämien 2021 und 2022 die Kosten nicht deckten. Deshalb ist der Nachholprozess 2023 vom Gesetz her zwingend.

Die mittleren Prämien steigen 2023 in allen Kantonen. In den fünf vergangenen Jahren betrug der durchschnittliche Anstieg jährlich 1,5 Prozent. 2013 bis 2018 verteuerten sich die Krankenkassenprämien um jeweils 3,8 Prozent.

Das BAG prüfte alle von den Krankenversicherern eingereichten Prämien und genehmigte sie schliesslich. Wo nötig, veranlasste es Änderungen.

Reserven der Versicherer schrumpfen

In den vergangenen Jahren konnten die Krankenkassen das Prämienwachstum dämpfen, indem sie ihre Reserven anzapften. Der Bundesrat hatte ihnen 2021 den freiwilligen Reservenabbau erleichtert. Das wirkte sich auf die Prämien 2022 aus.

Gemäss dem BAG ist dieser Handlungsspielraum dieses Jahr geringer. Die Verluste an den Finanzmärkten wegen des Ukraine-Kriegs, die steigenden Zinsen und die höheren Kosten hätten die Reserven schrumpfen lassen, schrieb das BAG. Die Reserven lägen indessen immer noch über der gesetzlichen Mindestgrenze.

Eine Ende des Kostenwachstums im Gesundheitssektor ist gemäss dem Bundesamt nicht in Sicht. Der medizinisch-technische Fortschritt, das zunehmende Leistungsvolumen und die alternde Bevölkerung treiben die Kosten weiter an.

Kostendämpfung als Daueraufgabe

Das BAG verweist indessen auf Massnahmen zur Kostendämpfung. Die Hebel dabei sind etwa eine Begrenzung von Überangebot und -nachfrage, Tarifanpassungen im ambulanten Bereich, die Spitalplanung und mehr Transparenz in der obligatorischen Krankenversicherung.

Kürzlich verabschiedete der Bundesrat ein zweites Massnahmenpaket zur Kostendämpfung und einen Gegenvorschlag zur Kostenbremse-Initiative der Mitte. Zudem ist eine Verordnungsänderung in der Vernehmlassung, welche etwa die Generika-Förderung vorsieht.

Bereits umgesetzt sind unter anderem die Senkung der Labortarife und der Medikamentenpreise.

Ostschweiz: Anstieg im Kanton St.Gallen um 6,9 Prozent

In den Kantonen St.Gallen und Thurgau liegt der Anstieg leicht über dem Schweizer Schnitt: Für St.Gallen hat der Bund bei den Prämien für Erwachsene einen Anstieg um 6,9 und für den Thurgau um 7,1 Prozent berechnet.

Innerrhoden mit grösstem Anstieg

Markant ist vor allem die Erhöhung in Appenzell Innerrhoden: Dort werden die Prämien für Erwachsene im nächsten Jahr um 9,5 Prozent angehoben, das ist der grösste Sprung aller Kantone. Die Standeskommission (Regierung) relativiert: Auch nach diesem Anstieg lägen die Prämienbeträge schweizweit «mit Abstand am tiefsten», heisst es in der Mitteilung vom Dienstag.

Der Anstieg hänge zu einem grossen Teil mit den vergangenen und erwarteten Gesundheitskosten zusammen. Weitere Gründe seien eine höheren Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen wie auch der medizinische Fortschritt, der die Kosten tendenziell steigen lasse. Die Standeskommission gehe davon aus, «dass der Prämienanstieg in den folgenden Jahren wieder gemässigter ausfallen wird».

Tiefere Beträge in der Ostschweiz

Zahlen des Bundes zeigen die Höhe der durchschnittlichen Prämienbeträge in der Ostschweiz: Nimmt man die mittleren Prämien für Erwachsene, müssen im kommenden Jahr in Innerrhoden monatlich 280.90 Franken bezahlt werden. In Ausserrhoden werden es laut Berechnungen des Bundes 343.30 Franken sein. Im Kanton St.Gallen sind es 351.90 Franken und im Thurgau 354.30 Franken. Zum Vergleich: Für die ganze Schweiz wurden 397.20 Franken berechnet.

Dabei handelt sich allerdings um Durchschnittswerte. Sie können sich von den tatsächlichen Prämien stark unterscheiden, die die einzelnen Krankenversicherer im kommenden Jahr verlangen werden.

Ähnlich wie in Innerrhoden ist die Entwicklung in Appenzell Ausserrhoden. Die Prämien für Erwachsene werden um 8,2 Prozent erhöht. Die Steigerung erfolge von einem tiefen Niveau aus, erklärte Gesundheitschef Yves Noël Balmer (SP) auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Die mittlere Prämie liege betragsmässig immer noch 14 Prozent unter dem Schweizer Durchschnitt.

Wie in anderen Kantonen ist auch in Ausserrhoden der Nachholeffekt spürbar: Zwar seien die kostenintensiven spitalstationären Leistungen etwas gesunken. Im Gegenzug hätten sich die ambulanten Leistungen in Spitälern und Arztpraxen stark erhöht.

Keystone-SDA / Linth24