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Kultur
15.07.2022

Streetart und Kunst entlang der Strassen von St. Gallen

Streetart-Künstler Dominik «Drü Egg» Rüegg vor seinem neun Meter hohen Werk in St. Gallen.
Streetart-Künstler Dominik «Drü Egg» Rüegg vor seinem neun Meter hohen Werk in St. Gallen. Bild: Kunstverein Oberer Zürichsee
Dominik Rüegg, ein bekannter Streetart-Künstler, zeigte den rund 25 Mitgliedern des Kunstvereins Oberer Zürichsee am vergangenen Samstag in St. Gallen Streetart und vieles mehr.

Streetart ist Strassenkunst ist Kunst im öffentlichen urbanen Raum. Sie soll auffallen, kommunizieren, an- und aufregen. Aber zweifelsohne fällt sie auf – immer.

Die Liebe und tiefe Verbundenheit zu seiner Heimatstadt spiegelt sich in dem von Dominik Rüegg erschaffenen XXL-Gemälde an der Oberstrasse 167b spürbar wider. Doch bis es so weit war, musste der Künstler so manche Hürde nehmen. «Drü-Egg», wie er auch genannt wird, entdeckte die neun Meter hohe graue Wand beim täglichen Vorbeifahren und sie schien ihn geradezu herauszufordern, diese triste Fläche zu einem Farbenkunstwerk werden zu lassen. Erste Anfragen an die Stadt, Besitzerin der Liegenschaft, wurden abgeschmettert. Drei Jahre später versuchte er es erneut und der Kampf mit Baubewilligungen, Denkmalschutz, Bewilligungen von Polizei und Feuerwehr begann. Bis er endlich loslegen durfte, sind nochmals zwei Jahre ins Land gegangen. Zudem musste Rüegg eine verbindliche Skizze einreichen, obwohl er sich nur ungern solchen Zwängen aussetzen mag.

70 Stunden Arbeit

70 Stunden Arbeit mit Rolle und Fassadenfarbe bei hochsommerlichen Temperaturen auf der Hebebühne, gute Musik und jede Menge Kaffee: das Ergebnis kann sich sehen lassen. Das Mühleggbähnli, die «Drei Weieren» und die Sitterbrücke sind ebenso vertreten wie das St. Galler Openair, der Tröckneturm, die Kreuzbleiche, die Stickerei, eine Hommage an Roman Signer und natürlich die berühmte St. Galler Bratwurst. Trotz dem finanziellen Entgegenkommen der Lieferanten und dem totalen Verzicht auf sein Honorar brauchte es ein Crowdfunding, um das Werk zu finanzieren. Das Geld kam überraschend schnell zusammen, wohl dank des überaus positiven Feedbacks aus den Reihen der Bevölkerung, und im letzten Jahr konnte das Kunstwerk endlich eingeweiht werden.

  • Streetart-Künstler Dominik «Drü Egg» Rüegg (l.) erklärt dem Kunstverein Oberer Zürichsee ein neun Meter hohes Werk. Bild: Kunstverein Oberer Zürichsee
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  • Auf dem «Roten Platz» von Pipilotta Rist zeigt Streetart-Künstler Dominik «Drü Egg» Rüegg dem Kunstverein interessante Details. Bild: Kunstverein Oberer Zürichsee
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Ein Weg voller Kunst

Während des Spaziergangs in Richtung Stadtmitte zur Rüeggs Atelier und Ausstellungsraum im «Haus zur Ameise» zeigte der Streetart-Künstler den Mitgliedern des Kunstvereins interessante Trouvaillen St. Gallens. Die Zwischennutzung des Güterbahnareals Lattich mit den vielen pittoresken Ateliers und Lädchen; die parallel zur Davidstrasse verlaufende «Kutschenstrasse», einst nur von Arbeitern benutzt und der berühmte «Rote Platz», von der Multimedia-Künstlerin Pipilotti Rist gestaltet, mit seinen Sofas, Stühlen, Liegen, dem Porsche und den darüber schwebenden und nachts leuchtenden Findlingen. Roman Signers Kunst konnte gleich zweimal live bestaunt werden. Zum einen mit der Installation im Geschäftshaus Schibenertor, zum anderen mit dem «Roten Fass», das 1987 glühenden Volkszorn hervorrief und nun als eines der Wahrzeichen St. Gallens gilt.

Doris Fedrizzi (l.) vom Kunstverein dankt dem Streetart-Künstler Dominik Rüegg in seinem Atelier für die spannende Führung durch seine Heimatstadt St. Gallen. Bild: Kunstverein Oberer Zürichsee

Der Kunstverein dankt dem Künstler

Einen spannenden Querschnitt seines Schaffens als freier Illustrator, Animator und Künstler zeigte Dominik Rüegg in seinem Atelier, darunter sein neuestes farbenprächtiges Werk beim Exomusée in Le Locle. Besonders stolz ist Rüegg, dass Liedermacher und Comiczeichner Manuel Stahlberger seinem Atelier mit «Herr Mäder im Ameisenhaus» ein Denkmal setzt. Mit grossem Applaus dankte der Kunstverein dem sympathischen Künstler für den rundum spannenden Vormittag und liess die Erlebnisse während des gemeinsamen Mittagessens im «Brauwerk» Revue passieren, bevor es wieder mit dem Zug in Richtung Heimat ging.

Kunstverein Oberer Zürichsee