Eschenbach
11.04.2019

ESCHENBACH: ZOFF IM GEWERBEVEREIN WEGEN AERNE

Eschenbach braucht einen neuen Präsidenten. Drei Kandidaten stehen bereit. Der Gewerbeverein gibt aber nur einem die Chance, sich zu präsentieren. Das sorgt für Unmut. Eine Story von Stefan Millius, «die Ostschweiz».

Per Ende September 2019 räumt Josef Blöchlinger, Gemeindepräsident von Eschenbach, sein Büro. Die Ersatzwahl findet am 19. Mai statt.

Eine Findungskommission hatte es sich ursprünglich zur Aufgabe gemacht, eine Auswahl an Kandidaten zu finden. Das gelang aber nicht. Interessierte gab es, aber sie wagten den letzten Schritt nicht. In einem Fall war man offenbar nahe dran, einen Mann aus der Wirtschaft zu überzeugen, doch er zog sich zurück.

Einziger Interessent blieb Cornel Aerne (CVP), Vize-Gemeindepräsident, Kantonsrat und von Beruf Kriminaltechniker. Die Findungskommission beschloss aufgrund dieser Ausgangslage keine Unterstützung auszusprechen. Ziel sei es gewesen, den Stimmbürgern eine Auswahl zu bieten, und das sei nicht gelungen.

Nun gibt es aber doch noch eine Auswahl. Denn vor Ende der Anmeldefrist meldeten zwei Personen ihre Kandidatur an: Der parteilose Landwirt Andreas Büeler und der Sozialarbeiter Ivo Kuster (SP).

Nun beginnt also der Wahlkampf. Und traditionell bieten die Parteien, Verbände und Vereine den Kandidaten die Gelegenheit, sich vorzustellen, danach erfolgt die Entscheidung, wer unterstützt werden soll.

Der Gewerbeverein Eschenbach hält aber offenbar nichts von diesem Prozedere. In den sozialen Medien kursiert dieser Ausschnitt aus einer Einladung des Vereins an seine Mitglieder:

Ausriss aus dem Schreiben des Gewerbevereins Eschenbach.

Mit anderen Worten: Jemand aus dem Gewerbeverein - mutmasslich der Vorstand - hat seinen Mitgliedern die Entscheidung bereits aus den Händen genommen. Gemeinderat Cornel Aerne wird an der Versammlung als einziger überhaupt vorgestellt, die anderen beiden Kandidaten erhalten nicht einmal die Möglichkeit dazu. Sie werden nicht etwa nur als weniger geeignet dargestellt, sondern faktisch als unwählbar.

Auf Facebook wird das von einigen Bürgern als undemokratisch bezeichnet. Auch kommt der Vorwurf auf, der amtierende Gemeindepräsident habe an der letzten Bürgerversammlung gegen die beiden Kandidaten «gewettert», die auch beim Gewerbeverein nicht auf Sympathie stossen - auch wenn er auf Namen verzichtet habe.

Es sieht ganz danach aus, als würden entscheidende Kräfte in Eschenbach dem Gemeinderatsmitglied Aerne den Weg ohne Störung ebnen wollen. Auch aus der Findungskommission kommt Kritik. Der Gemeinderat habe es erschwert, zusätzliche Kandidaten aufzustellen, indem die Wahl sehr kurzfristig angesetzt wurde.

Für den von vielen gesetzten Cornel Aerne wiederum könnte das Ganze zum Bumerang werden. Es wäre nicht das erste Mal, dass sich das zweifelhafte Gebaren von Unterstützern gegen den Kandidaten richtet, weil die Bevölkerung davon wenig hält.

(Stefan Millius, Chefredaktor: www.dieostschweiz.ch)