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Leserbrief
Rapperswil-Jona
23.05.2022
24.05.2022 09:20 Uhr

«Stadtrat erkennt die Zeichen der Zeit immer noch nicht»

Beat Schuler und Elisabeth Beer aus Jona schreiben: «Von einer Exekutive wird heute erwartetet, dass sie zukunftsgerichtete, klimaverträgliche und ökologisch verantwortbare Projekte vorlegt.»
Beat Schuler und Elisabeth Beer aus Jona schreiben: «Von einer Exekutive wird heute erwartetet, dass sie zukunftsgerichtete, klimaverträgliche und ökologisch verantwortbare Projekte vorlegt.» Bild: Stadt RJ
Zwei Linth24-Leser äussern sich zum Projekt Grünfelspark der Stadt Rapperswil Jona und nehmen dabei mehrere Auszüge aus der Broschüre für die Bürgerversammlung genaustens unter die Lupe.
  • Leserbrief von Beat Schuler und Elisabeth Beer

Auszüge aus der Broschüre für die Bürgerversammlung vom 2. Juni 2022 im Stadtsaal Kreuz

Zitat 1 aus der Broschüre: «Die Grünfelswiese soll zu einer öffentlichen und identitätsstiftenden Parkanlage umgestaltet werden.»

Mit Verlaub:  Welche Identität soll hier für wen gestiftet werden? Ob dies dem Willen des Legats der Schauspielerin Lotti Stiefel entspricht, ist fragwürdig. In unmittelbarer Nähe der Villa Grünfels, wo kulturelle Veranstaltungen stattfinden und die Musikschule ist, bietet ein Stadtpark – welcher Atmosphäre, Ruhe und Erholung ausstrahlt – die perfekte Ergänzung. Auch gibt es genügend Sport- und Freizeitanlagen. Auch die Schulareale können als Aufenthalts- und Spielplätze in der Freizeit dienen. Dort hat es genügend Platz, um einen Pumptrack aufzustellen.

Zitat 2: «Der neue Grünfelspark ist ein grüner, offener und vielfältig nutzbarer Freiraum.»

Dies widerspricht dem Wesen eines Parks, als ruhiger Erholungsort inmitten einer hektischen Umgebung. Mit der Fuss- und Velowegverbindung Schlüsselweg Ost, zwischen Schlüsselstrasse und Bahnhof Jona, wurde schon früher die Einheit der Wiese zerstört. Dazu kommt, dass der Velo-und Fussweg keine Fortsetzung bietet – weder beim Bahnhofplatz noch an der Schlüsselstrasse. Und ist dies nicht schon genug, so soll dieser auf eine Breite von 5 m (Strassenbreite) vergrössert werden.  Dazu kommt, dass der Schlüsselweg West als Fuss-und Radzubringer zum Bahnhof Jona schon heute eine versiegelte Fläche ist und noch auf 3.5 m verbreitert werden soll. Ein naturnaher Park besteht aus schmalen Kies-oder Schotterwegen, welche nur zu Fuss begangen werden dürfen!

Zitat 3: «Die Entwässerung der beiden Wege erfolgt über die Schulter ins angrenzende Wiesland. Die Beleuchtung soll angepasst werden.»

Dies ist in Ordnung im Sommer. Im Winter zerstört das Salzwasser die Wiese. In einem Park hat es keine grosse Beleuchtung.

Zitat 4: «Der Rollpark/Pumptrack ergänzt Parkangebot zwischen Drachenspielplatz und Bahndamm südlich des Schlüsselweges. Die ökologische und landschaftliche Gestaltung der Flächen innerhalb des Rollpark-Perimeters erfolgt unter Berücksichtigung des Gesamtkonzepts des Grünfelspark.»

Wie soll das gehen? Zuerst projektiert man eine Rollparkanlage und versieht sie mit «ökologischen» Elementen. Ein Rollpark/Pumptrack hat in unmittelbarer Umgebung eines Parks nichts verloren. Wenn schon wäre es sinnvoller, den bestehenden Drachenspielplatzes zu erweitern. Rapperswil-Jona ist auf zwei Seiten vom See umgeben, dazu kommen das Freibad Stampf, die Seebadi und das Lido. Es braucht keine weiteren Wasserspiele. Auch weitere Installationen wie Wasserjet, Bocciabahn, Tischtennis und Grillmöglichkeiten gehören nicht in einen Park. In der Mitte des Parks ist eine Spielwiese geplant. Auch dies steht diametral dem Wesen eines Parks gegenüber. Deshalb soll die Wildwiese über das ganze Areal ausgedehnt und viel mehr Bäume gepflanzt werden. Ob der vorgesehene Wald in unmittelbarer Nähe der Wohnungen Sinn macht, ist fraglich. Die Wohnungen haben nur Balkone bzw. Gartensitzplätze auf der Ostseite. Hohe Bäume könnten zu übermässiger Beschattung führen.

Von einer Exekutive wird heute erwartetet, dass sie zukunftsgerichtete, klimaverträgliche und ökologisch verantwortbare Projekte vorlegt.  Es ist ihre Pflicht, den Einwohner*innen aufzuzeigen, dass im Interesse unserer Umwelt und unserer Zukunft nicht mehr auf Partikularwünsche eingegangen werden kann. Offenbar erkennt der Stadtrat die Zeichen der Zeit immer noch nicht!

Beat Schuler und Elisabeth Beer aus Jona