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Schänis
03.05.2022
04.05.2022 21:49 Uhr

Festspiel mit nationaler Ausstrahlung in Schänis

Im Rössli trifft sich das Volk in der Nacht der langen Messer vor dem 2. Mai 1847.
Im Rössli trifft sich das Volk in der Nacht der langen Messer vor dem 2. Mai 1847. Bild: Hans-Ulrich Blöchlinger
Eine Uraufführung, ein Premierenwochenende und ein magistraler Besuch liegen hinter Schänis. Das Festspiel der Commedia Adebar begeistert das Publikum mit einem historischen Blick auf den 2. Mai 1847.

«D’Schtund vo de Zuekunft» hat am vergangenen Wochenende in Schänis am Fusse der Federi geschlagen. Das Festspiel der Commedia Adebar begeistert das Publikum mit einem spannenden historischen Blick zurück auf die Ereignisse des 2. Mai 1847. Der Ausgang der Bezirkswahl war damals überraschend und schicksalsträchtig.

Wie der erste fallende Dominostein stiess die Wahl von rein liberalen Exponenten für St.Gallen eine Kaskade an weiteren Ereignissen an, welche schliesslich zur Gründung unserer modernen Eidgenossenschaft führten. Das denkwürdige Ereignis oder vielmehr das 175-Jahre Jubiläum wurde am Montagabend mit einem Festakt mit hohem Besuch gefeiert. Bundesrätin Karin Keller-Sutter beehrte Schänis.

Gast im Gasterland: Bundesrätin Karin Keller-Sutter würdigte die Ereignisse vom 2. Mai 1847. Bild: Gabi Corvi

Im Kreuzstiftgarten geht’s rund

Wie ein Puzzle fügen sich die Szenen des Freilichtspiels «D’Schtund vo de Zuekunft» lustvoll ineinander und ein Bild entsteht, das von List und Liebe erzählt, von Frömmigkeit und Freiheit, von Männern, welche die Strippen zogen, damals im Gaster. Es ist aber auch eine Geschichte derjenigen, die keine Stimme hatten. Den Frauen. Als Schwarm der Jahrhundertfrauen werden sie gehört, im Kollektiv und als Individuen. Mit ihren Visionen und Sehnsüchten, ihrem Witz und Mut.

  • Leonhard Gmür im Elend. Für die Konservativen bricht augenscheinlich alles zusammen. Bild: Hans-Ulrich Blöchlinger
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  • Im Rössli trifft sich das Volk in der Nacht der langen Messer vor dem 2. Mai 1847. Bild: Hans-Ulrich Blöchlinger
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Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart

Das Stück von Rebecca C. Schnyder schlägt eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart und lässt die Figuren zu den Klängen von Schäbyschigg auf einem Zeitstrahl defilieren. Oder treffender: Dominik Gmür, Leonhard Gmür, Magd Mari und Wirtshaustochter Christina Fäh tanzen, trinken, philosophieren, intrigieren, beten und kämpfen auf dem Rund der Kirchturmuhr. Das Publikum nimmt Platz inmitten dieser «Theater-Manege», begibt sich auf eine Zeitreise. Man bleibt bewegt, auf einem drehbaren Stuhl. Der Blick wandert da hin, wo der Zuschauer oder die Zuschauerin will. Und es gibt viel zu sehen und zu hören auf dieser fantastischen Bühne. 

  • In der grandiosen Klangkulisse von Schäbyschigg bewegen sich die selbstbewussten Jahrhundertfrauen. Bild: Hans-Ulrich Blöchlinger
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  • AdebarKultur-Präsident Fritz Schoch (helles Hemd) freut sich mit dem Publikum auf eine spannende Aufführung. Bild: Gabi Corvi
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Zwischen den Fronten

Die Adebaren laufen unter der Regie von Barbara Schlumpf zu Hochform auf zwischen den Fronten der Liberalen und den Konservativen, an den Stammtischen des Rössli und des Hirschen, im Stall von Gallus Gmür, wo die Kühe am Morgen keine Milch geben wollen und der Güggel nicht kräht. Es muss – Himmel Herrgott - an der Zeit liegen. Am Wahltag vom 2. Mai 1847 ist sie vorgerückt. Den Konservativen aus Amden fehlt eine Stunde. Nun schlägt das Pendel aus in Richtung Veränderung. Und am Ende sind auch die Jahrhundertfrauen ihre schwarzen Schichten, ihre Röcke und Rüschen los. In leidenschaftlichem Rot stehen sie da, stehen für ein neu geborene Schweiz.

Bundesrätin Karin Keller-Sutter mit dem Schänner Gemeindepräsidenten auf der Bühne der Mehrzweckhalle in Schänis. Bild: Gabi Corvi

Bundesrätin würdigt den 2. Mai 1847

Am vergangenen Montag stand dann der Festakt zum 175-Jahre Jubiläum der Ereignisse rund um den Wahltag anno 1847 an. Nicht nur die St.Galler Ständeräte Paul Rechsteiner und Beni Würth sowie fast alle Gemeindepräsidentinnen und -präsidenten aus den Linthgebietgemeinden fanden den Weg nach Schänis. Sogar Bundesrätin Karin Keller-Sutter hielt eine Rede. Sie sprach von einer Wende, die sich damals vollzogen und die politische Welt auf den Kopf gestellt hatte. So sei schliesslich der Weg frei geworden für die Schweizerische Bundesverfassung von 1848, die grundlegende Werte wie die Meinungsfreiheit oder Pressefreiheit verankerte. Sie ist auch heute noch die Basis für das föderalistische und friedliche Zusammenleben in unserem Land. Wer also an der Wiege unseres Bundesstaates stehen will, der kann dies noch bis am 22. Mai 2022 mit dem Freilichtspiel «D’Schtund vo de Zuekunft» tun.

www.commediaadebar.ch

pd