Rapperswil-Jona
12.03.2019

EINE WAHL-ANALYSE: VON OHRFEIGEN UND LIEBESERKLÄRUNGEN

Letzten Sonntag wurde im Kanton St. Gallen über den Ständeratssitz und in Rapperswil-Jona übers Schulpräsidium abgestimmt. Linth24 hat die Resultate analysiert. Sie könnten ein Signal für die kommenden Wahlen sein.

Wilhelm Güntensperger schrieb gestern auf Facebook, die Resultate zu den Stadtrats-, respektive Schulpräsidiums-Wahlen in Rapperswil-Jona hätten gezeigt, «wie wenig Rückhalt die beiden nicht gewählten, amtierenden Stadträte» im Volk hätten. Bei den nächsten Wahlen müsse deshalb zum Wohle der Gemeinde «eine Umbesetzung» erfolgen. Und der Rapperswiler Unternehmer Peter Beerli doppelte mit seinem Post nach: «Eigentlich wäre es anständig von den beiden Nichtgewählten, jetzt die politischen Konsequenzen zu ziehen und von allen Ämtern zurückzutreten.»

Einer dieser beiden angesprochenen Nichtgewählten ist der amtierende Stadtrat Roland Manhart (CVP). Er nannte sein bedenkliches Abschneiden in einer Lokalzeitung «eine Ohrfeige». Damit hat er mehr als Recht. Denn er hätte eigentlich alle Bedingungen erfüllt, um Schulpräsident zu werden. Er ist ausgebildeter Lehrer und müsste sich im Schul-Metier auskennen. Er sitzt seit sechs Jahren im Stadtrat und sollte auch wissen, was Politik ist. Und er ist Mitglied der CVP, also der stärksten Partei im bürgerlichen Rapperswil-Jona. Obendrauf hat seine Partei seine Wahlplakate erst noch neben diejenigen von Ständeratskandidat Benedikt Würth gehängt, der als sachkundiger und äusserst erfolgreicher Politiker einen grossen Namen hat. Womit von Manharts CVP-Kollegen der zwar unlogische aber augenfällige Versuch gemacht wurde, den lokalen CVP-Mann im Wind des weitherum geschätzten Regierungsrat Benedikt «Beni» Würth segeln zu lassen.

Liebeserklärung statt Ohrfeige

Vergleicht man nun die Wahlresultate der beiden vom letzten Sonntag, nützte nicht einmal das: Manhart erlebte ein Grounding, während Würth in Rapperswil-Jona eine Zustimmung von über 68 Prozent erhielt. Über 4800 Wählerinnen und Wähler gaben dem erfolgreichen Politiker Würth ihre Stimme und wollten ihm zu einem Sitz im Ständerat verhelfen. 68 Prozent Zuspruch ist im Politbetrieb schon fast eine Liebeserklärung der hiesigen Bürger an ihren Ex-Gemeindepräsidenten. Beim lokalen CVP-Mann Manhart war das Gegenteil der Fall: Ihn wollten nur gerade 28 Prozent der Stimmenden zum Schulpräsidenten machen. Noch schlimmer war es bei Tanja Zschokke. Sie erhielt, - ebenfalls als Amtierende -, allerdings portiert von einer Aussenseiter-Partei, gerade noch 12 Prozent der Stimmen. Anders der gewählte Aussenseiter Luca Eberle. Er hat richtiggehend abgeräumt, obwohl er als SP-Mitglied eine schwierige Ausgangslage hatte: Ihm gaben stolze 60 Prozent der Rapperswil-Joner ihre Stimme.

Manhart sagte in der Zeitung noch, verloren hätten bei dieser Wahl die bürgerlichen Parteien. Im Rat habe sich jetzt mit SP-Mann Eberle das Gewicht nach links verschoben. Jedoch: Genau solches ist Denken von übervorgestern und scheint niemanden mehr zu interessieren. Die Wähler wollen fähige Politiker, oder solche, von denen sie glauben, sie könnten es sein. Sie halten es mit dem weltbekannten Fussballer Beckenbauer: «Er kann mit links und er kann mit rechts». Aber eben, können muss man es. Schöne Bildli am Strassenrand oder auf dem Trottinet genügen nicht mehr, um ein mit über 200‘000 Franken dotiertes Amt zu ergattern.

Die Wahlen vom letzten Sonntag waren ein Signal für die nächsten Stadtratswahlen. Die lokalen Stadtpolitiker – und nicht nur die zwei Nichtgewählten – tun gut daran, die Facebook-Posts von Güntensperger und Beerli im Hinterkopf zu behalten. Rapperswil-Jona ist eine grosse Stadt geworden. Gemauschel und der Amateur-Status genügen hier nicht mehr. Und dümmliche Stadtratsentscheide können ins Auge gehen – oder Ohrensausen verursachen.

Bruno Hug