Eschenbach
03.05.2019

ESCHENBACHER WAHLKAMPF IM «RÖSSLI»

Am 19. Mai entscheidet Eschenbach ob Ivo Kuster, Cornel Aerne oder Andreas Büeler Gemeindepräsident werden sollen. Andreas Büeler stellte sich am Donnerstagabend den Fragen der Bevölkerung. Eine Reportage.

Das «Rössli» in Eschenbach ist eine der Landbeizen, von denen es immer weniger gibt. Vorne sitzen ein paar Männer am Stammtisch. Hinten im Sääli sind drei Tischreihen reserviert. Um 19 Uhr ist noch nicht viel los. Andreas Büeler, seine Frau Claudia und ein kleines Grüppchen warten auf Besucher. «Es kommen hoffentlich noch mehr», sagt Büeler. Sie kommen, einzeln, in Grüppchen. Am Schluss sind es 30 Personen, die zwei Tischreihen belegen. Sie bestellen Sauren Most Klar oder Trüb, vereinzelt ein Bier, Sinalco oder Kaffee.

Man begrüsst sich per Handschlag, meistens mit Vornamen. Hier trifft sich das Volk, wie auf einem Ankerbild. Viele Landwirte, ein paar Frauen; mit Ausnahme von zwei Jungen sind alle zwischen 45 und 70 Jahren alt.

Res – wie ihn alle nennen – macht es nicht kompliziert. «Ich bin hier, stellt mir Eure Fragen.» Ein Kampfgefährte von Büeler aus der gemeinsamen Zeit des «Bürgerforums» eröffnet den Reigen: Warum können die Lehrer, die hier Lohn beziehen aber auswärts Steuern zahlen, gratis im Dorfzentrum parkieren? Warum gelten je nach Ortsteil unterschiedliche Klassierungen für gleichwertige Strassen? Büeler ist für eine «umfassende Parkplatzpolitik», sprich Gebühren und will eine «Gleichbehandlung» aller Strassen und Gemeindeteile.

Stimmt es, dass es bereits massive Projektänderungen bei der Tiefgarage der Dreifachturnhalle gibt, bevor gebaut wird? Warum konnte die Gemeinde einen grossen Parkplatz bauen ohne Wasserabfluss? Wie kommt es, dass nicht alle Wasserzins zahlen? Weshalb informiert die Gemeindeverwaltung die Schweizer nicht darüber, dass sie Ergänzungsleistungen zugute haben, wenn es ihnen finanziell schlecht geht? Warum braucht es eine zentrale Feuerwehr mit viel zu grossen Löschfahrzeugen für die kleinen Strassen? Büeler hat nicht auf alle Fragen eine Antwort. Aber man spürt im Saal: Da braut sich was zusammen.

Nach etwas mehr als einer Stunde ist die Betriebstemperatur erhöht. Mächler Sepp, SVP Parteipräsident und Mitglied der Baukommission, sagt: «Ich erfahre in den letzten Tagen Sachen, von denen ich jahrelang nie etwas gehört habe.» Artho Anselm, Parteipräsident der FDP ergänzt: «Die Information der Gemeinde ist nicht optimal.» Büeler fasst zusammen: «Es ist eine komische Zeit. Vieles ist im Umbruch.» Aber das habe man im Gemeindehaus noch nicht realisiert, man habe dort «den Faden zum Volk verloren».

Am meisten Empörung provoziert das Altersheim-Projekt, für weches Cornel Aerne zuständig ist. Das habe «eine Million Franken mehr gekostet als geplant.» Entstanden sei ein Restaurant als Konkurrenz zu den lokalen Beizen, aber kein einziges neues Bett. Für die Bewohner werden alles teurer und wenn jemand nicht zahlen könne, berappe das die Gemeinde, also die Steuerzahler. Angestellt würden für viel Geld externe Fachkräfte: «Frauen mit einem SRK-Ausweis aus dem Dorf wurden ohne Vorstellungsgespräch abgewiesen, dafür werden teure Temporär-Leute angestellt, die eine Stunde Anfahrtsweg aus Kreuzlingen haben», empört sich eine Frau, die vom Fach ist.

Cornel Aerne wird selten erwähnt und wenn, dann kommt er schlecht weg: «Wir wollen keinen Gemeindepräsidenten, der zuerst immer fünf Leute fragt, bevor er nichts tut», empört sich einer. Gut dagegen findet man Ivo Kuster: Das sei einer, der Mut habe und sage, was nicht passt, heisst es mehrfach. Andreas Büeler zollt ihm ebenfalls Respekt: «Als Gemeindepräsident würde ich Kuster gerne als Berater beiziehen».

Zwei Stunden lang dauert die Aussprache. Büeler sagt am Schluss, dass er das Amt gerne annehmen würde und es gesundheitlich stemmen könne. Allerdings nur im Vollamt, nicht als Teilzeit Gemeinderat. Dafür würde er den Hof abgeben. Das sei so mit der Familie besprochen. Die Anwesenden danken es ihm mit Applaus. Eine Frau ruft: «Res, Du schaffst das!»

Mario Aldrovandi