Rapperswil-Jona
13.04.2019

PREMIERE: «MICH WUNDERT, DASS ICH SO FRÖHLICH BIN»

Am Donnerstag, 25. April findet in der Alten Fabrik in Rapperswil als einer der kulturellen Höhepunkte die Premiere der neuen Produktion des Fasson Theaters mit Nelly Bütikofer statt.

In Ilse Aichingers Erzählung «Spiegelgeschichte» erlebt eine sterbende Frau ihr Leben rückwärts. Gleichsam wie im Spiegel sieht sie sich als Mädchen, das sich von seinem Freund trennt, als Mädchen, dem wieder Zöpfe wachsen. Sie wird wieder zur Schülerin, die bei jeder Prüfung das Gelernte vergessen hat, und kommt endlich im Augenblick des Todes zur Welt.

Ich weiss nicht wo komm ich her Ich weiss nicht wo geh ich hin Mich wundert, dass ich so fröhlich bin

Der erzählerische Umgang mit Tod und Sterben verführt dazu, die Geschichte als Spiel zu verstehen. Das erlaubt es dem Ensemble um Nelly Bütikofer, die schwergewichtige Thematik leichtfüssig anzugehen. Die Inszenierung unter der Regie von André Steger schwebt in hoffnungsvoller Heiterkeit über dem Abgrund und verleiht diesem eine theatrale Verspieltheit.

Der Schauspieler Peter Grünenfelder berichtet vom Sterben als Weg zur Geburt. Diese sprachliche Ebene wird durch die differenzierte Körpersprache des Tanzes in eine andere Welt übersetzt.

So werden zeitliche und räumliche Bewegung, vorwärts und rückwärts, auf der Bühne durcheinandergewirbelt und zu Vorausdeutung, Rückblende und Raffung verdichtet. Alltäglich banales Zeitempfinden gerät ins Wanken und formt sich zu einer Art Totentanz.

Wäre die «Spiegelgeschichte» nur die Geschichte einer Frau, die stirbt und im Tod ihre Geburt wiederholt, so wäre sie immer noch aktuell. Die Kunst aber, mit der ganz nebenbei Krankenhaus- und Bestattungsrituale, Glück und Entfremdung, Nähe und Scheitern einer Liebe skizziert werden, macht Aichingers Text zeitlos. Wenn scheinbar nichts mehr zu sagen ist, setzt das Erzählen ein:

...Das schwerste bleibt es doch, das Sprechen zu vergessen und das Gehen zu verlernen. Das schwerste bleibt es, alle Zärtlichkeiten zu ertragen und nur mehr zu schauen. Sei geduldig! Bald ist alles gut.

Teilnehmende Personen Fasson Theater / Nelly Büttikofer Nelly Bütikofer zählt zu den bedeutendsten Pionierinnen der freien Tanzszene in der Schweiz, ist in klassischem Tanz ausgebildet und hat schon früh Arbeiten mit der ihr eigenen Tanzsprache auf die Bühne gebracht. Sie ist eine der Choreografinnen und Regisseurinnen, die den Tanz mit anderen Künsten konfrontiert und Tanz, Theater, Text, bildende Kunst, Video, und Musik miteinander verbinden. Ihre Erzählweise zeichnet sich durch einen feinfühligen Spürsinn und subtile Vielschichtigkeit aus. Dabei interessieren sie die Schnittstellen zwischen darstellenden und performativen Kunstformen, zwischen Ausdrucksformen, die die Grenzen von einzelnen Sparten auflösen und Verbindungen zwischen getrennten Welten schaffen.

Ihre Eigenproduktionen wurden in der ganzen Schweiz, in Deutschland und Österreich gezeigt. Als freischaffende Tänzerin und Choreografin hat sie an zahlreichen Häusern wie dem Opernhaus Zürich, dem Neumarkt Theater Zürich, Theater Erfurt, Stadttheater Schaan oder Teatro Dimitri gearbeitet. Die Spannbreite ihrer Aktivitäten reicht von etablierten Theaterhäusern über Kleintheater bis zu Kunsträumen für experimentelle Kunst. Seit 2000 lebt sie in der oberen Region des Zürichsees, aktuell in Rapperswil-Jona, wo sie einige Jahre das Fabriktheater der Alten Fabrik programmierte und die Bühne Fasson in Lachen SZ führte.

Nelly Bütikofer erhielt für ihr Werk zahlreiche Ehrungen, so 1988 eine Auszeichnung für Choreographie der Stadt Zürich, 1993 den Kunstpreis für Tanz des Kantons Solothurn, 2004 eine Auszeichnung der Stadt Zürich für das künstlerische Schaffen, 2015 ein Werkjahr des Kantons St.Gallen und 2018 ein Werkjahr des Kantons Schwyz. Ausserdem erhält Nelly Büttikofer am Freitag, 17. Mai 2019 einen Anerkennungspreise von 15'000 Franken, verliehen von der St.Galler Kulturstiftung in der Alten Fabrik in Rapperswil.

Ring Theater/ André Steger

Das Ring-Theater unter der künstlerischen Leitung von André Steger, trat 1989 mit „Himmelwärts“ von Ödon von Horvath erstmals an die Öffentlichkeit. In den 30 Jahren seines Bestehens entstanden 19 Inszenierungen. Die ersten Projekte führte das RINGTHEATER an theaterunüblichen Spielorten wie der Steinfels-Fabrik, dem Schöller-Areal oder der Psychiatrischen Universitätsklinik „Burghölzli“ auf. Später wurden die Inszenierungen, vor allem in Zürich, im Theaterhaus Gessnerallee, im Theater an der Winkelwiese, im Stok und im Keller 62 gespielt.

In den letzten Jahren widmete sich das Ring-Theater in seinen Projekten den Prosatexten verschiedener Autoren wie Rilke, Panizza, Robert Walser oder Kurt Schwitters. Seit der Gründung des RING-THEATERs liegt die künstlerische Leitung und Regie der meisten Projekte bei André Steger. 1998 führte André Steger Regie im Projekt „Kunstück“, einer Zusammenarbeit mit Nelly Bütikofer

Peter Grünenfelder

Peter Grünenfelder absolvierte 1983 – 86 die Schauspielschule in Zürich. Neben Engagements am Theater Josefstadt in Wien und am Theater am Neumarkt in Zürich war er langjähriges Mitglied am Theater in Luzern. Von 1999 bis 2005 war er festes Mitglied im Ensemble des deutschen Theaters in Göttingen in Deutschland. Von 2006 – 2008 studierte er Kulturmanagement MAS an der Universität Basel.

Seit 2009 arbeitet er in freien Produktionen und in Stückverträgen. Seine Arbeiten sprengen oft den Begriff Theater und stehen im Spannungsfeld von Unmittelbarkeit und Reibung mit aktuellen Themen: Unfun des Künstlers Matias Faldbakken, ein Projekt des Theaters zwischen den Künsten in Zusammenarbeit mit der Kunsthalle Fridericianum in Kassel Deutschland. Mikili, Gehen oder Bleiben, ein Flüchtlingsprojekt von Boat People Projekt in Göttingen Deutschland. I Am A Judge, eine Video Performance der spanischen Künstlerin Dora Garcia für die Kunsthalle Bern. UNA PARC, ein partizipatives Theaterprojekt über das Thema Armut in der Schweiz für die Caritas Zürich. Paul Klee Splitter ein Monodrama für ein Schauspieler und für ein kleines Musik Ensemble im Paul Klee Zentrum in Bern. Gourrama von Friederich Glauser, eine im öffentlichen Raum spielende Produktion des Theater Barsch für die bblackbox Basel. Seit 2006 arbeitet er oft mit Nelly Bütikofer zusammen.

Aufführungen

Premiere: 25. April 2019 *ALTEFABRIK Rapperswil Weitere Aufführungen: 2. Mai Hof zu Wil / SG, 3/4. Mai Keller Rose, St.Gallen, 8 bis 11. Mai Theater STOK, Zürich

Tickets

www.ticketino.ch / office@alte-fabrik.ch /Tel. O55 225 74 74 Preise CHF 30.– / CHF 25.– (AHV/IV) / CHF 15.– (Studenten und Jugendliche)

(OriginalMitteilung, Autor: Alte Fabrik, Rapperswil)