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Fussball
27.02.2022
28.02.2022 07:38 Uhr

«Gleich im ersten Spiel musste ich einen Penalty pfeifen»

Nadine Reichmuth ist seit über sechs Jahren Schiedsrichterin beim FCRJ. Im Sonntagsgespräch erzählt sie, was sie dabei schon alles erlebt hat.
Nadine Reichmuth ist seit über sechs Jahren Schiedsrichterin beim FCRJ. Im Sonntagsgespräch erzählt sie, was sie dabei schon alles erlebt hat. Bild: Rolf Lutz/Linth24
Mit 19 hängte Nadine Reichmuth die Fussballschuhe an den Nagel und wurde Schiedsrichterin. Nach sieben Jahren, ein paar hundert Spielen und etlichen internationalen Einsätzen macht sie dies noch immer voller Enthusiasmus.

Seit 2015 ist Nadine Reichmuth Schiedsrichterin beim FCRJ. Auch im siebten Jahr ist die 27-Jährige noch voller Enthusiasmus: «Ich habe bis heute noch keine schlechten Erfahrungen gemacht und könnte mir momentan ein Leben ohne das «Pfeiffen» nicht vorstellen.»

Was sie in ihrer Karriere schon erlebt hat, welches ihre bisherigen Highlights waren und wieso sie auch heute noch von ihrem Hobby schwärmt, davon erzählt Nadine Reichmuth im heutigen Sonntagsgespräch.

Schiedsrichter-Team mit Nadine Reichmuth beim Frauen Champions League Spiel Breidablik gegen Real Madrid im Schneegestöber. Bild: zv

Nadine Reichmuth, Sie sind mittlerweile mehr als sechs Jahre Schiedsrichterin beim FCRJ und hatten bei den Frauen bereits internationale Einsätze. Erzählen Sie uns davon.
Mein erster internationaler Einsatz als vierte Offizielle war im Spiel Schweiz gegen Schottland. Damals kam der vierte Offizielle aus dem eigenen Land. Das war für mich sehr eindrücklich, die eigene Nationalhymne zu hören und insgesamt eine grosse Ehre. Das war vor vier Jahren, es kamen dann weitere internationale Einsätze dazu, aber das Highlight war sicher das Aufgebot als Assistentin im Champions League Spiel Breidablik gegen Real Madrid.

Als Sie sich entschieden haben, Schiedsrichterin zu werden, haben Sie sicher nicht gedacht, einmal bei einem Champions League Spiel zum Einsatz zu kommen.
Das stimmt. Es scheint, dass ich meine Arbeit gar nicht so schlecht mache (lacht).

Eine solche Ehre kommt ja nicht von heute auf morgen. Wie sieht Ihr Weg bis dorthin aus?
Mein erstes Spiel war bei den C-Junioren, dann folgten Spiele in der 5. Liga und so ging es Stufe um Stufe weiter nach oben. Ich bin dann in die Talentgruppe Ostschweiz nominiert worden, und zudem für das Programm für die Frauenförderung, das von der Spitzenschiedsrichterin Esther Staubli geleitet wird. Dort werden wir auf sehr hohem Niveau ausgebildet und können uns auch sehr gut vernetzen.

Welche Spiele leiten Sie zurzeit?
Ich pfeife bei den Männern in der 2. Liga und bin als Assistentin in der 2. Liga interregional im Einsatz. Bei den Frauen kann ich bis zur NLA pfeifen.

Was hat Sie damals überhaupt bewegt, Schiedsrichterin zu werden?
Das passierte auf Umwegen. Ich spielte selber Fussball, merkte aber, dass es mir nicht mehr so viel Freude bereitete. Ich sah mich nach einer anderen Tätigkeit im Fussball um und besuchte in der Folge einen Vortrag über den Kinderfussballleiter. Obwohl ich mich dann dort gemeldet hatte, bekam ich nie ein Aufgebot. Dann habe ich mich über das Schiedsrichterwesen informiert und mich entschieden, den Lehrgang «Schiedsrichter» zu absolvieren.

Erinnern Sie sich noch an Ihr erstes Spiel als Schiedsrichterin?
Das war in Ebnat-Kappel und ich erinnere mich, dass ich unheimlich nervös war. Und stellen Sie sich vor, keine fünf Minuten waren im Spiel vergangen, da musste ich schon einen Penalty pfeifen.

Und war es auch einer?
Ich glaube schon, der verursachende Spieler hat auf alle Fälle nichts gesagt (lacht herzlich). Aber das Spiel ging sehr gut über die Bühne. Und jetzt kommt das Unglaubliche: Mein erstes 5.Liga Spiel war auch in Ebnat-Kappel – und auch da gab es nach fünf Minuten einen Penalty.

Nadine Reichmuth als Assistentin beim Super League Testspiel der Herren zwischen dem FCZ und dem FC Vaduz. Bild: zv

Wenn Sie ein 2. Liga Männerspiel leiten, fühlen Sie sich anderes behandelt als Ihre männlichen Schiedsrichterkollegen?
Ich glaube nicht. In der Zwischenzeit hat man sich daran gewöhnt, dass eine Frau eine Partie leitet. Ich glaube aber, als Frau muss man mehr leisten, weil man mehr «unter Beobachtung» steht. Aber bis anhin habe ich noch keine schlechten Erfahrungen gemacht.

Was fasziniert Sie dermassen an Ihrem Hobby?
Jeder Einsatz ist ein neues Abenteuer. Man kommt immer wieder an neue Orte, man lernt sehr viele Leute kennen. Jedes Spiel ist anders, stellt einen vor neue Herausforderungen und man erlebt sehr viel – das ist für die Weiterentwicklung der Persönlichkeit sehr positiv.

Wieso ist es so schwer für die Vereine, Schiedsrichterinnen oder Schiedsrichter zu finden?
Viele haben Angst, auf dem Platz schlechte Erfahrungen zu machen. Darüber liest man ja auch ab und zu in der Presse. Ich habe in den nun fast sieben Jahren noch keine schlechten Erfahrungen gemacht. Und eines muss man sich immer vor Augen führen: Wenn jemand den Entscheid eines Schiedsrichters nicht akzeptiert und reklamiert, dann ist diese Person «hässig» auf den Schiedsrichter und nicht auf die Person, die im Tenü steckt.

Dann können Sie nur die besten Empfehlungen abgeben, es doch auch mal zu versuchen und sich beim FCRJ zu melden.
Ja, unbedingt. Es macht mir nach wie vor unheimlich Freude und für mich ist es eine  Leidenschaft, Schiedsrichterin zu sein. Ich kann es jedem nur empfehlen, diesen Schritt auch zu wagen, den Grundkurs zu absolvieren und dann eigene Erfahrungen zu sammeln.

Wer Interesse hat, näheres über das Schiedsrichterwesen zu erfahren oder sich für einen Grundkurs anzumelden, der sende eine Nachricht an das Sekretariat des FCRJ: sekretariat@fcrj.ch

Rolf Lutz, Linth24