Home Gemeinden In-/Ausland Sport Magazin Agenda
Kanton
11.01.2022
11.01.2022 11:38 Uhr

St.Galler verdienen weniger

Sowohl im sekundären als auch im tertiären Sektor liege der Medianlohn in der Ostschweiz niedriger als in den gleichen Sektoren in der gesamten Schweiz.
Sowohl im sekundären als auch im tertiären Sektor liege der Medianlohn in der Ostschweiz niedriger als in den gleichen Sektoren in der gesamten Schweiz. Bild: pixabay
Im Kanton SG haben sich die Löhne in den letzten Jahren auch im Vergleich zu Nachbarkantonen unterdurchschnittlich entwickelt. Ein wichtiger Grund sei die Wirtschaftsstruktur mit einem hohen Industrieanteil.

Die Einkommen der St. Gallerinnen und St. Galler hätten sich im gesamtschweizerischen Vergleich seit 2008 «stark unterdurchschnittlich entwickelt», heisst es im Bericht der Regierung über die Ressourcenkraft des Kantons, der in der kommenden Februarsession im Kantonsrat behandelt wird. Diese negative Entwicklung zeigt sich auch im Vergleich zum Thurgau oder zu Appenzell Ausser- und Innerrhoden oder zu den Referenzkantonen Aargau und Luzern, die von ähnlicher Grösse sind und ein ähnliches Infrastrukturangebot wie St. Gallen finanzieren.

Verweis auf Wirtschafsstruktur

Die Regierung verweist als Erklärung für diese Schwäche auf die Wirtschaftsstruktur: Im Kanton St. Gallen arbeiteten 29 Prozent aller Beschäftigten im sekundären Sektor (Industrie und Gewerbe), in der ganzen Schweiz seien es 21 Prozent. Der Anteil an Beschäftigten im tertiären Sektor (Dienstleistungen) liege im Kanton St. Gallen niedriger als in den Kantonen Aargau und Luzern.

Diese strukturellen Unterschiede wirken sich auf die Löhne aus: Die Arbeitsplätze in Industrie und Gewerbe wiesen «eine geringere Wertschöpfung» aus als diejenigen im Dienstleitungssektor, so die Regierung.

Tiefe Medianlöhne

Einen Einfluss auf die Ressourcenkraft haben auch die durchschnittlichen Einkommen. Sowohl im sekundären als auch im tertiären Sektor liege der Medianlohn in der Ostschweiz niedriger als in den gleichen Sektoren in der gesamten Schweiz. «Nur das Tessin weist niedrigere Medianlöhne aus als die Ostschweiz», heisst es im Bericht.

Einen Einfluss hat auch die Nettowanderungsrate. Dafür wird der Wohnkanton der Abgängerinnen und Abgänger von Universitäten mit dem Wohnkanton fünf Jahre nach dem Studienabschluss verglichen. Im Kanton St. Gallen ist der Verlust von hochqualifizierten Arbeitskräften gross: Die Nettowanderungsquote lag zuletzt bei minus 27 Prozent. Auch hier schneiden die Kantone Aargau und Luzern besser ab.

Dieser Faktor wirkt sich auch auf die Steuereinnahmen aus. Personen mit einem Hochschulabschluss verfügten im Durchschnitt über höhere Erwerbseinkommen als Personen mit anderen Bildungsabschlüssen, heisst es im Bericht. Es handle sich in der Regel auch um überdurchschnittlich gute Steuerzahlerinnen und Steuerzahler.

Investitionen in die Bildung

In den letzten Jahren hat allerdings der Kanton St. Gallen im Zusammenhang mit den Fachkräftemangel in die Bildung investiert. Lanciert wurden ein Lehrgang für Architektinnen und Architekten an der Fachhochschule Ost und das Medizinstudium mit dem Masterabschluss in St. Gallen.

Die Wertschöpfung und der Medianlohn beeinflussen die Ressourcenkraft eines Kantons. Die Stärken werden für den Finanzausgleich des Bundes jeweils in einem Index zusammengefasst. Der schweizerische Durchschnitt liegt dort bei 100 Punkten. Der Kanton St. Gallen wies im letzten Jahr 81 Punkte aus. Die Regierung will nun mit verschiedenen Massnahmen langfristig 90 Punkte erreichen. Mit welchen Rezepten dies geschehen soll, wird der Kantonsrat in der Februarsession beraten.

Keystone-SDA/ Linth24