ZEIT FÜR EINEN STÄNDERAT AUS DEM LINTHGEBIET

Beni Würth (CVP) wohnhaft in Rapperswil-Jona und Susanne Vincenz-Stauffacher (FDP) aus Abtwil wurden von ihren Parteien ins Rennen um den Ständeratssitz von Karin Keller-Sutter (FDP) geschickt. Ob und wen die SVP und die Grünen aufstellen, ist noch offen. Ein Blick in die Historie zeigt, dass es wieder mal Zeit ist für einen Ständerat aus dem Linthgebiet.

Wieder jeder Vollkanton stellt St. Gallen zwei Ständeräte. 1848, bei der Gründung des Bundesstaates, waren es noch die Liberalen (hellblau), welche die beiden Vertreten schickten. Erst nach ein paar Jahren kamen die Katholisch-Konservativen zum Zug.

Für beide Parteien galt: Das Linthgebiet war ein beliebter Heimatort für Ständeräte: Kaltbrunn, Rapperswil und Amden schickten Vertreter nach Bern.

In der Phase zwischen 1871 und 1900 übernahmen wieder die Liberalen, aus denen später die FDP wurde, das Zepter. Auch hier stellten Rapperswil und Uznach Vertreter des Kantons für den Ständerat.

In der Zeit vor dem ersten Weltkrieg kam erstmal ein Vertreter der Linken, der sozialdemokratischen Partei, ins «Stöckli». Doch der Freisinnige Johannes Geel aus Sargans blieb der dominante Politiker. Den anderen Sitz teilten sich in dieser Periode Vertreter aus St. Gallen, Nesslau und Thal. Das Linthgebiet blieb aussen vor.

Neben der SP (Rot) kam auch die Katholische Volkspartei (grau), aus der später die CVP hervorging, zum Zug.

Vor und nach dem  zweiten Weltkrieg begann eine für lange Zeit gültige Zweiteilung der Standesvertretung: Ein Sitz für die FDP, ein Sitz für die Katholische Volkspartei. Johann Schmucki aus Kaltbrunn und Rudolf Mäder aus Uznach vertraten den Kanton und das Linthgebiet.

Auch von 1961 bis zum Ende des Kalten Krieges waren es die Katholiken und die Freisinnigen, welche die St. Galler Ständeräte stellten, nur kurz unterbrochen von einer SP-Vertretung. Mit Paul Hofmann aus Eschenbach kam das Linthgebiet hier letztmals zum Zug.

Seit 1979 – seit 40 Jahren – ist kein Vertreter mehr aus unserer Gegend im Berner Stöckli.

Ab 1995 kam ein neues Element in die Standesvertretung. Erst ab dann war eine Frau Teil der Zweiervertretung, die Freisinnige Erika Forster-Vannini. Ihr Sitz verteidigte für die FDP, die heutige Bundesrätin Karin Keller-Sutter.

Einen veritablen Umsturz gab es im gleichen Wahljahr 2011, als der CVP-Vertreter Eugen David vom Sozialdemokraten und Gewerkschaftsführer Paul Rechsteiner abgelöst wurde.

St.Gallen und das Fürstenland dominieren in den letzten 40 Jahren die Auswahl der Ständeräte des Kantons St. Gallen. Das könnte nun mit Beni Würth aus Rapperswil ein Ende haben.

Ob der Sitz der CVP aufgrund ihrer Wählerstärke gerechtfertig ist oder ob nicht eine andere Partei Anspruch darauf hat, wird in einem weiteren Artikel von Linth24 zu untersuchen sein.

Mario Aldrovandi

Quellen für die Linth24-Auswertung der Ständerats-Vertretungen:
Historisches Lexikon der Schweiz: http://www.hls-dhs-dss.ch
Wikpedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_St%C3%A4nder%C3%A4te_des_Kantons_St._Gallen
Die Bundesversammlung: https://www.parlament.ch/de/organe/staenderat/mitglieder-nach-kantonen/sr-st-gallen

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