WERKSCHAU RACHEL LUMSDEN IM KUNSTZEUGHAUS

Am Sonntag eröffnet die grosse Ausstellung «Return of the Huntress» der Künstlerin Rachel Lumsden im Kunstzeughaus in Rapperswil-Jona. Sie dauert bis zum 20. Januar 2019.

In der grossen Einzelausstellung «Return of the Huntress» werden Werke der britisch-schweizerischen Künstlerin Rachel Lumsden (*1968, Newcastle upon Tyne) aus den letzten fünf Jahren gezeigt. Es ist die bisher grösste Einzelausstellung der Malerin, die in der Ostschweiz und London lebt und arbeitet. Rachel Lumsden ist bekannt für ihre zumeist grossformatige figurative Malerei, die nicht auf einen Stil festzulegen ist, deren Konstante aber das Eigenleben der Farbe bleibt. Ihre Arbeit findet über Grenzen hinaus Anklang: Im September wurde ihr der Konstanzer Kunstpreis 2018 verliehen.

Die Einzelausstellung bietet einen frischen und umfassenden Blick auf Lumsdens Werk, das sich durch intensive Zeitgenossenschaft und starken Wandel auszeichnet. Ihre Kompositionen sind inspiriert durch eine Vielzahl von visuellen Quellen wie Zeitungsfotos, Träume, Werke aus der Kunstgeschichte, oder Werbebilder. Gezeigt werden auch neue, grossformatige Gemälde auf Holz mit Kreidegrund, die ein spontanes, fast aquarellartiges Malen mit Ölfarben gestatten. Die Technik, mit Ölfarbe auf einen steifen, wenig absorbierenden Bildträger zu malen, hat sie dieses Jahr entwickelt, um neue Wege jenseits der Malerei auf Leinwand zu erproben. Inhalt-lich wendet sich Rachel Lumsden nach einer langen Phase von Intérieurs nun seit 2015 der Landschaft im weitesten Sinne zu und zeigt Architekturen, Seestücke und Stadtlandschaften. Es sind Bilder mit intensivem Kolorit und sichtbarem Pinselduktus entstanden, die mit ihrer atmosphärische Kraft faszinieren.

Peter Stohler, Direktor des Kunst(Zeug)Hauses und Kurator der Ausstellung, sagt: «Rachel Lumsdens Werk habe ich vor drei Jahren erstmals kennen gelernt. Seither hat mich die Fas-zination, die ihre figürlichen Werke ausstrahlen, ja auch das Unheimliche und Düstere, das in ihnen steckt, nicht losgelassen. Ihre Werke stehen mitten in unserer Zeit und weisen doch über sie hinaus. Ganz besonders mag ich die spezielle Farbigkeit ihrer Gemälde: Rachel Lumsden Farben führen ein berückendes Eigenleben, sie sind oft verführerisch und bedrohlich zu-gleich.»
Auch das Kunst(Zeug)Haus mit seiner speziellen Raumstruktur bietet Lumsden einen Anlass, Malerei neu zu sehen. Die Malerin beschreibt den Ausstellungsort wie folgt: «Die Ausstel-lungshalle im Kunst(Zeug)Haus ist gross und lang. Man kann den Bildern entlang laufen, den Blick zwischen ihnen schweifen lassen. Die Bilder können sich so ihren Raum nehmen, aber auch als eine Art langsamen Film funktionieren. Ich stelle mir oft vor, wie Bilder nebeneinander wirken, zu was für Sequenzen man sie zusammenstellen kann. In anderen Museen denke ich in Räumen, hier im Kunst(Zeug)Haus in Abläufen».

Zum Titel ihrer Ausstellung – «Return of the Huntress» – befragt, verweist sie zum einen auf Pieter Breugels d.Ä. Winterstück «Die Rückkehr der Jäger» (1565), das ihr, wie öfters auch andere Werke der Kunstgeschichte, Ausgangspunkt für das eigene, titelgebende Gemälde war. Zum anderen sagt sie von sich, dass sie selber eine «Bilderjägerin» sei, und dass das Wilde und Ungeplante, ja Unvorhersehbare einer Jagd auch Teil ihres Malens sei.

Ihre Arbeit stellt sie durchaus in einen kunsthistorischen Kontext, da sie keine Grenzen bei der Aneignung bestimmter Themen kennt. Vergangenheit und Gegenwart werden komprimiert – mit ihren Bezügen auf historische Bilderwelten wie barocke Kostüme und antiquierte Möbel – und historische und gesellschaftliche Aspekte werden zusammengeführt. Obwohl Ihre Werke figurativ sind, bleibt die Rolle der menschlichen Figur mehrdeutig, da Lumsden nur selten Ge-sichter darstellt und sich somit von einer eindeutigen Narration abwendet.
Sie spricht von ihren Bildern manchmal wie von anziehenden, wenn auch leicht unheimlichen Persönlichkeiten: Keines gleiche sich, jedes habe seine ihm eigene, seltsame Geschichte, je-des gehorche eigenen Regeln und nicht immer sei ihre Anwesenheit nur angenehm. Oft hätten sie Anteil an mehreren Welten, seien teilweise unfassbar, aber würden etwas in ihnen bergen, mit dem sie sich als Malerin und Mensch konfrontieren wolle.
Es ist Lumsdens Umgang mit Farbe, die der existentiellen Tiefe ihrer Arbeit das spürbar Leichte und Sinnliche verschafft. Malerei, sagt sie, sei die sexy Form der Quantenphysik – denn Farbe sei sowohl Stoff als auch Bild, sei Schlamm als auch Gestalt. So entstehen ihre Arbeiten nicht nur an der Wand, sondern vor allem auch auf dem Boden, um Farbe giessen und in Pfützen anstocken zu lassen. Die starke stoffliche Präsenz der Bilder lässt sich vor allem in der Begegnung mit dem Original erfahren.

Die Ausstellung im Kunst(Zeug)Haus Rapperswil-Jona sowie die begleitende Publikation «Ra-chel Lumsden: Return of the Huntress, 2014-2017» (Verlag für Moderne Kunst, Wien) sind in Kooperation mit dem Kunsthaus Pasquart in Biel-Bienne und der Fondation Fernet-Branca in Saint-Louis (Frankreich) entstanden. Das Kunst(Zeug)Haus zeigt die neuesten Arbeiten von Rachel Lumsden zum ersten Mal in vollem Umfang. Es bietet auf rund 1000 Quadratmetern Fläche einen grosszügigen Überblick über Lumsdens Schaffen der letzten fünf Jahre.

Rachel Lumsden (*1968, Newcastle upon Tyne, GB)
Rachel Lumsden wurde 1968 in Newcastle upon Tyne geboren. Von 1987 bis 1991 besuchte sie die Nottingham Trent University, wo sie einen Bachelor erwarb. Von 1995 bis 1998 absol-vierte sie den Master in Malerei an den Royal Academy Schools in London. Lumsden übersie-delte 2002 in die Schweiz und arbeitet seit 2007 als Dozentin an der Hochschule Design und Kunst in Luzern. Rachel Lumsden lebt und arbeitet in St. Gallen, Arbon und London.

Auszeichnungen
Rachel Lumsden gewann 1998 den CrestCo Art Prize der Bank of England und 2001 den Award der Pollock-Krasner Foundation in New York. 2005 erhielt sie den St. Galler Werkbei-trag und 2014 einen Förderpreis des Kanton St. Gallen. 2011 erhielt sie den Internationalen Kunstpreis Vorarlberg und 2016 den Kunstpreis des Kantons Thurgau. 2017 gewann sie den Prix Maude Mottier des Kunsthaus Pasquart Biel-Bienne und 2018 den Kunstpreis der Stadt Konstanz, einen Werkbeitrag der Stadt St. Gallen sowie einen vollen Produktionsbeitrag der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia.

Vernissage
Sonntag, 25. November 2018, 11.30 Uhr
Grusswort: Martin Klöti, Regierungsrat Kanton St. Gallen
Begrüssung: Dr. Patrick Sommer, Präsident Stiftung Kunst(Zeug)Haus
Einführung: Peter Stohler, Direktor Kunst(Zeug)Haus

(OriginalMeldung, Autor: Kunstzeughaus Rapperswil-Jona)

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