VIEL MEHR KRIMINELLE IM KANTON ST.GALLEN

Im Kanton St.Gallen war die Gesamtkriminalität höher als letztes Jahr, schwere Gewaltdelikte nahmen ab und die Aufklärungsquote war hoch. Dies geht aus der Kriminalstatistik der Kantonspolizei hervor.

Zur Kriminalstatistik können folgende zusammenfassende Kernaussagen gemacht werden:

  • Die Kriminalität im Kanton St.Gallen hat 2018 gesamthaft um 8% zugenommen.
  • Erfreulicherweise haben die schweren Gewaltdelikte (Tötungsdelikte, schwere Körperverletzungen, schwerer Raub und Vergewaltigungen) um 22% von 88 auf 69 Straftaten abgenommen.
  • Die Ermittlungs- und Fahndungsarbeit der Kantonspolizei St.Gallen war enorm erfolgreich, was sich an der überaus hohen Aufklärungsquote von rund 62% zeigt.

Ausführungen von Stefan Kühne, Leiter Kriminalpolizei

Die Öffentlichkeit wähnt sich gerne in der Illusion der absoluten Sicherheit. Die Politik trägt gegen aussen ihren Teil mit bewusstem Aktivismus gerade nach Gewaltdelikten dazu bei, diese Illusionen zusätzlich zu schüren. Hinzu kommt in konkreten Fällen, dass mit der Medienberichterstattung über Gewalt- oder Terrordelikte und den Fragen nach Schuldigen über die Attentäter hinaus weiter an dieser Illusion gearbeitet wird. So wird typischerweise danach gefragt, weshalb denn insbesondere die Behörden nicht gehandelt oder angemessen reagiert hätten. So wird den Sicherheitsbehörden eine Allmacht zugeschrieben, welche sie so in unserem freiheitlichen Staat schlicht nicht haben kann – sei es aufgrund der nicht vorhandenen gesetzlichen Grundlagen oder schlicht auch der fehlenden Ressourcen. Absolute Sicherheit gibt es nicht und die Polizei kann diese nicht garantieren.

Sicherheit verstärken bedeutet immer Freiheiten einschränken zugunsten der Überwachungsmöglichkeiten des Staates. Genau dies wollen wir aber alle nicht, niemand von uns will in einem Überwachungsstaat leben. Damit zahlen wir aber den Preis, dass der Staat keine absolute Sicherheit garantieren kann. Entsprechend sind wir – und gerade Sie als Medienschaffende – dazu aufgefordert, von den Sicherheitsbehörden nicht eine Sicherheits-Omnipotenz zu fordern, welche nicht realistisch ist.

Es ist nicht zielführend, bei Gewaltdelikten in monotoner Regelmässigkeit bei den Behörden Fehler zu suchen im falschen Bewusstsein, dass diese die Möglichkeit gehabt hätten, das Geschehene zu verhindern. Von dieser Illusion müssen wir uns verabschieden! Und gerade bei Gewaltdelikten werden wir leider immer wieder mit der Tatsache konfrontiert sein, dass wir diese meist nicht verhindern können. Der Mensch mit seinen Emotionen und unsere Gesellschaft kann und soll nach unserem freiheitlichen Verständnis nicht dermassen ein-geschränkt werden, dass absolute Sicherheit garantiert werden kann.

Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) 2018
Die Gesamtkriminalität lag im Jahr 2018 im Kanton St.Gallen mit total 26’526 erfass-ten Straftaten mehr als 8% über jener von 2017. Damit hat nach mehreren Jahren der Abnahme 2018 die Zahl der Straftaten wieder zugenommen. Allerdings haben im letzten Jahr die schweren Gewaltdelikte (Tötungsdelikte, schwere Körperverletzungen, schwerer Raub und Vergewaltigungen) um 22% abgenommen (von 88 auf 69 Straftaten).
Bei den Delikten nach Schweizerischem Strafgesetzbuch (StGB-Delikte) stellen wir eine Zunahme von 7% auf 18‘433 fest. Dies sind 1’196 Delikte mehr als im Vorjahr. Insgesamt mussten mehr Delikte gegen Leib und Leben bearbeitet werden, eine Steigerung von 874 auf 916 oder um 5% (insbesondere Steigerung bei Schlägereien, Raubüberfällen und sexueller Nötigung). Die vollendeten und versuchten Tötungsdelikte haben von 18 im Vorjahr auf 12 im Jahr 2018 abgenommen (-33%); auch die schweren Körperverletzungen sind gesunken, von 25 auf 20 (-20%).

Die Vermögensdelikte haben um 6%, von 11‘222 auf 11‘926 zugenommen. Insbesondere die Betrugsfälle sind um 42% angestiegen, nicht zuletzt aufgrund der aktuellen Tätigkeit der Cyber-Unit. Die Sexualdelikte sind gestiegen von 322 auf 500 oder um rund 55% (im Wesentlichen Zunahme der sexuellen Handlungen mit Kind von 50 auf 183 Fälle, was ebenfalls auf vermehrte Aktivität im Cyberbereich mit Überprüfung immenser Datenmengen zurück zu führen ist – insbesondere in einem ganz gravierenden Fall). Die in der Statistik ausgewiesenen Widerhandlungen gegen das Bundesgesetz über die Betäubungsmittel (BetmG) erfuhren eine Zunahme um 352 Tatbestände oder 8% (Steigerung vor allem im Bodensee/Rheintal bei Grenzübergangs-stellen im Rahmen von kleineren Sicherstellungen).
Nach dem Erfassungsmodus der PKS entspricht die Aufklärungsquote 62% (Vorjahr knapp 58%), im Bereich der StGB-Delikte 46% (Vorjahr 41%). Sämtliche Tötungsdelikte und –versuche des Jahres 2018 sind statistisch geklärt.

Zunahme der Kriminalfälle im Linthgebiet

Starke Zunahme bei den Sexualdelikten, Raub und Betrug 

OriginalUnterlagen

Kriminalstatistik 2018 (PDF)

Kriminalstatistik2018_Präsentation Medienkonferenz (PDF)

Ausführungen-Stefan Kühne_Leiter Kriminalpolizei (PDF)

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