UZNER AUF HOFFNUNGSREISE IN LIBERIA

Nach dem erfolgreichen Charity-Kinoabend im Kino Rex in Uznach, startete für Simon und Fritz Schoch vom Uzner Verein Run For das Abenteuer Liberia. Die knapp 2500 gespendeten Franken sollten sinnvoll eingesetzt werden. Mit viel Respekt und Hoffnung im Gepäck hob das Flugzeug am 26. Oktober in Zürich ab. Ein Reisebericht.

Angekommen am Checkpoint.  Es ist nach 22 Uhr und wir werden angehalten. Prince, unser Chauffeur, kippt den Lichtschalter, damit Simon und ich auf dem Rücksitz, hinter getönten Autoscheiben, gesehen werden. Ein jugendlicher Polizist schaut hinein, und spricht mit unserem Chauffeur. An zusätzlichen Checkpoints werden wir wieder angehalten. Sind es Private? Sind es Polizisten? Keine Uniform, einfach da. Der junge Mann spricht von Geld, das er will. 50 liberianische Dollar, umgerechnet rund 37 Rappen. Prince macht das Fenster zu, erklärt dass die Regierung die Löhne nicht mehr bezahlen kann. Es geht ums Überleben, einzig und allein. 2 Millionen Einwohner sind es in Monrovia, 4 Millionen gesamthaft in Liberia. Landflucht ist oft die einzige Hoffnung. Die Stadt wird immer grösser. Liberia ist ein Land voller Bodenschätze, Gold, Diamanten, Eisenerz und ebenso reich an Ölpalmen und Gummibäumen. Das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen pro Jahr entspricht 400 Franken. Liberia liegt im Ranking der ärmsten Länder auf Rang 135 von 142. Das Land versinkt in Armut und Korruption.

Grünes Land, keine Arbeit
Wir kommen zurück zu unserer Schutzinsel, die gut bewacht ist.Es ist eine Brauerei unter Schweizer Führung mit Christoph Jud als Geschäftsleiter, welcher seit 30 Jahren in der Brauerei tätig ist und die Bürgerkriege miterlebt hat. Es ist ein Betrieb, welcher 150 einheimischen Mitarbeitern Arbeit bietet, ein soziales Umfeld, eine Arztpraxis und am Ende des Monats als Zustupf Essensgeld. Es ist eine Brauerei, welche gerade so gut in der Schweiz stehen könnte. Sauber, gut geführt, sehr gutes Bier. Leider gibt es kaum mehr produzierende Betriebe, welche der nächsten Generation eine Perspektive geben können. Die Stadt löst Unsicherheit aus, das Leben findet im Freien statt. Es leben gesamthaft 30 Schweizer in Liberia. Wir bewegen uns in der Stadt nur mit Prince. Wir kaufen farbigen Stoff in einem einfachen Laden. Es gibt kein Kino und nur wenige Restaurants, die man besuchen kann. Das Land ist schön, Liberia ist grün, Liberia hat wunderbare Strände, hat sauberes Wasser. Aber die Menschen sind verunsichert. Viele können die hellhäutigen Männer nicht einordnen. Unsere Hautfarbe wird mit Reichtum assoziiert. Wir fahren mit Prince durchs Land und sehen seinen Fluchtweg während des Bürgerkrieges Richtung Sierra Leone. Er zeigt uns die Brücke, auf der sein Freund erschossen, und danach in den Fluss geworfen wurde.

Eine Zukunft für Monrovias Kinder
Prince spricht während der Fahrt leise, nachdenklich, intelligent. Wir erleben in den kurzen Gesprächen intelligente Menschen mit wenig Perspektiven. In Robertsport, laut Aussagen ein Hotspot für Surfer, die nächsten Wahrnehmungen von verbrannten Häusern, Wellblechhütten, aber einem Strand mit traumhaftem Meer, Palmen, Fischerbooten. Wir fühlen uns in der Karibik. Der Strand ist menschenleer. Der Tourismus liegt brach. Wir stellen uns die Frage: Was machen wir hier? Sind wir Einbrecher in einem Land, in dem wir gar nichts zu suchen haben?

Nun nimmt unsere Mission Fahrt auf. Wir fahren zur ersten Schule mit 200 Kindern zwischen 2 und 12 Jahren. Alle sind gleich gekleidet. Der heitere Empfang, die Schulräume auf Hochglanz, Sprachen, Schreiben, Rechnen, Computer. Die Kinder werden auf ein Leben danach geschult, auf ein Land voller Träume, welche sie schon jetzt in ihren Herzen tragen. Bei der Besprechung geht es um die Unterstützung, die wir – dank Christoph Jud vor Ort überwacht – erfüllen können. Morgenessen, Mittagessen, Jahreskosten für die 200 Kinder rund 3‘000 Franken. Wir  werden diesen Wunsch nach Hause nehmen, zu unserem Verein, ihn besprechen – und sicherlich erfüllen.

Die zweite Schule ist eine Bekannte. Seit Simons Fotoauftrag während des Ausbruchs von Ebola 2014, besucht er Liberia zum vierten Mal und immer wieder die Schule mit 500 Schülern und 37 Waisenkindern. Der Besuch ist herzlich, voller Emotionen, wiedererkennend, hoffend, fragend und wünschend. Mit unserer Unterstützung wurde die Bibliothek, das Labor, der Sportplatz usw. finanziert. Wir verspüren Genugtuung – die Infrastruktur wird gehegt und gepflegt. Heute werden die Schlafräume gezeigt. Auf engstem Raum liegen Matratzen in schlechter Hygiene. Wir werden helfen,die Bedingungen zu verbessern. Moses, ein zweijähriges Waisenkind, begleitet uns die ganze Zeit. Er berührt unsere Haut, ein Lachen erhellt den Raum, als wir ihm das Seifenblasengeschenk in die Hand drücken. Moses ist der Ausdruck einer erlebbaren Zukunft. Er nimmt uns auf allen Ebenen mit und überzeugt uns, dass auch die Hilfe im Mikrobereich, Punkt für Punkt, wertvoll und richtig ist. Wir werden Moses wiedersehen oder wie es Simon vor all den Waisenkinder gesagt hat: Ihr gebt uns Liebe, wir geben Liebe zurück! Liberia beschenkt uns mit kostbarem Leben.

(Autorin: Gabi Corvi)

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