SHORTHAND: BEGINNENDE SELBSTZERFLEISCHUNG BEI DEN LAKERS-FANS?

Was am letzten Wochenende in der SKB-Arena vor sich ging, macht nachdenklich. Die Fans gerieten sich in die Haare.

Die beiden Niederlagen der Rapperswil Jona Lakers vom Wochenende gegen den SC Bern (1:3) und den HC Lausanne (1:2) sind angesichts der Geschehnisse nach dem Lausanne-Spiel eher Nebensache. Die knappen Punkteverluste zeigen zwar: Das Team ist intakt. Der Einsatz stimmte und man erarbeite sich sowohl gegen den Leader SCB als auch gegen Lausanne viele hochkarätige Torchancen. Leider aber immer mit demselben Problem: Die Tore werden nicht erzielt!

Sinnbildlich dafür standen die letzten dramatischen Minuten gegen die Lausanner: Als für die Lakers endlich das hochverdiente 1:1 fiel, gab es für sie sogar noch eine Zugabe. Zum Schluss konnten sie nämlich während zwei Minuten in Überzahl spielen. Doch Casey Wellman schaffte es nach einer mustergültigen Vorarbeit von Dion Knelsen nicht, den Puck ins halboffene Tor zu schicken. Und so kam es, wie es kommen musste: Durch eine unwiderstehliche Einzelleistung gelang es Lausannes Christoph Bertschy in Unterzahl, das spielentscheidende Tor gegen die Lakers zu erzielen. Nicht zum ersten Mal verloren sie ein Spiel auf eine Art und Weise, die zu denken gibt: Ein Null-Punkte-Wochenende für couragierte Auftritte!

Fanquerelen nach dem Spielende
Nun aber zum noch unschöneren, und zugleich auch beunruhigenden Teil dieses Wochenendes: Bereits vor Spielbeginn gegen Lausanne verbreiteten die Lakers-Fans ein Flugblatt. Darauf war zu lesen, dass die ansonsten tadellose Stehplatzkurve aus Protest gegen geplante ID-Scans für Matchbesucher das Team an diesem Spiel nicht unterstütze. Und so war es dann auch. Im Stadion herrschte eine gespenstige Ruhe. Man glaubte, an einem Vorbereitungsspiel zugegen zu sein. Diese Geisterstimmung unterbrachen wenigstens ab und zu die Sitzplatzfans, welche für Team-Unterstützung sorgten. Das ganze Kuriosum hatte nur eine einzige gute Seite an sich: Man sah an diesem Samstag für einmal deutlich, was eine gut funktionierende Fan-Kurve ausmacht, welche ansonsten Rappi auszeichnet.

Kritische Situation nach dem Spiel
Doch es kam noch schlimmer. Nach dem Spiel kippte die Stimmung unter den Lakers-Fans vollends. Und zwar, nachdem nach Spielende die Kurve doch noch ihren «Betrieb» aufnahm und die Mannschaft trotz unglücklicher Niederlage aufmunterte. Da platzte nicht wenigen Sitzplatzfans der Kragen. Und so ertönte von den Rängen ein unüberhörbares Pfeifkonzert. Das wiederum brachte die Stehplatzfans auf und führte danach rundum zu hitzigen Diskussionen.
Auslöser dieser Missstimmung in der wichtigen Meisterschaftsphase (es geht nun darum, die Playouts zu überleben) war die Problematik rund um die Identifikation-Scans. Die Frage ist aber, ob die Fans klug gehandelt haben, als sie sich ausgerechnet an diesem Benefiz-Spiel mit ihrem Boykott gegen die ID-Scans wehrten und sich damit zugleich gegen das eigene Team gestellt haben. Provokativ war auch, dass sie sich nach Spielende umentschieden und der Mannschaft dann doch wieder zujubelten.
Auch wenn das Team über die Aktion zum Voraus informiert gewesen war, schienen mehrere Spieler dafür wenig Verständnis gehabt zu haben. Manche von ihnen fuhren nach Spielende nur zögerlich zur Fankurve.

Unschönes Fazit
Die Fan-Aktion verfehlte wohl das Ziel! Das einzige, was davon übrig bleibt, sind Querelen innerhalb der Lakers. Ausserdem ging dem einen oder anderen Zuschauer wohl auch ein Déjà-vu durch den Kopf, nämlich die Zeit, als in den Stadion-Fankurven immer wieder Zwist und teilweise sogar Gewalt ausbrach. Bitte nicht schon wieder, dachte man.
Was dem Club und der Mannschaft in der jetzigen Situation mit Bestimmtheit schadet, ist eine gespaltene Fangemeinschaft. Die Einträge im eigenen Fan-Forum jedenfalls verheissen nichts Gutes.
Die einzigen Nutzniesser eines solchen Streits wären die Gegner der Lakers im Abstiegskampf. Ihnen käme eine Selbstzerfleischung unserer Fans gerade richtig. Diese tun nun gut daran, die Unstimmigkeiten schnell wieder zu beseitigen. Schon im nächsten Spiel ist die Mannschaft auf die Einheit unter den Fans angewiesen. Egal, ob sie sich auf den Sitz- oder auf den Stehplätzen befinden.

Daniel Altorfer

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