SG: WENIGER VERSTÖSSE GEGEN DAS JUGENDGESETZ

Im vergangenen Jahr haben erneut mehr als 30 St.Galler Gemeinden in Zusammenarbeit mit der Fachstelle Suchtprävention Alkohol- und Tabaktestkäufe durchgeführt.

Die durchschnittliche Verstossquote ist im Vergleich zum Vorjahr von 32 auf 27 Prozent gesunken. Die Ergebnisse zeigen: In Betrieben, die regelmässig getestet werden, ist das Verkaufspersonal zunehmend besser sensibilisiert.

Da im Kanton St.Gallen eine gesetzliche Grundlage für polizeilich begleitete Alkohol- und Tabak-Testkäufe fehlt, können die Gemeinden Monitoring-Testkäufe ohne polizeiliche Begleitung durchführen lassen. Dies ist ein Angebot der Fachstelle Suchtprävention bei Zepra Prävention und Gesundheitsförderung, einer Abteilung des Amtes für Gesundheitsvorsorge. Durchgeführt werden die Testkäufe vom Blauen Kreuz St.Gallen-Appenzell. Eine erwachsene Begleitperson geht zusammen mit Jugendlichen unter 16 Jahren zu Tankstellen, Restaurants, Detailhandel-Geschäften und an Events. Dabei gelten klare Regeln: Die Jugendlichen dürfen nicht lügen, wenn sie nach dem Alter gefragt werden und sind verpflichtet einen Ausweis zeigen, wenn dieser verlangt wird. Zudem dürfen sich die Testkäuferinnen nicht schminken, um älter auszusehen.

Aufgrund der fehlenden gesetzlichen Grundlage, können fehlbare Betriebe derzeit nicht gebüsst werden. Allerdings sind auf nationaler Ebene Bestrebungen im Gange, Testkäufe gesetzlich zu verankern. Bis es soweit ist, sollen die Testkäufe die Einhaltung der Jugendschutzbestimmungen verbessern, indem die Mitarbeitenden der Verkaufsstellen und die Öffentlichkeit für das Thema Jugendschutz sensibilisiert werden.

Verbesserungen bei Alkohol- und Tabaktestkäufen
Verglichen mit den Vorjahren haben 2018 weniger Verkaufsstellen Alkohol und Tabak an Minderjährige verkauft. Im Bereich der Alkoholtestkäufe erhielten die Jugendlichen in 27 Prozent der Fälle alkoholische Getränke (2017: 32 Prozent). Auch im Bereich der Tabak-Testkäufe hat sich die Quote verbessert. Lag die Verstossquote 2017 noch bei 26 Prozent, ist sie 2018 auf 19 Prozent gesunken. Dies dürfte vor allem damit zusammenhängen, dass sich viele der beteiligten St.Galler Gemeinden bereits seit mehreren Jahren aktiv für den Jugendschutz engagieren und regelmässig und flächendeckend Testkäufe durchführen lassen.

Testkäufe an Festanlässen zeigen Wirkung
Besonders an Festanlässen gibt es weniger Verstösse. Seit 2015 ist die Quote der widerrechtlichen Verkäufe bei Veranstaltungen um rund 22 Prozentpunkte, von 62 auf 40 Prozent, gesunken. Dass dabei die gleichen Anlässe immer wieder getestet wurden, bestätigt die nachhaltige Wirkung regelmässig durchgeführter Testkäufe. Dennoch schneiden die Festanlässe im Vergleich zu den übrigen Betriebszweigen am schlechtesten ab. So wurde im Detailhandel eine Verstossquote von 35 Prozent, bei Tankstellen 31 Prozent, bei Restaurants und Bars 24 Prozent und bei Kioskbetrieben 18 Prozent festgestellt. Hauptgrund dafür ist, dass an Festanlässen oft temporäre Mitarbeitende im Einsatz sind, die im Bereich Jugendschutz ungenügend geschult sind.

Online-Schulung jalk.ch
Speziell für Mitarbeitende von Events hat die Eidgenössische Alkoholverwaltung die kostenlose Online-Schulung https://www.jalk.ch/kantone/ entwickelt. Mit der Plattform steht ein flexibles Instrument zur Schulung des Verkaufspersonals zur Verfügung. Die Schulung lässt sich beispielsweise optimal in den Bewilligungsprozess für Veranstaltungen integrieren: Wer die Schulung erfolgreich absolviert, erhält eine personalisierte Schulungsbestätigung. Diese kann bei Bedarf von der Gemeinde als Nachweis eingefordert werden. Nicht nur für Festveranstalter ist die Online-Schulung eine Unterstützung. Auch das Verkaufspersonal in der Gastronomie sowie im Detailhandel kann ihr Wissen im Bereich Jugendschutz mithilfe der neuen Plattform jederzeit auffrischen.

Jugendschutz-Materialien im neuen Design 
Das Bundesgesetz und die kantonalen Gesetzgebungen schreiben vor, dass weder Alkohol noch Tabakwaren an unter 16-Jährige und keine Spirituosen an unter 18-Jährige verkauft werden dürfen. Am Verkaufspunkt muss ein gut sichtbares Schild angebracht werden, das auf dieses Verbot hinweist. Um Gastronomiebetriebe, Detailhandel und Veranstalter künftig noch besser bei der Einhaltung des Jugendschutzes zu unterstützen, hat der Kanton St.Gallen mit den Kantonen Appenzell Innerrhoden, Appenzell Ausserrhoden, Graubünden und Thurgau die gemeinsamen Jugendschutzmaterialien überarbeitet. Zum etablierten Angebot der «Checkpoint-Materialien» gehören Plakate, Kleber, ein digitaler Altersrechner und ein Flyer für das Verkaufs- und Servicepersonal, eine Checkliste für Festveranstalter sowie verschiedenfarbige Alters-Kontrollbänder. Die neuen Materialien können kostenlos bezogen werden unter: http://www.checkpoint.sg.ch.

(OriginalMitteilung, Autorin: Martina Gadient Fachbereichsleiterin Sucht und Sexual Health)

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