SCHULPRÄSIDENT-WAHL: DIE KANDIDATEN-SHOW

In zweieinhalb Wochen wählt Rapperswil-Jona den Schulpräsidenten und dritten Vollzeit-Stadtrat. Drei Kandidaten stellten sich am Dienstagabend dem Publikum. Linth24 war im Kreuz Jona dabei.

Würde ein «Applaus-O-Meter» die Wahl entscheiden, hätte Luca Eberle gewonnen. Er bekam das längste und intensivste Händeklatschen nach seiner Schluss-Ansprache. Auf Platz zwei folgte Roland Manhart. Nur einen Höfflichkeitsapplaus gab es für Tanja Zschokke.

Die Kandidatin der Gruppe UGS – Unabhängig Grün Sozial – konnte einem leidtun. Eigentlich hätte sie nie in diesen Wahlkampf einsteigen dürfen. Als der Moderator sie fragte: «Was ist ihre Strategie für die Schule in Rapperswil-Jona?», antwortete sie: «Ich habe drei Söhne durch die Schule begleitet, weiss also was es braucht». Dass dies keine Strategie ist, auch nicht für ein Schulwesen, war offensichtlich. Ein anderes Mal fragte der Moderator nach einer längeren Ausführung von Tanja Zschokke: «Was war jetzt genau ihre Meinung?» Später meinte sie, es brauche vielleicht nicht mehr Schulräume, sondern mehr Unterricht im Freien.
Ungefähr nach einer Stunde und weiteren Ausführungen, breitete sich bei jeder Wortmeldung von Zschokke peinliche Stille im Saal aus.

Präzision gegen Allgemeinplätze
Die 150 Personen im Saal hörten konzentriert zu und erlebten mit Luca Eberle (SP) und Roland Manhart (CVP) zwei sehr unterschiedliche Kandidaten. Das herauszuschälen, schaffte Moderator Remo Müller, mit seiner freundlichen Fragetechnik.

Remo Müller (Moderator)

Welche drei Sachen würden Sie ändern, sollten sie gewählt werden? war eine der Fragen. Eberles Antwort: Erstens müssen Schulräume da sein, wo die Kinder leben. Zweitens: Die Kinder in der Freizeit aktiv begleiten und nicht nur beschäftigen. Drittens: Die Lehrersuche verbessern.

Manharts Antwort auf dieselbe Frage: «Verändern ist so CEO-mässig. Ich werde hier nicht drei Punkte nennen. Ich würde sicher nicht mit der Machete reingehen.»

Was ebenfalls auffiel, wenn es um fachliche Themen ging, sagte Manhart rasch: «Ich bin sehr mit Dir Luca, unglaublich wie oft.» Die Einigkeit war etwas einseitig, denn Ideen und klare Vorstellungen kamen ausschliesslich von Eberle.

Zwischen Geburt und Tod
Ähnlich gross wie bei der Schule waren die Unterschiede beim Thema Alter&Gesellschaft. Manhart, der bereits Teilzeit-Stadtrat ist, sagte: «Wir haben ein Altersleitbild und 65 Plus ist definitiv ein Thema.» Eberle räumte hier ein: «Ich kann bei diesem Thema nicht aus dem Vollen schöpfen.» Es sei allerdings beeindruckend, was die Stadt heute schon alles leiste. Eberles Kritik: «Das neue Pflegezentrum Schachen ist sicher gut, aber es genügt nicht. Wir müssen auch neue Formen des Lebens im Alter finden.»

Manhart philosophierte auf seine Art. Das Amt begleite die Menschen von der Geburt bis in den Tod. «Das ist eine fantastische Arbeit, die ich hoffentlich machen kann.» Konkrete Ideen behielt er für sich.

Roland Manhart (CVP)
Luca Eberle (SP)

 

Rustikal gegen Feinstofflich
Manhart trat selbstbewusst und eher rustikal auf, in Körpersprache und mit Worten. Er ist sichtlich stolz auf das von ihm Erreichte. Das war auch so, als ihn der Moderator fragte: «Sie waren verantwortlich für die KESB. Würden Sie es wieder so machen?» worauf er unbeschwert mit «Ja!» antwortete und erst nach einem ungläubigen Blick des Moderators nachschob: «Also, das war ja immer der ganze Stadtrat, der das so wollte.»

Ganz anders das Auftreten von Eberle. Er sagt Sachen wie: «Es gibt nicht schwarz-weiss», redet von «Feinstofflichkeit», «justieren» und «vorausschauen». «Pädagogen-Slang» murmelte dazu ein Kollege der Linthzeitung am Pressetisch.

Tief blicken liess die Antwort auf die letzte Frage des Moderators an beide Lehrer: «Wäre es schlimm, wenn sie gewählt würden und keine Schüler mehr unterrichten könnten?» Eberle, der Schulleiter, antwortete: «Nein. Ich habe nur noch wenige Lektionen und vielleicht will ich später wieder Lehrer sein». Manhart, der Berufsschullehrer, litt Höllenqualen bevor er sagte: «Es würde mir sehr, sehr schwerfallen, nicht mehr unterrichten zu können und nicht mehr Berufsleute ins Leben begleiten zu können».

Gut möglich, dass das Stimmvolk die Wünsche von Beiden erfüllt.

Mario Aldrovandi


Alle Linth24 Artikel gibt es im Dossier: Schulpräsidenten-Wahl


 

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