SCHULPRÄSIDENT: ES WINKT EIN 200’000 FRANKEN JOB

Morgen Dienstagabend treten im Kreuz Jona die drei Kandidaten für das Schulpräsidium von Rapperswil-Jona gegeneinander an. Der Eintritt zum öffentlichen Podium ist kostenlos.

Nichts zahlen muss, wer sich informieren will. Über 200‘000 Franken Jahreslohn erhält dafür jene Person, die am 10. März als Schulpräsident gewählt wird. Tanja Zschokke, Roland Manhart und Luca Eberle bewerben sich.

Welche Qualifikation muss ein Schulpräsident erfüllen? Linth24 fragte bei der städtischen Kanzlei nach. Auch Stunden später herrscht Funkstille. Ob Rapperswil-Jona ein Job-Profil für das Amt hat, kann damit nicht beantwortet werden.

Ein Beispiel für die Anforderungen fand Linth24 in Weinfelden, einer Gemeinde mit 11‘000 Einwohnern. Rapperswil-Jona hat 26‘000. Das muss dort ein Schulrat können:
«Strategische Führung der Schule durch die Schulbehörde. Die Schulbehörde bestimmt im Rahmen der kantonalen Vorgaben die Ziele und Aufgaben der lokalen Schuleinheiten und kontrolliert deren Umsetzung. Sie führt die Verwaltung und ist teilweise erste Rekursinstanz. Die Schulbehörde – bestimmt das Schulprofil bezüglich Angebot und pädagogischer Ausrichtung – setzt Schwerpunkte der Schul- und Qualitätsentwicklung – bestimmt die Personalpolitik und Arbeitsbedingungen – erstellt die Finanzplanung – fällt Grundsatzentscheide zu Organisation und Infrastruktur – pflegt Beziehungen und macht Öffentlichkeitsarbeit – führt das Verwaltungspersonal.»

Zusammengefasst: Es braucht strategisches Denken, Führungserfahrung, Fachwissen. Was davon bringen die drei Kandidaten mit?

Zschokke: Gartentarchitektin ohne Personal
Tanja Zschokke schreibt auf ihrer Webseite: «Gartenarchitektin mit eigenem Büro.» Tanja Zschokke hat ein Diplom HTL des Technikums Rapperswil – heute HSR – plus ein «Nachdiplomstudium EDV». Kompetenz in Sachen Schule und Pädagogik: Keine. Und über ihre Firma schreibt Tanja Zschokke Linth24: «Unser Büro besteht aus zwei Leuten (zwei Inhaber), wir haben keine Angestellten.» Der zweite Inhaber ist der Gatte von Frau Zschokke. Ihr fehlt das, was man landläufig als Führungserfahrung bezeichnet.

Linth24 fragt: Genügt dieser Rucksack für die Führung von 400 Lehrpersonen und die Verantwortung für ein Budget von 60 Millionen Franken?

Manhart: Berufsschullehrer mit Chaos-Verantwortung
Kandidat Roland Manhart (Foto: Links) ist gelernter Primarlehrer und seit ein paar Jahren Teilzeit-Lehrer an der Berufsfachschule. Ein besonderes Flair für Pädagogik sucht man vergeblich auf seiner Webseite und in seinen Videos.

Führungsmässig dagegen ist Manhart kein leeres, sondern ein beschriebenes Blatt. Mit seinem Personal-Management hat er als Teilzeit-Stadtrat die KESB Linth aus der Krise direkt ins Chaos geführt. So stellte es KESB-Direktor Dr. Walter Grob dar. Er schreibt nach seiner Entlassung, Manhart sei «mit der Situation zunehmend überfordert» gewesen. Weiter: «Mit seinen ungeschickten Interventionen brachte Stadtrat Manhart das Team der Kesb Linth gegen sich auf».  Und schliesslich, Manhart und der ganze Stadtrat habe «einen Scherbenhaufen» angerichtet und «eine funktionierende Behörde ins Chaos gestürzt».

Natürlich ist das eine parteiische Stellungnahme. Aber Erfahrungen im Umgang mit Roland Manhart hatte Dr. Grob, denn schliesslich verteidigte ihn zuvor Manhart monatelang durch alle Böden. Bis Grob jene Hand beisst, die ihn gefüttert hat, muss schon einiges vorgefallen sein.

Luca Eberle: Für ihn sind alle – ausser die Konkurrenten
Bleibt als dritter Kandidat Luca Eberle (Foto: Rechts). Er ist  Lehrer wie Roland Manhart, nicht Primar- sondern Sekundarlehrer. Im Gegensatz zu Manhart hat er Führungserfahrung.

Seine berufliche Biographie: Sekundarlehrer in der Sekundarschule Bollwies, Jona; Schulleiter in der Sekundarschule Bollwies, Jona; Schulleiter in der Oberstufe Rain, Jona; Vorsitzender der Schulleiterkonferenz Rapperswil-Jona

Von aussen betrachtet, scheint es, dass Luca Eberle die Anforderungen des Amtes erfüllen könnte. Das finden auch die lokale FDP, SVP und  GLP, die den SP-Mann sensationell zur Wahl empfehlen und nicht den bürgerlichen Partner Roland Manhart von der CVP.

Wie die FDP ihre Empfehlung begründet, ist allerdings ziemlich brutal – für die beiden anderen Kandidaten: «Dabei ist der Kompetenzvorsprung und der detaillierte Sachverstand des 40jährigen Eberle gegenüber seinen Mitbewerbern überdeutlich hervorgetreten.»

Ob die FDP damit recht hat oder ob Zschokke und Manhart bisher versteckte Fähigkeiten besitzen, davon kann sich das Publikum morgen Abend im Kreuz in Jona überzeugen.

Mario Aldrovandi


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