RJ: STADTPRÄSIDENT ZU REICHTUM UND KARIN KELLER-SUTTER

Die Bürgerversammlung von Rapperswil-Jona bot zwei Überraschungen: Erstens, dass die Stadt viel reicher ist, als bekannt und zweitens, dass der Stadtpräsident der neu gewählten Bundesrätin Karin Keller-Sutter nicht gratulierte. Linth24 fraget nach.

Am Mittwochmorgen wurde die St. Galler Ständerätin Karin Keller-Sutter mit einem Glanzresultat zur ersten Bundesrätin des Kantons gewählt. Am Abend war das dem Stadtpräsidenten Martin Stöckling an der Bürgerversammlung von Rapperswil-Jona kein Wort wert. Er begrüsste die über 300 Teilnehmer dafür mit einigen launigen Sätzen über sein neues Mikrofon und einem Aufwisch an News der letzten Wochen.

Linth 24 fragte: Herr Stöckling, am Tag der Bürgerversammlung wurde Karin Keller-Sutter zur neuen Bundesrätin gewählt. Man hätte erwarten können, dass Sie ihr «aus der Ferne» im Namen des Stadtrats, der Stadt, bei ihrer Eröffnungsrede gratulieren. Warum haben Sie das nicht getan? Und: War das richtig oder ein Fehler?

Martin Stöckling antwortet: «Ich habe Frau Bundesrätin Keller-Sutter nicht gratuliert, da sie keinen direkten Bezug zu Rapperswil-Jona hat. Das hat nichts mit richtig oder falsch zu tun. Ungeachtet dessen freue ich mich natürlich sehr über die Wahl und bin stolz, dass eine Parteikollegin von mir aus dem Kanton St. Gallen die Ostschweiz in der Landesregierung vertritt. Demgegenüber bedauere ich, dass sie sich nun nicht mehr ganz für unseren Kanton und unsere Region in der kleinen Kammer einsetzten kann sondern Bundesrätin der ganzen Schweiz ist. Wir verlieren eine einflussreiche, versierte und gehörte Stimme im Stöckli. Das als „Wehrmutstropfen“.»

Kommentar von Linth24: Das Argument, die neue Bundesrätin habe «keinen direkten Bezug zu Rapperswil-Jona» ist etwas gar kurz gegriffen. Der Stadtrat kann nicht die Isolation der Stadt vom Rest des Kantons beklagen und sich gleichzeitig nicht mit allen St. Gallern über die Wahl der Bundesrätin freuen. Bei einer so wichtigen Wahl sollte der Stadtpräsident nicht nur an die «Parteikollegin» denken.

Hermann Blöchlinger, Präsident der Geschäftsprüfungskommission.

Eine weitere Überraschung bot Hermann Blöchlinger. Er ist als Präsident der Geschäftsprüfungskommission unter anderem «das buchhalterische Gewissen» des Stadtrats. Blöchlinger sagte, dass die Stadt das Budget für das kommende Jahr korrekt erstellt hat. Und dann – ohne grossen Firlefanz – erklärte er, dass die Stadt mutmasslich viel reicher sei, als bisher angenommen. Offiziell besitze die Stadt ein Vermögen von 26 Millionen Franken, insbesondere in Form von Immobilien und Wertpapieren. Wenn man aber den wahren Wert dieser Güter korrekt berechne, dann habe all das einen Zusatz-Wert von 70 bis 80 Millionen Franken.

Linth24 fragte: «Angenommen die Stadt verfügt über stille Reserven von 70-80 Mio im Anlagevermögen. Was würde das für Rapperswil-Jona konkret bedeuten?»

Martin Stöckling antwortet: «Das Verwaltungsvermögen der Stadt ist teilweise zu einem Wert bilanziert, der nicht dem tatsächlichen Wert oder dem Verkehrswert entspricht. Vor diesem Hintergrund bestehen tatsächlich beträchtliche stille Reserven. Mit Einführung des neuen Rechnungslegungsmodells müssen diese stillen Reserven offen gelegt resp. sichtbar gemacht werden. Die genaue Höhe wird aber erst bei Erstellung der Rechnung für das Jahr 2019 feststehen. Eine Diskussion darüber zum jetzigen Moment ist daher hypothetisch. Darüber hinaus ist darauf hinzuwesien, dass es sich um Buchgewinne handelt und lediglich Einfluss auf das bilanzierte Eigenkapital nicht jedoch auf die flüssigen Mittel haben.»

Kommentar von Linth24: Es ist korrekt, dass 100 Millionen Franken Anlagevermögen nicht gleichbedeutend mit Cash in der Kasse ist. Für die Kreditwürdigkeit der Stadt hat dieser Reichtum aber eine immense Bedeutung. Und Kredite braucht die Stadt in den nächsten Jahren, zum Beispiel für den Bau der neuen Berufsschule BWZ beim Lido.

(Mario Aldrovandi)

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