RJ: SCHWYZER KUNSTLIED IM EINSIEDLERHAUS

Wer kennt nicht die drei Kreuze im Hurdnerfeld? Direkt neben der Strasse des Seedamms stehen sie stoisch und etwas verwittert da.

Zugegeben: Meistens fährt man achtlos an ihnen vorbei, doch fast jedem Rapperswiler oder Aussenschwyzer haben sich die drei Kreuze irgendwie ins Unbewusste eingeschlichen. Lange bevor der Seedamm gebaut worden ist und lediglich eine «lange Brücke» aus Holz über die See-Enge zwischen Rapperswil und Hurden führte, standen sie schon da und so manch Reisender unter unseren Vorfahren passierte die drei Kreuze.

Die ersten schriftlichen Zeugnisse berichten bereits 1564 von «den drü Krützen uffem Hurder Veld», doch weshalb sie dort stehen, wird nicht genannt. Einer, der es zu wissen schien, war der in Einsiedeln geborene Mundart- und Heimatdichter Meinrad Lienert (1865-1933). In seinem Werk «Schweizer Sagen und Heldengeschichten» (1914) erzählt er auch die Legende «Die drei Kreuze»: Drei Rapperswiler Handwerksgesellen seien in die weite Welt hinausgezogen. Lange blieben sie ihrer Heimatstadt fern. Irgendwann wurde ihr Heimweh so stark, dass sie den Entschluss fassten «heimzukommen in ihre Berge, an ihren blauen See».

Doch die Rückreise war anstrengend und lang. Tag und Nacht wanderten sie, bis sie in den Böhmerwald kamen, wo viele Räuber und sonstige sonderbare Leute wohnten. Da erblickten sie ein Lichtlein im Walde – es war eine kleine Herberge. Müde, aber von grossem Hunger und Durst geplagt, wurden sie von einem Grossmütterchen verpflegt. Während ihrer Verköstigung schwelgten sie in Erinnerungen an ihr geliebtes Heimatstädtchen, was das «staudendürre Mütterchen» hörte. Daraufhin stieg die Alte in den Keller und brachte einen Krug mit süssem Wein. Gierig tranken die drei Gesellen den Wein in wackeren Schlucken und fielen noch am Tische in einen tiefen Schlaf.

Nach einer Weile erwachten sie und hörten in der Ferne ein Glöckchen klingen. Da rief der eine verwundert: «wären wir nicht gar so viele Meilen von der Heimat entfernt, so wollte ich wetten, ich höre das Kapuzinerglöcklein unseres Heimtatstädtchens Rapperswil zur Mette läuten». Und als auch die anderen erwachten, sahen sie die Schneeberge auf sie herabschauen. Die grüne Insel Ufenau lag zu ihrer Seite und schon erblickten sie drüben das Rosenstädtchen. Auf wundersame Weise waren sie zurückgekommen. Lienert schliesst die Erzählung: «An der Stelle aber, wo sie so unverhofft erwacht waren, liessen die Gesellen drei Kreuze aufstellen, die man heute noch sehen kann».

Wenngleich diese Legende anachronistisch ist, da das Kapuzinerkloster in Rapperswil erst während der Gegenreformation zu Beginn des 17. Jahrhunderts erbaut worden ist – also nach dem ersten schriftlichen Zeugnis der drei Kreuze – lohnt es sich, diese Geschichte immer wieder zu erzählen.

Meinrad Lienert

Ebenso lohnenswert ist es, sich den zu Unrecht in Vergessenheit geratenen Heimatdichter Lienert in Erinnerung zu rufen. Generationen von Kindern kannten seine Gedichte und Erzählungen in Mundart und Hochdeutsch. Und was fast niemand mehr weiss: Seine Gedichte wurden von rund 100 Komponisten vertont – ein bedeutender Beitrag zum schweizerischen Kunstlied!

Die beiden lokalen Musikerinnen Sybille Diethelm (Sopran) und Fabienne Romer (Klavier) haben es sich zur Aufgabe gemacht, das vergessene Schweizer Kunstlied aus der Versenkung in den Archiven und Bibliotheken zu holen. Just an diesem Ort, der treffender zu Lienerts Mundartdichtung in Einsiedler-Dialekt nicht sein könnte: Im Einsiedlerhaus, dem ehemaligen Weberhäuschen des Kapuzinerklosters und heutigem Haus der Musik in Rapperswil.

Basil Vollenweider, Historiker

Kurzinfo
Termin:  Freitag, 22. März, 19.30 Uhr,
Ort: Haus der Musik, Endingerstrasse 7, beim Kapuzinerkloster, 8640 Rapperswil-Jona
Extra: CHF 25
Reservation erwünscht: info@promusicante.ch

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