RJ: NEUER LESERBRIEF ZUR KIRCHENABSTIMMUNG

Am 10. Februar entscheiden die Stimmberechtigten der reformierten Kirche Rapperswil-Jona über die Renovation ihrer Kirche. 

Leserbrief von Stefan Ritz, Jona (4. Februar 2019)

5 Millionen Umbau – für eine leere Kirche von Morgen?

Als Katholik etwas über einen reformierten Kirchen-Umbau zu schreiben ist etwas ungewöhnliches, doch in der heutigen Zeit passend. Ein Umbau ist immer eine Investition in die Zukunft.
Als ich vor rund 20 Jahren in der Pfarrei Jona als Jugendarbeiter tätig war, wurde die Kirche in Jona umgebaut. Zuerst als MGEA-Projekt angedacht (Projekt Krone), dann aber in einer einfachen Variante umgesetzt. Der Pfarrer fragte mich damals, wie denn die Kirche von morgen aussehen müsste und ich gab ein paar Inputs für die Umsetzung z.B. Kniebänke raus und Stühle rein für eine besser und mobile Nutzung. Einige Inputs wurden angenommen, andere leider nicht.
Beim Umbau der reformierten Kirche Rapperswil finde ich, dass diese Summe von 5 Millionen für einen Kirchenumbau von Morgen zu viel ist. Wieso? Weil in 10-15 J04ahren die Kirchen leer sein werden. Für wen baut man den um? Die Kinder und Jugendliche von heute werden in 10 Jahren sicherlich nicht in eine klassische Kirche gehen. Wieso nicht einen Teil vom Geld in eine pragmatische Sanierung investieren und die restlichen 2-3 Millionen in neue Ideen – echte Treffpunkt für Kinder & Jugendliche vom Morgen?
Oder etwas Visionär: die Kirche verkaufen und einen Konzertsaal draus machen. Und alles Geld in neue Formen geben? Ich denke die Kirchen (auch die katholischen) erwachen erst wenn die Kirchen Komplet leer sind und sie es verpasst haben die Weichen zu stellen. Schade, denn Visionäre brauchen die Kirche, keine Verwaltungen, von denen haben wir mehr als genug.


Leserbrief von Christoph Leser, 8640 Rapperswil (3. Februar 2019)

6 : 2 – Also NEIN zum Baukredit der evang.-ref. Kirche Rapperswil-Jona

Mit Fug und Recht kann man über Ausbau und Innenraumsanierung geteilter Meinung sein. Sechs Punkte aus dem Abstimmungsbüchlein Seite 5 sind aus meiner Sicht fragwürdig, nur gerade zwei davon sind gerechtfertigt. Der Ersatz für Toiletten wird gerade mal mit dem gleichen Angebot wie heute geplant – für eine Kirche mit über 400 Plätzen! Ein Vorbereitungsraum für Musizierende ist tatsächlich wünschbar, sollte jedoch mit einem schlichten Anbau mit weniger Kostenfolgen realisierbar sein. Die Akustik im Kirchenraum ist heute in Rapperswil-Jona einmalig – hoffentlich bleibt das auch weiterhin so.

Wie in der LinthZeitung vom 30.1.2019 nachzulesen ist (‘Religionslosigkeit nimmt in der Schweiz rasant zu’) sank die Mitgliederzahl der beiden Landeskirchen seit den 80-er-Jahren von 90 auf knapp 60% – dieser Trend ist klar und trifft gemäss Rechnungsheft 2017 auch für unsere Kirchgemeinde zu. Zu wünschen wäre, dass sich diese Tendenz dreht und somit die Anpassung der Infrastruktur der Kirche Schritt halten möge. Planen da die Verantwortlichen am Ziel vorbei?

Die Präsidentin Frau Beatrix Bock weist darauf hin, dass mehrere ‘Workshops’ stattfanden. Leider wurde in der Startphase, damals noch unter dem Präsidenten Herr Peter Bosshard, die Weichen so gestellt, dass anderslautende Ideen und Vorschläge im Keim erstickt wurden – nicht gerade motivierend. Somit blieb lediglich noch das von der Kirchenvorsteherschaft seit Anfang postulierte und heute vorliegende, mittlerweile finanziell überbordende, Projekt erhalten – die Kostenexplosion von 1.5Mio 2017 bis 4.75Mio heute spricht eine klare Sprache. Dieses wurde dann auch mehrheitlich an den Veranstaltungen ‘schmackhaft’ gemacht und findet im Abstimmungsbüchlein seine finale Version. Im Wissen, dass einzelne Kirchbürger mit dieser Entwicklung nicht einverstanden sind, kamen diese dann in den Abstimmungsunterlagen auch nicht zu Wort!

Es ist wünschbar, den Prozess neu zu starten und sämtliche Stimmen unter einer neutralen Moderation mit einzubeziehen. Konsequenterweise also: NEIN zum Baukredit an der Urne vom 10.Februar 2019.


Leserbrief von Istvan Nagy, Rapperswil (2. Februar 2019)

Investition in die Zukunft

Als ehemaliger Kirchenvorsteher habe ich in den 1990er Jahren die grosse Diskussion um die Renovation der Kirche in Rapperswil hautnah miterlebt. Damals wurde ein Umbau von den Stimmbürgern abgelehnt und nur eine technische Sanierung durchgeführt. Die Rapperswiler Kirche steht deshalb auch heute noch im Zeitgeist und Design der letzten grossen Umgestaltung aus den 1950er Jahren. Nach über 60 Jahren ist es deshalb dringend angesagt, das Gotteshaus den heutigen Bedürfnissen anzupassen und zu einem Ort der Geborgenheit zu machen. Die momentan kühle Atmosphäre wirkt weder einladend noch gastfreundlich. Viele Kirchgänger besuchen deshalb heute diese Kirche nicht sehr gerne und fühlen sich in diesem Gebäude mit der kargen Ausstattung und der raketenartigen Kanzel nicht geborgen. Ausser an den traditionellen Weihnachtsgottesdiensten fehlt in diesem Raum jegliche Stimmung und Wärme.

Sollte die Umgestaltung in eine moderne und einladende Kirche nochmals abgelehnt werden, so werden wohl in zehn Jahren keine Kirchgänger mehr diesen kahlen Ort besuchen. Dann müsste man das Gebäude wohl schliessen oder anderweitig nutzen, was ich persönlich sehr schade fände. Von den Gegnern vermisse ich darum etwas Weitsicht. Das vorliegende Projekt ist eine Investition in die Zukunft, wovon auch die nächsten Generationen profitieren können. Die Jungen werden es uns danken, wenn wir heute «JA» zur geplanten Erneuerung sagen. Denn so können wir ihnen ein schönes Gotteshaus mit zweckmässigen Infrastrukturen und Nutzungsmöglichkeiten vermachen. Es ist deshalb wichtig, dem geplanten Umbau und den Anpassungen der Kirche an die heutige Zeit zuzustimmen.

 


Leserbrief von Hana Brunschwiler, Rapperswil (30.1.2019)

Alles oder nichts?

Die reformierten Kirchbürger stehen am 10. Februar vor einer schwierigen Entscheidung mit weittragenden finanziellen Konsequenzen. Baukredit 4.75 Mio Franken, mit Finanzierungskosten gegen 5.96 Mio Franken. Da geht es einerseits um die Sanierung des Kirchen- Innenraums, andererseits um den Zubau mit neuen Räumen. Leider ist eine zweigeteilte Abstimmung nicht vorgesehen.

Das Kerngeschäft, das Verkünden des Evangeliums, passiert in der Kirche selber. Sie muss für die unterschiedlichen Liturgieformen in kleinen oder grösseren Gruppen praktisch einzurichten sein. Dazu gehören die  mobile Bestuhlung, der verschiebbare Abendmahlstisch/Taufstein,  Heizung, Licht und gute Akustik für die Predigthörer, für die Kantorei und für die Kirchenmusik allgemein. Und natürlich – für alle unbestritten – die  Rollstuhlgängigkeit und die Toiletten.

Die neuen Räume des Zubaus? Ja, sie sind praktisch und schön. Aber für gesellschaftliche Anlässe, für Ausstellungen, Apéritifs und Kirchenkaffees haben wir bereits die ganze Infrastruktur im 340 Schritten entfernten EZRA. Wenn es wieder mehr Kircheneintritte als Austritte gibt, wann wir aus allen Nähten platzen, dann brauchen wir den Zubau, der schlicht und filigran die Kirche 3-seitig umfasst.

Im Moment plädiere ich für ein NEIN, weil wir mit dem NEIN nicht vor dem Scherbenhaufen stehen! Dann kommt Plan B. Dann nämlich suchen und finden wir gemeinsam den guten Mittelweg. In Anbetracht der vielen Aufgaben, die auch noch in unser christliches Pflichtenheft gehören, würde uns ein bisschen Bescheidenheit gut anstehen. Wie auch immer das Abstimmungsresultat sein wird: würdig und respektvoll soll es weitergehen.

 


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