LUCA EBERLE: «MEIN ZIEL IST ES, EINE GUTE SCHULE ZU MACHEN»

Gestern wurde Eberle mit einem Glanzresultat zum neuen Schulpräsidenten von Rapperswil-Jona gewählt. Auf Linth24 führt er aus, wie er den Wahlkampf erlebt hat und was von ihm im neuen Amt zu erwarten ist.

Luca Eberle, Sie haben mit 4‘224 Stimmen mehr als doppelt so viele Stimmen gemacht wie der amtierende Stadtrat Roland Manhart und mehr als das Vierfache von Stadträtin Tanja Zschokke. Was ging Ihnen durch den Kopf, als Sie dieses Resultat vernommen haben?
Ich habe mich extrem gefreut. Dieses schöne Resultat konnte nur zustande kommen, weil mich offenbar ein breiter Mix von Wählerinnen und Wählern über alle Parteien hinaus gewählt hat.

Das Resultat zeigt, dass Sie als SP-Mitglied auch stark von bürgerlichen Kreisen gewählt wurden. Was glauben Sie, gab den Ausschlag dazu?
Offenbar hat meine authentische Art überzeugt und sicherlich auch meine Fachkompetenz. Schliesslich bin ich seit 2010 als Schulleiter tätig und kenne den Schulbetrieb mit all seinen Facetten.

Wie haben Sie den Wahlkampf erlebt?
Unaufgeregt, fair, nicht so heftig. Und mir persönlich gab das viele neue Erfahrungen.

Was waren das für neue Erfahrungen?
Ich habe zum ersten Mal an Partei-Hearings teilgenommen, das hat mich sogar etwas nervös gemacht. Neu war auch, derart in der Öffentlichkeit zu stehen und von Leuten angesprochen zu werden, von denen ich nicht wusste, wer sie sind.

Ein unaufgeregter Wahlkampf ist eigentlich ein schlechtes Zeichen für eine Stadt. Man könnte dem auch lau sagen. Schliesslich wird man als Schulpräsident Vollzeit-Stadtrat und in Ihrem Alters- und Schulbudget geht es um immerhin 60 Millionen Franken jährlich.
Das habe ich auch gemeint mit unaufgeregt. Ich war etwas erstaunt, dass meine Mitkonkurrenten nicht mehr aus dem Wahlkampf machen wollten und sie meiner Fachkompetenz durch eigene Vorzüge wenig entgegenstellten. Soviel ich weiss, gab es zwei Leserbriefe. Also, Ihr Ausdruck lau ist schon zutreffend.

Sie treten auf den 1. Oktober einen interessanten Job an und verfügen über einen Drittel des Jahresbudgets dieser Stadt, mit über 400 Angestellten. Packen Sie das?
Ja, ich hoffe sehr. Ich kann natürlich davon profitieren, dass ich die Schule schon fast in- und auswendig kenne. Und viele Bereiche in Schule und Alter laufen heute schon gut, das ist für meinen Start einfacher.

In welchen Bereichen sehen Sie Handlungsbedarf?
Im Bereich Schulraumplanung. Man will von vier auf drei Oberstufenschulzentren reduzieren, was ich richtig finde. Die heute bestehenden Anlagen im Oberstufenbereich sind zum Teil zu klein. Auch die Bevölkerungsentwicklung ändert sich permanent. Es gibt Quartiere, in denen in absehbarer Zeit mehr Platz für Primarklassen vorhanden sein muss. Im besten Fall lässt sich eine Lösung für diesen Platzbedarf in Kombination mit der Oberstufen-Schulraumstrategie 5-4-3 finden

Gibt es weitere Bereiche, die zu überdenken sind?
Ja, der Betreuungsbereich. Es gibt immer mehr Kinder, die neben dem normalen Schulbetrieb zu begleiten sind. Hier gilt es die bestehenden Angebote kritisch zu hinterfragen und da und dort zu verbessern. Vielleicht gibt es auch neue Angebote. Andererseits bin ich aber nicht der Meinung, dass man jetzt alles neu erfinden muss.

Eine Lehrerin sagte mir, in der Schule wäre wichtig, vermehrt die Kinder ins Zentrum zu stellen. Offenbar wird in der Schule viel veradministriert. Sehen Sie dieses Problem auch?
Das ist teilweise sicherlich so. Im Zusammenhang mit der Einführung des neuen Lehrplans wurden bei uns zum Beispiel genau deshalb Kurse angeboten, in denen es konkret um die Umsetzung des Unterrichts geht. Und natürlich ist es wichtig, dass die Schule nicht zu viele Reformen parallel vornimmt. Umgekehrt müssen wir uns natürlich immer wieder der Gesellschaft anpassen, die sich heute ja sehr schnell verändert.

Die Schule wird immer mehr zum Babysitter. Mittagstisch, Nachhilfestunden, Lernhilfe und vieles sind anzubieten. Was ist Ihre Meinung dazu?
Die Schule wandelt sich in diesem Bereich. Das gibt uns aber auch die Chance für die Gesellschaft etwas zu tun. Wenn Kinder bei uns betreut werden, statt dass sie zuhause unbetreut am Gamen sind, hilft das allen. Nur dürfen wir nicht übertreiben und alles über einen Leist brechen. Jene Kinder, die nach Hause können und dort sinnvoll betreut sind, sollen das unbedingt tun.

Sie treten in einen Stadtrat ein, der momentan eher glücklos agiert. Er fallierte mit dem Tourismus-Center, aktuell mit dem Monsterschiff im Hafen, mit dem Eisprojekt im Lido und auch im Stadthaus soll nicht alles rund laufen. Viele sind auch mit dem Bauwesen unglücklich. Nicht zu reden vom KESB-Desaster, in das sich der Stadtrat hineinmanövriert hat. Macht Ihnen das keine Angst?
Ich werde mich zu Beginn meiner Amtszeit natürlich auf die Schule sowie auf das Ressort Gesellschaft und Alter zu konzentrieren. Aber ich gebe ihnen Recht: Gewisse Sachen aus dem politischen Teil der Stadt machen mir etwas Sorgen. Da werde ich einiges einzulesen haben und hoffe, dass ich da und dort eine eigene oder eine neue Sicht einbringen kann.

Ihrem Vorgänger Thomas Rüegg wurde teils angekreidet, dass er viel aus dem Steuersubstrat für die Schulen abgezweigt hat. Ist das auch Ihr Ziel?
Mein Ziel ist es nicht, viel Geld abzuziehen, sondern eine gute Schule zu machen.

Sie haben drei Wünsche. Was wünschen Sie sich?
Im Rain, wo ich heute tätigt bin, einen guten Abschluss zu haben und für eine gute Nachfolge in der Schulleitung zu sorgen. Zum Zweiten, dass ich weiterhin so gerne zur Arbeit gehe wie heute, und zum Dritten: Ich hoffe, dass wir drei, die jetzt im Wahlkampf Konkurrenten waren, danach eine gute Zusammenarbeit im Stadtrat finden.

Interview: Bruno Hug

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