LINTHSPITAL BLEIBT UND BEVÖLKERUNG BLEIBT ZUHAUSE

Heftige Diskussionen um die Spitalzukunft in brechend vollen Sälen gab es in Wattwil und Altstetten. In Uznach dagegen blieb es beschaulich und ruhig.

Mittwochabend, kurz nach 19 Uhr: Drei Polizisten stehen im Schulhauseingang des OSZ Haslen in Uznach. Etwas weiter weg: Ein paar offensichtlich nicht sichtbar sein wollende Personenschützer. In ihrer Nähe: Drei Regierungsräte. Es war angerichtet für das «Bevölkerungsgespräch Spitalzukunft See-Gaster». Philipp Landmark nahm es gelassen. Er war jahrelang Chefredaktor des St. Galler Tagblatts und hier als Moderator engagiert. So wie schon bei den anderen Veranstaltungen in Altstetten, Wattwil, Walenstadt. Doch dort kochten die Säle und sogar Gemeindepräsidenten hätten Öl ins Feuer gegossen. Ähnliches erwartet Landmark an diesem Abend nicht. Denn im Gegensatz zu Wattwil und Altstetten ist das Spital Uznach nicht gefährdet.

Dass «der Leidensdruckt fehlt» sah man schnell. Handgezählt 44 Personen waren anwesend. Darunter ehemalige, aktuelle und Möchtegern- Gemeindepräsidenten. Hinzu einige Lokalpolitiker, die später mehr oder weniger interessante Fragen stellten.

Zuerst gehörte die Bühne den Regierungsräten Heidi Hanselmann (Gesundheit), Marc Mächler (Bau) und Beni Würth (Finanzen), sowie Felix Sennhauser, Chef aller vier Spitalverbunde. Die Zuschauer erhielten von ihnen eine Lektion in Gesundheitspolitik.

Von Links nach Rechts: Beni Würth, Marc Mächler, Heidi Hanselmann, Yvonne Biri Massler, Felix Sennhauser, Philipp Landmark.

Effiziente und rentable Spitäler
Laut Sennhauser benötigt ein «effizientes» Spital 200 – 300 Betten und pro Jahr 7’000 Patienten. St. Gallen bringt das. Die Krankenhäuser Wil, Uznach und Grabs sind weit weg von dieser grünen Linie, aber näher als andere Spitäler. Bei allen Häusern sinkt dagegen die Aufenthaltsdauer der Patienten. Sie beträgt heute durchschnittlich nur noch 4,5 Tage. Grund: Die neue  Spitalfinanzierung zahlt Fälle und je schneller die abgewickelt sind, umso rentabler ist es – für die Spitäler. Die Patienten werden zur Spitex weitergeschoben. Felix Sennhauser, Chef der Spitalverbunde, sagte es rosarot: Die Medizin sei heute besser und die Spitexdienste gut.

Uznach rentiert zu wenig
In den letzten beiden Jahren machte das Linthspital einen Gewinn von je 500’000.- Franken. «Das ist im grünen Bereich, aber wir müssen ein Auge drauf behalten» urteilt Würth. «Das ist zu wenig, es müssten pro Jahr 3.5 Millionen sein», behauptete Sennhauser. Nur so könne man neue Geräte kaufen und die bisherigen abschreiben. Hanselmann optimistisch: «Mit dem Umbau des Linthspitals gewinne wir Patienten zurück.»

Regierung zahlt nicht blind aber oft zuviel
Früher hat der Kanton die Spitäler bezahlt und wenn ein Haus zu viel Geld kostete, wurde das Loch mit Nachtragskrediten gestopft. Das geht heute schweizweit nicht mehr. Seit 2012 zahlen die Kanton Behandlungen und nicht mehr Spitäler. Jede Operation hat eine bestimmte Anzahl Punkte und pro Punkt gibt es im Kanton St.Gallen 83 Rappen. Umliegende Kantone zahlen bis 89 Rappen pro Punkt. Wenn ein St. Galler Patient sich dort operieren lässt, zahlt die Regierung drauf. Hanselmann: «Diese Ungleichheit stört mich massiv.» Man mache dagegen Druck beim Bund.

Es drohen jährlich 70 Millionen Franken Defizit
«Weitermachen wie bisher ist keine Option», stellt Finanzdirektor Würth fest. Zuvor hatte Hanselmann mit Blick auf alle St. Galler Spitäler prognostiziert: «Wenn wir nichts ändern, droht ab 2022 ein jährliches Defizit von 70 Millionen Franken.»  Sennhauser doppelte nach: «Unser Gesundheitswesen ist krank!». Selbst wenn man wollte, dürfte man aber nicht einfach die offenen Rechnungen zahlen, sagte Beni Würth. Und weiter «Wir brauchen eine gesunde finanzielle Basis. Dann kommen die guten Leute. Wenn sie die guten Leute haben, kommt auch die gute finanzielle Basis.»

Spezialisierung schadet den Spitälern
Je kleiner ein Spital ist und je unattraktiver die Umgebung, umso weniger Spezialisten können dafür begeistert werden. Felix Sennhauser: «Ein Spezialist braucht eine bestimmte Anzahl Patienten. Es ist nicht allein der Lohn, der entscheidet.»
Gut sei, dass die Spitäler mehr Fachpersonal ausbilden, als in den Häusern langfristig benötigt werde. «Wir hoffen, dass sie sich für die Spitex oder die Langzeitpflege begeistern lassen», so die Spekulation von Heidi Hanselmann.

Kantonsrat als möglicher Stolperstein
Bis im September sollen die Vorschläge auf dem Tisch liegen. Dann entscheidet der Kantonsrat. Marc Mächler: «Welche Spitäler werden aufgehoben? Das kann nur der Kantonsrat definitiv entscheiden.» Sollte es gegen diesen Ratsentscheid ein Referendum geben, stimmt das Volk darüber ab.

Die erste Hürde bleibt der Kantonsrat. Schon 1997 und 2004 wollte die damalige Regierung Spitäler streichen. Das Vorhaben scheiterte bereits im Parlament: «Da war der Protest so gross, dass man die Segel strich», erinnert sich Würth. Er nimmt bereits jetzt die Politiker in die Pflicht: «Im Kantonsrat muss das Bewusstsein wachsen, dass es nicht nur um Regionen, sondern um den ganzen Kanton geht.»

Schliessungen müssen gut überlegt sein
Die Wahrscheinlichkeit, dass einige Spitäler geschlossen werden, ist gross. Aber, so Hanselmann: «Ein Spital schliessen, heisst noch nicht, dass man Geld spart. Vielleicht gibt es dann auch einen teuren Flaschenhals. Darum müssen wir uns das gut überlegen.» Und auch Beni Würth mahnt zur Vorsicht. Man müsse prüfen, was anstelle von einem geschlossenen Spital angeboten werde, vielleicht eine Spezialklinik oder sonst ein attraktives Angebot. Würth sagt klar: «Einfach abefrässe geht nicht, sonst scheitern wir ein drittes Mal.»

Die Uzner Zuhörer lauschten all dem interessiert und ziemlich entspannt. Denn all das hat vorerst keine Konsequenzen. Und so blieb es bei harmlosen Fragen. Dafür gabs zum Abschuss noch ein Schlumi-Bier oder ein Mineralwasser. Offeriert in der behaglichen Atmosphäre eines fast leeren Schulhauses.

Mario Aldrovandi

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