LINTH24 EXKLUSIV: EIN UNGEHEUER IM RAPPERSWILER HAFEN

Im Rapperswiler Hafen planen private Investoren eine 33 Meter weit in den See ragende, zweispurige Bootssteg-Anlage und dort soll ein Riesen-Eventschiff platziert werden.

Die Bootssteg-Anlage soll ab 2020, wie es in der Baueingabe der meee AG von Oliver Bühler, Jona, heisst, «der Parkplatz» für ein Schiff von geradezu bombastischen Dimensionen werden. Der dann zwischen den zwei neuen Stegen parkierte Ausflugsdampfer würde 30 bis 35 Meter lang und fast 9 Meter breit werden.

Erstaunlich ist: Die Stadt und insbesondere die Stadtbildkommission halten das Riesending offenbar für bewilligungsfähig und haben den Investoren dementsprechend positive Signale gegeben. Und das, obwohl ein derart überdimensioniertes Schiff vom Tourismuscenter und vom Seedamm her die Sicht auf den See und umgekehrt auf die Altstadt weitgehend verdecken würde.

Einmal mehr müssen sich deshalb private Liegenschaften-Eigentümer am Seequai und der Verein Gastliche Altstadt gegen ein unverständliches Hafen-Projekt wehren; Wie das schon im letzten Sommer gegen das dann vom Stimmvolk haushoch abgeschmetterte 3-Millionen-Tourismuscenter-Projekt der Fall war.

Grosser Schiffsteg für ein Monster
Die erstaunliche neue Schiffs-Anlage im öffentlichen Gewässer erschreckt mit all seinen Ausmassen:

  • Der erste in den See greifenden Schiffstege ist satte 33 Meter lang und auf den ersten 10 Metern 1.7 Meter breit.
  • Der zweite Schiffsteg läge 9 Meter daneben, ebenfalls über 30 Meter lang.
  • Die Zugangsplattform würde 2 x 2 Meter messen.
  • An der Bootsmauer würde eine 3 x 3 Meter grosse Ladebühne in Form eines offenen Lifts sowie eine 2.5 Meter hohe elektronische Gästeinformation montiert werden.

 

Über 30 Meter lang und direkt vor dem Tourismus-Zentrum: Zwei Schiffstege und dazwischen das Event-Schiff. (Alle Bilder aus Original-Baueingabe)

Die gewaltige Anlage wäre künftig der Park-, Belade-, Service- und Gastronomie-Standplatz für ein Schiff von noch viel gewaltigerem Ausmass. Die hier stationierte «Grey Diamond» würde laut der Baueingabe bis 35 Meter lang und 9 Meter breit werden. Wie hoch der dreistöckige Dampfer geplant ist, ist nur mit dem eigenen Massstab aus den Eingabe-Plänen zu erahnen. Es sind zwischen 8 und 10 Meter. Das Schiff würde somit alles andere rundum um mehrere Meter überragen!

Ominöses Baugesuch
Zu dieser gewaltigen Dimension im kleinen Rapperswiler Hafen heisst es in der schwer verständlichen Schiffsbeschreibung: Das Design des Schiffes sei «aufgrund der Stadtbildkommission» überarbeitet worden. «Die Dynamisierung des Buges», wie es von der Stadtbildkommission gewünscht worden sei, funktioniere aber nur, «wenn das Schiff 4 Meter länger realisiert werden dürfe». Das aber führe bei der 30-Meter-Variante «zu einem massiven Platzverlust im Raum». Dadurch funktioniere «das ganze Konzept bei einer Kapazität von 140 – 150 Personen aus betriebswirtschaftlichen Gründen nicht mehr.»

Wer das liest, versteht, wohl mit Ausnahme der Stadtbildkommission und den Bewilligungsbehörden, nur noch Bahnhof. Mehr ist zum relevanten Thema der Schiffsdimension dann auch nicht zu erfahren. Ausser, dass diesem wirren Text noch zwei kleine Schiffsskizzen beigegeben sind, die auch keine Klarheit schaffen.

Gewaltige Dimensionen, unklare Nutzung
Wohl für jedermann ist schnell ersichtlich: Das Schiff wäre im räumlich begrenzten Rapperswiler Hafen der sprichwörtliche Elefant im Porzellanladen. Der Clou dabei: Es würde direkt vor der Tourismusinformation zu stehen kommen und den Blick auf den See glatt versperren. Notabene also vor jenem Tourismuszentrum, das die Stadt letzten Sommer für Millionen renovieren wollte und dabei bei jeder Gelegenheit Kund tat, dass von hier aus der Blick auf den See einmalig sei.

Auch bezüglich der Schiffs-Nutzung bleibt vieles Unklar. Die meee AG schreibt, das Boot werde «als reines Eventschiff» für «Public-Events» und «geschlossene Gesellschaften» genutzt. Im Hafen würden keine Veranstaltungen durchgeführt. Und für «spezielle Veranstaltungen» würden Bewilligungen eingeholt. Während «der Zeit der Gästesammlung», also während «dem Eintreffen der Gäste bis zum Ablegen des Schiffes», wolle man die Passagiere jedoch auf dem Schiff im Hafen verpflegen. Ob die «Gästesammlung» dann eine halbe Stunde oder einen ganzen Tag dauert, ist der Baueingabe nicht zu entnehmen.

Schlechte Aussichten
Jedenfalls diene «der Liegeplatz» im Rapperswiler Hafen «in erster Linie als Parkplatz für das Schiff», so die Investoren in der Baueingabe. Die schlechten Aussichten auf die Stadt und den See scheint weder Touristiker der Stadt noch die Stadtverwaltung zu stören.

Das Projekt, das die Baukommission geprüft und für auflagewürdig befunden hat, war vom 20. November bis zum 3. Dezember im Rathaus einzusehen. Dagegen hagelt es nun Einsprachen.

Mehrere Liegenschaften-Besitzer und die Gastlichen Altstadt wehren sich gegen das konzeptlose Vorgehen rund um den Hafen und weisen die Stadt durch zwei Anwaltskanzleien auf die Mängel der Baueingabe hin. Erstens sei für die Baueingabe ein «ordentliches Verfahren» und nicht das «einfache Verfahren» erforderlich. Im Weiteren verstosse die Anlage «erheblich gegen die Ortsbildschutz-Vorschriften». Sie benötige die Bewilligung der Denkmalpflege des Amtes für Kultur, der eidgenössischen Denkmalpflege sowie der Kantonsbehörden. Denn der Hafen sei Teil des geschützten Ortsbildes, was in der Baueingabe missachtet worden sei.

Weiter monieren die Einsprecher, es sei «unklar, wie ein derart grosses Schiff» im Hafen überhaupt wenden und manövrieren könne. Ein Fachanwalt bilanziert: «Das geplante Schiff, beziehungsweise dessen Betrieb werde einen erheblich störenden Einfluss auf den gesamten Hafenbetrieb, das Altstadtbild und insbesondere die Wahrnehmung des Seequais haben.»

Dass dieses Projekt die Bau- und die Stadtbildkommission passieren konnte und es bis zur öffentlichen Ausschreibung schaffte, erstaunt – einmal mehr.

Bruno Hug


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