KRITIK AM STADTRATSPROJEKT FÜR GRÜNFELS-STADTPARK

In einem offenen Brief an den Stadtrat Rapperswil-Jona wendet sich Ronald Hurst aus Jona gegen das Projekt «Grünfels Stadtpark». Dies sei dringend, denn das Projekt sei weit fortgeschritten.

Sehr geehrte Damen und Herren

1. Es scheint mir, dass das Grünfels-Stadtpark-Projekt am öffentlichen Zeitgeist vorbei zielt. Industrie, Landwirtschaft, Strassenbau und Bauwut allgemein haben unsere Umwelt stark strapaziert: unsere Grünlunge verschwindet, schwindende Biodiversität ist in aller Volksmunde.

2. Es gibt genug Freizeitanlagen, die als Aufenthalts- und Spielplätze dienen. Noch mehr solcher Anlagen bedeutet die Fortsetzung der Zerstörung der Natur, die uns allen fehlt. Es darf noch darauf hingewiesen werden, dass die diversen Schulareale bei guter Gestaltung ausserhalb der Schulzeit als Jugendtreffpunkte dienen können und daher der Stadtpark diese Aufgabe einer Intensiv-Erholungszone nicht zu übernehmen braucht.

3. Das Grünfels-Legat bestimmt, dass das Grünfels-Areal als “Grünfläche” erhalten bleibt (und nicht bebaut wird). Eine Schafsweide mit ein paar Bäumen entspricht wohl einer “Grünfläche”. Meiner Meinung nach wäre aber eine zeitgemässe Gestaltung des Grünfels-Parks ein möglichst “naturnah gestaltetes Areal” mit unterschiedlichen Lebensräumen und Bepflanzungen für ein Maximum an Biodiversität – so wie das etwa von Radio SRF derzeit vermittelt wird.

4. Ich stelle mir folgendes vor

A. Einen Stadtpark, der den Mangel an ungenutzten und naturnahen Grünflächen berücksichtigt.

B. Einen Stadtpark, der inmitten einer hektischen und urbanen Wohngebiets-Atmosphäre, Ruhe und Erholung bietet.

C. Einen Stadtpark, der als Attraktion z.B. extensiv bewirtschaftete Grünfläche (Bäume, artenreiche Magerwiesen, Ruderalfläche, Wildsträucher-Hecken), Nist- und Unterschlupfmöglichkeiten für Kleinlebewesen und Insekten (vor allem solitär lebende Wildbienen und -wespen), Stein- und Ast-/Laubhaufen für Eidechsen, Igel und Mäuse sowie Nistmöglichkeiten für Vögel bietet. Dafür braucht es eine in diesen Belangen kundige Fachperson oder Naturgärtnerin, die ein gutes Konzept (diverse Lebensräume) und entsprechende Unterhaltsarbeiten gewährleistet. Der Unterhalt sollte ca. dreimal im Jahr (ungefähr März, Juni und Dezember) erfolgen, Heckenschnitt am besten im Dezember. Während des Winters werden die toten Stängel von Stauden stehen gelassen, damit die in den “Trockenstängel” überwinternden Insekten und -larven überleben können. Die “Trockenstängel” werden erst im Frühling (Ende März) entfernt. Steinhaufen und Totholzhaufen werden in Ruhe gelassen. Im Juni/Juli werden die Wiesen gemäht, vorzugweise mit der Sense. Der Unterhalt sollte nur durch fachkundiges Personal ausgeführt werden. Maschinen wie Fadenmäher oder Traktor, etc. sind zu vermeiden.

D. Einen Stadtpark, der mit Kies- oder Schotterwegen (nur für Fussgänger) erschlossen wird, welche als Lehr- und Informationspfade durch die unterschiedlichen Lebensräume des Parkes führen. Damit wird dem Besucher ermöglicht die Natur näher zu erleben.

E. Die gesamte Fläche des Grünfels-Areals nördlich des Ost/West-Fussweges (Schlüsselweg) zum SBB Jona soll für einen naturnahen Stadtpark ohne Spielplatz, Freizeit-Grillieren, Liegewiesen oder Sport eingesetzt werden. Falls doch entschieden wird Freizeitaktivitäten einzurichten, dann ist südlich des Ost/West-Fussweges neben dem bereits bestehenden Spielplatz genügend Fläche vorhanden. Wäre aber schade.

5. Zusammenfassung meiner Vorstellungen:
Ein Stadtpark, der vom SBB-Zug aus schön und einladend aussieht. Ein Erholungs- und Lerngebiet, das auch für Schulzwecke (Schülerexkursionen) oder Privatzwecke (Naturexkursionen) eingesetzt werden kann. Für Jona eine neue Attraktion, die für das breite Publikum Erholung, Bildung, Aufklärung und Freude bieitet. Ein Park, der nie gleich bleibt und ständig Jahr für Jahr aufs Neue überrascht, wenn man sich für Natur interessiert und hinschaut. Das Erscheinungsbild bleibt für den uninteressierten Besucher immer gleich. Ein Erlebnispark in einer naturnahen Umwelt.

Hochachtungsvoll und mit freundlichem Gruss,

Ronald Hurst, 8645 Jona


Dazu passender Linth24 Bericht:

JONA: WIESE WIRD ZUM PARK IM GRÜNFELS

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