KOMMENTAR ZUM STADTRÄTLICHEN HAFEN-DEBAKEL

Klartext von Bruno Hug.

Als ich die Argumente von Stadtpräsident Martin Stöckling zur Parkplatz-Bewilligung eines Riesenschiffes im Rapperswiler Hafen las, wurde mir klar: Ich mache eine Baueingabe für einen Fondue- und Glacé-Pavillon auf dem Hauptplatz.

Letzte Woche nahm Stadtpräsident Martin Stöckling (FDP) in der Linth-Zeitung zum geplanten Ganzjahres-Parkplatz für ein Riesenschiff im kleinen Rapperswiler Hafen Stellung (Link zum Originalinterview). Mieter des Parkplatzes wäre die Meee AG von Event-Unternehmer Oliver Bühler.

Im Interview sagte Stöckling, ein Hafen diene dazu, «Parkplätze für Schiffe zur Verfügung zu stellen.» Wenn das ein schlagendes Argument wäre, frage ich mich, wie viele weitere derartige Riesenschiffe in diesem Hafen sonst noch eine Ganzjahres-Parkbewilligung erhalten.

Stöckling sagte weiter: Das Event-Schiff biete «ein neues Angebot für eine breite Bevölkerung», was «eine gewisse Schiffsgrösse» bedinge. Nun sagte Schiffsbetreiber Bühler aber, 60 Prozent der Schiffsgäste würden in Zürich zusteigen. Und folglich wohl noch 20 oder 30 Prozent in anderen Häfen. Womit für Rapperswil kaum etwas bliebe. Ausserdem stehen hier schon mehrere Event-Schiffe. Von einem neuen Angebot kann also nicht die Rede sein.

Nur ein bisschen gegen das Ortsbild
Stöckling gab noch zum Besten, der Stadtrat sehe «im Event-Schiff mehr Positives als Negatives». Die Beeinträchtigung des Ortsbildes sehe der Stadtrat und die Stadtbildkommission «als nicht gravierend» an. Auf gut Deutsch: Ein bisschen eine Sauerei machen darf man schon, aber nicht zu viel.

Martin Stöckling, seit zwei Jahren Stadtpräsident von Rapperswil-Jona.

Die nächsten Argumente des Stadtpräsidenten waren: Das Schiff sei «einmal etwas Neues». Es führe «zu Bereicherung» und generiere «lokale Wertschöpfung». Das brachte mich auf folgende Idee: Ich reiche eine Baueingabe ein für einen Pavillon auf dem Hauptplatz: 30 x 8 Meter, 6 Meter hoch. Im Sommer wäre das Gebäude eine Glacé-Stube, im Winter eine Fondue-Beiz. Das wäre dann auch «etwas Neues», hätte eine «gewisse Grösse», würde zu einer «Bereicherung» in der Stadt führen und «lokale Wertschöpfung generieren». Und überhaupt ist eine Stadt ohnehin dafür da, um darin Häuser zu bauen. Demzufolge darf ich mich schon heute auf die Baubewilligung freuen!

Der Leuchtturm am Hafen
Stöckling sagte weiter, in den Altstadt-Workshops sei nach einem «Leuchtturm» am Fischmarktplatz verlangt worden. Das Schiff sei nun nach dem abgelehnten Visitor-Center «ein neuer Versuch», einen Leuchtturm zu kreieren.

Dass das Schiff, welches das Architektur Forum Obersee als «Mehrzwecksaal» bezeichnet hat, ein Leuchtturm für die Stadt sein soll, ist nicht nachvollziehbar. (Zumal Leuchttürme gewöhnlich auf dem Land stehen.) Ausserdem: Niemand hat an diesem Workshop, an dem ich selber teilnahm, nach einem Leuchtturm gerufen. Es wurde nur festgehalten, dass der Hafen für die Stadt wichtig sei. Woraus die Workshop-Firma den «Leuchtturm» kreierte. Erst später wurde mir klar, dass die Stadtführung damit wohl das vom Volk später abgeschmetterte Tourismus-Center vorspuren wollte. Und nun soll aus diesem ominösen Leuchtturm also ein Schiff werden. Und später wohl noch ein Hochhaus am Hafen.

Der Stadtpräsident sagte auch noch: Der Vertrag mit dem Schiffsbetreiber laufe nur bis 2024. Dann werde der Hafen sowieso umgebaut. Offenbar will man den Bürgern vorgaukeln, die Meee AG baue für 3.5 Millionen Franken ein Schiff samt Hafenverbauungen und sei bereit, zu verschwinden, wenn das Schiff zwei-drei Jahre später nicht mehr ins neue Hafen-Konzept passe. Ich denke, man sollte niemanden für dumm verkaufen.

Besser mutlos als falsch
Zum Schluss bilanzierte der Stadtpräsident: «Wenn wir nichts zulassen und mutlos alles Neue ablehnen, treten wir an Ort.» Dem ist zu entgegnen: Werden den Bürgern derart fragwürdige Zukunfts-Projekte auf diese Weise vorgelegt, tut das Volk gut daran «an Ort zu treten». Und auf Besserung zu hoffen.

Anzufügen bleibt noch: Oliver Bühler schreibt auf seiner Schiffs-Homepage, 2013 hätten unter Stadtrat Markus Gisler (FDP) Gespräche zwischen ihm, der Stadt und der Hensa stattgefunden. Darin habe ihm die Hensa, welche im Rapperswiler Hafen mehrere Schiffs-Plätze belegt, einen Anlegeplatz in Untermiete zugesagt. «Leider» sei das in den Verträgen aber «nicht erfasst worden» und Hensa habe nicht Wort gehalten. Sie habe damit «die Stadtverwaltung verärgert» und ihn «verarscht». Wurde Bühler also das Opfer einer lottrigen Stadtratsarbeit und ist die aktuelle Park-Bewilligung ein Ablasshandel der Stadt gegenüber Bühler? Vielleicht. Es würde jedenfalls zur ganzen verqueren Aktion passen.

Bruno Hug


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