KINDER UND DIE ZUKUNFT IN WEESEN

«Wer ist denn eigentlich Weesen?» haben wir uns zu Beginn unserer Veranstaltung gefragt. Wer darf in Weesen mitbestimmen, mitarbeiten, wer formt unsere Gemeinde, unsere Gemeinschaft? Die Frage ging an 80 Weesner Primarschülerinnen und Primarschüler der dritten bis sechsten Klasse, welche sich in der Turnhalle der Primarschule versammelt hatten.

Der Anlass war der erste Teil eines mehrteiligen Projektes mit dem Namen «KinderMitWirkung Weesen», welches zum Ziel hat, die Bedürfnisse und Wünsche der Weesner
Kinder im Primarschulalter zu eruieren und dabei entwickelte Ideen – unter Mitarbeit der Kinder – umzusetzen.Entstehung. Am Ursprung des Projektes steht eine Diskussion im Rahmen des Forums Weesen im Laufe deren festgestellt wurde, dass es in unserer Gemeinde zwar eine überaus grosse Anzahl von Angeboten für Kleinkinder gibt, kaum aber welche für ältere Kinder. Gerade Kinder im Primarschulalter können meist noch nicht eigenständig Angebote in der weiteren Umgebung nutzen und sind daher auf vielfältige Aktivitäten innerhalb der Gemeinde angewiesen, wo sie weitgehend ihre Freizeit verbringen. Und dass diese Kinder sich in Weesen möglichst wohl und zu Hause fühlen sollen,  war die Schlussfolgerung der Diskussion. Gemeindepräsident Marcel Benz nahm den Anstoss auf und delegierte das Thema an den jungen Gemeinderat Andreas Bühler.
Professionelle Begleitung des Prozesses Andreas Bühler initiierte Anfang April 2018 eine erste Sitzung mit mehreren Eltern und Vertretungen von Schule und Schulrat, an
der über mögliche Projekte für Kinder in der erwähnten Altersklasse diskutiert wurde. Dabei ist den Anwesenden bewusst geworden, dass ein Ansatz gewählt werden muss, der auf die Befragung der Zielgruppe selbst und deren Partizipation am Prozess abzielt. In der Folge wurde man auf eine Organisation namens «infoklick.ch» aufmerksam, welche  genau solche «Kindermitwirkungs-Anlässe» professionell anleitet und begleitet. Die darauffolgende Sitzung mit einem Vertreter von «infoklick.ch» bestärkte die Gruppe, diesen Ansatz zu wählen.

 

Ausschlaggebend waren vor allem die langjährige Erfahrung und die Ergebnisse der Organisation mit ähnlichen Projekten. Infoklick.ch wurde also ins Boot geholt und ein Organisationskomitee mit Eltern aus der Gemeinde gebildet, von denen praktischerweise einige auch gerade noch als Lehrpersonen oder im Schulrat tätig sind. Weitere Vorbereitungssitzungen folgten und in der Folge wurde der erste Schritt des Projektes auf Anfang Schuljahr 2018/2019 terminiert. Die Schulleiterin der Primarschule Weesen, Kathrin Zürrer, zeigte sich interessiert und unterstützte das Projekt. So konnte der Termin auf einen Freitagvormittag gesetzt werden – obligatorisch für alle Schülerinnen und Schüler der dritten bis sechsten Klasse.

Kinderkonferenz!
Am 24. August 2018 versammelten sich dann also die Zielgruppe – 80 Weesner Kinder – und ungefähr 10 Erwachsene als Begleitpersonen in der Turnhalle. Die Erwachsenen
rekrutierten sich aus einer Vertreterin von infoklick.ch, aus Mitgliedern des Organisationskomitees und zusätzlichen Helferinnen aus der Gemeinde. Gemeinderat Bühler und Daniela Ramser von infoklick.ch führten mit grossem Engagement durch den Morgen, unterstützt von den übrigen Erwachsenen. Zuerst wurde ausführlich über Sinn und Zweck der Veranstaltung informiert. Dabei wurden die Kinder dafür sensibilisiert, dass man nicht einfach passiv auf Verbesserung oder die Erfüllung von Wünschen in seiner Gemeinde warten soll, sondern sich aktiv melden und einbringen muss. «Wir alle bilden die Gemeinde!», «Wir alle sind Weesen!» war die Message. Zwar kann man als Kind noch nicht an offiziellen Abstimmungen teilnehmen, sich einbringen geht aber trotzdem schon. Auch legte das Organisationskomitee Wert darauf, von Anfang an klar zu machen, dass
es sich beim Kinder-Mit-Wirkungsprojekt nicht einfach um ein Wunschkonzert handelt, an dem man Forderungen stellen kann und die Gemeinde liefert diese dann, sondern dass auch aktive Mitarbeit und Mithilfe gefordert ist. Rechte UND Pflichten also!

Nach dieser ersten Einführung wurden die Kinder in sieben Entwürfe und Skizzen der Ideen in Kleingruppen altersdurchmischte, aber geschlechtergetrennte Gruppen von jeweils ungefähr 12 Kinder aufgeteilt. Jede Gruppe bezog einen eigenen Raum im Schulhaus und alle Kinder durften dort im Rahmen eines Brainstormings eigene Ideen formulieren und zeichnen: «Welche Verbesserungen wünscht du dir in Weesen?» Diese ersten Ideen wurden dann in der Gruppe vorgestellt, diskutiert und zum Teil kombiniert. Zuletzt wurden zwei bis drei Projekte per Punktevergabe ausgewählt. Diese stellte man dann mittels Zeichnungen und Beschriftungen auf grossen Flipchart-Blättern dar und brachte sie zurück in die Turnhalle. Fastfood, mehr Sicherheit für Velofahrende, ein Sprungturm oder ein Kindertreff? So kamen also ungefähr 15 Ideen zusammen (2-3 pro Gruppe), welche in der Turnhalle dem Plenum vorgestellt und diskutiert wurden. Auch bei diesem Schritt wurden ähnliche Projektideen zusammengelegt und so standen schlussendlich acht unterschiedliche Projekte in der Endrunde. Die Projekte sind bis jetzt bewusst sehr allgemein bezeichnet. Die Präzisierung und Ausarbeitung erfolgt in einem nächsten Schritt, bei dem die Ideen auch auf die Rahmenbedingungen und Umsetzbarkeit abgestimmt werden.

1) Aufwertung des Flihorns, beispielsweise mit einem Sprungbrett,
2) Seil- und Kletterpark;
3) Platz mit Rampen und Schanzen für Skate-/Kickboards, Rollschuhe und Velos;
4) Kinder-/Jugendtreff für Parties und andere Veranstaltungen;
5) Fastfood-Verkaufsstelle;
6) Eisfeld;
7) Sicherer Veloweg für den Schulweg;
8) Rennbahn für ferngesteuerte Modellautos.

Es sei explizit erwähnt, dass die Stimmung in den einzelnen Gruppen und auch im Plenum hervorragend war! Die Kinder arbeiteten motiviert und konzentriert mit und es wurde auf hohem Niveau diskutiert. Man merkt, dass sich unsere Primarschülerinnen und -schüler gewohnt sind, fair miteinander zu verhandeln, andere Meinungen zuzulassen und auch mit Kindern aus anderen Altersklassen zusammenzuarbeiten. Hier gebührt ein grosses Kompliment an die Primarschule Weesen!

Zum Schluss dann ging es darum, die besten Projekte zu bestimmen und für die Weiterverfolgung auszuwählen. Wiederum wurde mittels Punktevergabe abgestimmt und folgende Favoriten gewählt.

1. Platz: Kinder-/Jugendtreff mit 62 Punkten;
2. Platz: Aufwertung Flihorn mit 44 Punkten;
3. Platz: Eisfeld mit 31 Punkten;
4. Platz: Rampen&Schanzen mit 27 Punkten.

Eine Befindlichkeitsumfrage zum Schluss zeigte, dass der allergrösste Teil der Kinder diesen Vormittag sehr positiv beurteilte.

Schritt Zwei – die konkrete Ausarbeitung ausgewählter Projektideen Nun gilt es also, die vier ausgewählten Ideen auf ihre Umsetzbarkeit hin zu überprüfen und auf 1-2 Projekte zu reduzieren. Dazu sollen sich die Weesner Kinder wieder treffen und zusammen mit Erwachsenen und gezielt eingeladenen Fachleuten diskutieren und planen. Für dieses nächste Treffen wird allerdings keine Schulzeit mehr zur Verfügung gestellt. Die Mitwirkung ist freiwillig und wird am 26. September 2018, einem Mittwoch-Nachmittag, an der Primarschule stattfinden. Den Kindern wurde ein Anmeldetalon mit nach Hause gegeben, welcher über die Klassenlehrpersonen retourniert werden konnte. Das Resultat: von 80 Kindern haben sich 29 freiwillig für die Mitarbeit angemeldet.

Das grosse Ziel des Kindermitwirkungs-Projektes ist es, im Jahr 2019 mindestens eine der Ideen konkret umzusetzen. Dies ist für das Projekt ausserordentlich wichtig, um unseren jungen Mitbürgerinnen und Mitbürgern zu zeigen, dass sich der Einsatz für eine gute Sache lohnt und man in seiner Gemeinde durchaus etwas bewegen kann.

Weitere Informationen zum Projekt erhalten Sie auf der Projektseite von infoklick.ch sowie beim zuständigen Gemeinderat Andreas Bühler (andy.braendliberg@hotmail.com).

(OriginalMeldung, Text und Bilder: Beda Brun del Re)

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