HAFEN MONSTER: NOCH MEHR UNGLAUBLICHES AUS DEM STADTRAT

Die Vorgänge rund um den Jahres-Parkplatz für ein Monsterschiff im kleinen Rapperswiler Hafen werfen immer mehr Fragen auf. Fehlt dem Stadtrat die nötige Sensibilität für seine Stadt? Offenbar wurde auch schon ein Mietvertrag unterzeichnet. Gegen das Vorhaben kann sich jedermann wehren (Formular am Ende des Artikels) 

Am 21. Dezember 2018 berichteten wir auf Linth24 über die Einwilligung des Stadtrates zur Parkierung eines Megaschiffes im Rapperswil’s Hafen (Artikel hier). Der mindestens 30 Meter lange und rund 7 Meter hohe Event-Kahn würde den flanierenden Menschen in der beliebten Hafenzone glattweg die Sicht auf den See vermiesen. Zudem gäbe es für das Ungetüm zwei gegen 35 Meter lange Extra-Stege auf dem Wasser, direkt vor dem Tourismuszentrum. Und auf der Hafenmauer eine zweieinhalb Meter hohe elektronische Anzeigentafel sowie an derselben eine fast 10 Quadratmeter grosse Beladungsanlage für das Schiff. Ein Wahnsinn!

Breite Opposition
Nachdem Linth24 das Vorhaben im letzten Dezember offengelegt hatte, realisierten jetzt auch die anderen Medien am Obersee, was sich hier für ein Ärgernis anbahnt. Letzte Woche schrieben auch sie darüber.

Rundum wird klar: Die Opposition gegen das Riesenschiff wächst massiv. Das Architektur Forum Obersee, die gastliche Altstadt, der Verein der Altstadtbewohner und mehrere Liegenschaftseigentümer am Hafen wehren sich gegen das Vorhaben. Ebenso die zwei wichtigen Kulturgrössen der Stadt: Der Historiker Basil Vollenweider und der Kulturwissenschaftler Peter Röllin.

Sie forderten den Stadtrat bereits anfangs Dezember in einem Brief auf, die Park-Bewilligung für das Riesenschiff im Hafen «auf Grund der Mängel und Grundsatzfehler» zurückzuziehen. (Original: Brief Vollenweider und Röllin betr. Hafen an Stadt)  Peter Röllin sagt, das Boot passe hierher wie eine Faust aufs Auge. Und fordert: «Kein Hafen für Haifische!». Der Hafen eigne sich lediglich für kleine und mittelgrosse Schiffe. Die Kulturschaffenden stören sich auch massiv daran, dass für das Projekt weder das Amt für Kultur noch die kantonale Denkmalpflege angehört wurden, und dies, obwohl die Silhouette der Stadt ein geschütztes Kulturgut von nationaler Bedeutung ist.

Ganz harsch reagiert das Architektur Forum Obersee. Es schrieb der Stadt: «Nach der deutlichen Ermahnung der Bevölkerung beim Visitor Center» sei man erstaunt, dass der Stadtrat bei diesem städtebaulich wichtigen Ort nach wie vor keine Sensibilität kenne. Die Architekten bezeichnen das Schiff, welches im Hafen parkiert werden soll, als «Mobilie» und «Mehrzwecksaal». Und die geplanten Anlagen für das Schiff würden die Hafenanlage «empfindlich» verletzten. (Original: Brief Architektur Forum Obersee betr. Hafen Rapperswil an Stadt).

Diese schöne Sicht soll verstellt werden.

Durchschmuggeln und festzurren
Als ob der Stadtrat und ihr Bauchef das Projekt vor den Bürgern durchschmuggeln und danach gleich festzurren wollten, hat der Rat das Projekt ohne öffentliche Information am 18. Januar 2018 abgesegnet. Und offenbar gleich danach mit dem Schiffsbetreiber, der Meee AG von Oliver Bühler, einen Mietvertrag für das Hafengewässer unterzeichnet. So schreibt es Bühler in seiner Stellungnahme zu den Einsprachen gegen sein Projekt vom 1. Januar 2019. (Original: meee ag_Stellungnahme zur Einsprache gegen Baugesuch_1.1.2019) Und so vertrat es Bühler auch öffentlich in den Medien.

Linth24 hat deshalb den Stadtpräsidenten und den Bauchef angefragt, ob Bühlers Aussagen stimmen würden. Der Stadtschreiber antwortete namens des Stadtrats, die Fragen von Linth24 würden nächstens beantwortet. Als Linth24 nachhackte, schrieb der Stadtschreiber, die Aussagen von Schiffsbetreiber Bühler stimmten «so nicht». Auf weitere Nachfragen erhielt Linth24 keine Antwort mehr.

Nun stellt sich folgende Frage: Warum verschickt der Stadtrat eine Stellungnahme seines Vertragspartners Bühler, wenn die Angaben darin falsch sind? Man darf jetzt darüber rätseln, ob Bühler die Fakten verdreht hat oder die Stadt sich aus dem kuriosen Geschäft herauswinden will. Jedenfalls macht Bühler in seiner Stellungnahme noch weitere interessante Aussagen. Er teilt mit:

  • Das Projekt sei «auf die klaren Vorgaben der Stadtbildkommission ausgerichtet» worden. Auch der Stadtrat habe «klare Auflagen zur Schiffsdimension» gemacht. Weiter schreibt Bühler: «Der Stadtrat unterstützt das aktuelle Projekt.» Es seien alle Bedingungen im (offenbar schon unterzeichneten) Mietvertrag festgehalten. Im Klartext heisst das: Stadtrat und Stadtbildkommission haben die Entstehung des öffentlichen Ärgernisses aktiv begleitet und dazu ihren Segen gegeben.
  • Weiter schreibt Bühler, sein Schiffsprojekt – zu dem er in der Presse sagte, es kostet 3.5 Millionen Franken – werde «vornehmlich von geschlossenen Gesellschaften und von Firmenkunden» genutzt. Im Mietvertrag sei «klar geregelt», dass keine Veranstaltungen im Hafen Rapperswil stattfinden dürften. Dieser diene «im Wesentlichen» nur «zum Ein- und Ausstieg der Gäste». 60 % der Gäste würden zudem nicht in Rapperswil, sondern «zumeist in Zürich» zusteigen.

Damit wird klar: Der Stadtrat hat den schönen Rapperswiler Hafen als Parkplatz für ein Monsterschiff vermietet, der geradesogut in Zürich stehen könnte. Er tat dies, ohne öffentliche Ausschreibung, ohne die Bürger zu informieren, ohne den Kanton, der über die kantonalen Gewässer gebietet, einzubeziehen, und ohne das Amt für Kultur und ohne die Denkmalpflege zu kontaktieren. Was geht in diesem Stadtrat vor?

Fragen über Fragen und keine Antworten
Peter Röllin zieht in Betracht, dass es eine «Interessengemeinschaft» zwischen dem Schiffsbetreiber und der Stadt geben könnte. Von der Hand zu weisen ist das nicht mehr. Vieles an diesem Geschäft macht stutzig. Denn: Warum müssen derart viele Fakten verheimlicht werden? Aus den städtisch aufgelegten Planauflagen gingen nicht einmal die Masse des Eventdampfers hervor. Wird er 6, 7, oder 8 Meter hoch und 30 oder 34 Meter lang? Und wie werden die rund 70 Meter Steg im See verbaut? Schwimmen sie auf Fässern oder werden sie in den See gerammt? Wie wird die Hub-Anlage (3 x 3 Meter) an der Hafenwand befestig? Wird sie im See verpfählt oder einfach in die Hafenwand verbohrt? Und wo wird der elektrische Motor montiert, der die fast 10 Quadratmeter grosse Stahlplattform nach oben und unten fährt? Fragen über Fragen!

Bauchef Thomas Furrer sagt nur: Der Stadtrat und die Stadtbildkommission seien der Meinung, das Schiff werde «das Ortsbild nicht beeinträchtigen».

Damit aber liegt er ziemlich quer in der Landschaft.

Bruno Hug


Wollen Sie den Rapperswiler Hafen schützen?
Im Moment bildet sich eine Allianz von Bürgern, die sich dagegen wehren, dass der kleine Rapperswiler Hafen zu einem Schiffsparklatz wird. Unterstützen Sie die Opposition, schreiben sie mit diesem Formular Linth24 Ihre Meinung.

Ich unterstützte die Bemühungen gegen dieses unsinnige Vorhaben.

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Wie der Stadtrat kommuniziert. Ein Kommentar

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