ESCHENBACHER WAHL: IVO KUSTER – DER DEMOKRATIE ERMÖGLICHER

Am 19. Mai wählt Eschenbach einen neuen Gemeindepräsidenten. Bis kurz vor Anmeldeschluss sah es nach einer Routine-Wahl aus. Doch die CVP Dominanz wird nun in Frage gestellt. Einer der Kandidaten ist Ivo Kuster.

Der Entscheid fiel 30 Stunden vor Anmeldeschluss. Beim gemeinsamen Zähneputzen. «Kandidiere! Wenn Du nicht hinstehst, würdest Du Dir ewig Vorwürfe machen. Gewählt wirst Du sowieso nicht.» Ivo Kuster folgte dem Rat seiner Lebenspartnerin. Seither ist Wahlkampf.

Vorangegangen war dem Entscheid eine Riesenenttäuschung. Kuster war Mitglied der überparteilichen Findungskommission von Eschenbach, die Kandidaten suchte. «Dafür hatte ich viele Jahre lang gekämpft. Die Kamingespräche lanciert, die Parteien zusammengebracht. Und dann das!» Mit «das!» meint Kuster die Absage des Kandidaten X, den die Kommission gefunden hatte. «Er war hervorragend qualifiziert.» Aber fünf Tage vor Anmeldeschluss das Nein von «Mister X». Zurück blieb Konsternation.

Aus Frust reagiert Kuster gewöhnlich nicht. Er ist lieber selbst aktiv. Schlüsselwörter seiner DNA sind: «Jungwacht&Blauring», «Gemeinschaft», «Empowerment (Übertragen von Verantwortung)», «Partizipation» und SP.

In der Jugend galt: «In allen Ferien, ab ins Lager, Kurse leiten, teilnehmen, Partizipation pur». Die Zimmermann-Lehre absolvierte er quasi nebenbei: «Zwei Tage vor der Prüfung las ich alle Ordner durch und machte eine gute Lehrabschluss-Note». Der Weg vom Zimmermann zum Sozialarbeiter ergab sich von selbst: «Ich arbeiten in ein paar Buden. Die Chefs machten die Offerten, ich kümmerte mich um die Probleme: Alkohol, Ehekrächer, demotivierte Lehrlinge». Da könne er ja gleich soziale Arbeit studieren, habe er sich gedacht. Getan hat er es an der ZHAW in Zürich. Im Militär machte er Karriere, wurde Fachoffizier Psychologie im Grad eines Hauptmanns. Beruflich ist er 50% Sozialarbeiter in Schmerikon, Schwerpunkt Jugend; die restliche Zeit engagiert als Vater von drei Kleinkindern und Hausmann.

Kuster ist dauerengagiert. Er nutzt dabei viele Mittel, auch sein Haus. Das steht an der Sternenkreuzung in Eschenbach. Als Hausbesitzer blockiert er den Umbau der Kreuzung seit Jahren mit Einsprachen. Bevor er zusagt, will er ein ganzes Bündel von Massnahmen von der Gemeinde einhandeln: «Fokus auf sichere Fussgängerbereiche auf allen Strassen und Hochwasserschutz im Dorfkern». Ohne Änderungen, bleibt er beim Nein. «Man hat mir auch schon 2011 mit Enteignung gedroht.» Ihn beeindruckt das nicht.

«Es geht um Dich und nicht um mich» ist der Titel seines Online-Blogs www.ivo.sg. Schon vor drei Jahren habe er dort die Baulobby beschrieben, der die Eschenbacher Politik dominiert. «Jetzt kommt zurecht Andreas Büeler damit. Das ist hier eine Endless Story». Ob Cornel Aerne, der CVP-Kandidat, zum «Kreis» gehört oder ihm nützt? Dazu will sich Kuster nicht äussern. «Aerne ist ein fähiger Politiker, aber zum Glück nicht mehr der einzige Kandidat».

Was wäre Kusters Programm, wenn er trotzdem gewählt würde? «Ich senke meinen Lohn als Gemeindepräsident um 50’000 auf 150’000 Franken». Gemeindeversammlung fänden am Samstagnachmittag statt, vorbereitet durch Workshops und Familienhappenings am Morgen. Kuster «Das fördert die Demokratie, garantiert kommen mehr». Seine dritte Forderung hat Sprengkraft: «Ich verlange, dass mit jedem Bauprojekt immer genug Platz für konsumfreie Lebensräume geschaffen wird: Kinderspielplätze, Parkanlagen, Sitzbänke, Bäume, Langsamverkehr.» Das verhindere heute die «Baulobby». Gleichzeitig relativiert Kuster: «Damit würde ich als Präsident sicher ausgebremst und Abwahlversuche wären vorprogrammiert.»

Keine Chance, trotzdem «zwei Monate Wahlkampf-Scharmützel». Warum tut das Ivo Kuster? «Ich trete nicht an, um jemanden zu verhindern, sondern um eine Wahl zu ermöglichen.» Sein Ziel ist erreicht, wenn am 19. Mai keiner gewählt wird: «Ich bin ein Demokratie-Ermöglicher und wehre mich gegen das hier gelebte Götti-Prinzip.». Mit Kandidaten von aussen wäre die Lage eine ganz andere, meint er.  Er hofft, dass für den zweiten Wahlgang «jemand Neuer und Fähiger» gefunden wird. Am liebsten eine Frau.

Mario Aldrovandi


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