EIN VERLEGER AM RAND SEINES IMPERIUMS

Hanspeter Lebrument besitzt von St. Moritz bis Rapperswil praktisch alle Medien und lässt diese subventionieren. Dass er noch mehr Unterstützung vom Staat will, sagte er am Mittwoch an der HSR.

«Ist Print am Ende – und die Meinungsvielfalt auch?». Darüber redeten an der Hochschule Rapperswil eine Marketingfrau, ein Werbevermarkter und Hanspeter Lebrument.

Der Chef von Somedia kennt das Thema, als ex-Journalist, Verleger und Zeitungsfürst. Ihm gehören hier «Linthzeitung» und «Obersee Nachrichten». Das Dasein als Monopolist gefällt ihm. Lebrument wörtlich: «Ich bin froh, dass in meinem Gebiet keiner Medien machen will. Darum geht es mir gut.» Er schaut zufrieden in die Runde. Niemand räuspert sich.

Unter den zehn Zuschauern sind vier seiner Angestellten, zwei von Linth24 und vier weitere Interessierte. Mehr konnten die Inserate in der «Linthzeitung» nicht mobilisieren.

Jürg Bachmann, Goldbach Media
Karin Weigelt, Unternehmerin
Hanspeter Lebrument, Verleger
Stefan Millius, Moderator, «die Ostschweiz»

Lebrument klagt, dass die Einnahmen der Zeitungen wegbrechen. Das gelte für Abonnements und Inserate. «Niemand zahlt», sagt er und dann folgt der doppelte Paukenschlag:  «Ich glaube, dass die staatliche Förderung immer wichtiger wird» und «der Staat hat noch nie einen Franken geschickt».

Die letzte Aussage ist Provokation pur. Sie stimmt im wörtlichen Sinn, ist aber nur die halbe Wahrheit. Fake News.

Jede seiner Zeitungen, welche die Post verteilt, wird subventioniert, in dem nicht der volle Preis verrechnet wird. Diese «Indirekte Presseförderung» der Schweizer Verlage durch den bundeseigenen Betrieb Post kostet pro Jahr 30 Millionen Franken. Lebrument profitiert davon in unbekannter Höhe.

Er will aber nun noch mehr. An der HSR sagt Lebrument: «Die Preise für die Postzustellung müssen klar runter.» 10 Rappen Kosten pro verteilte Zeitung wären mehr als genug, sagt er deutlich und etwas später verklausuliert, dass es «Null» sein müsse. Wie viel er damit  auf Kosten der Steuerzahler sparen würde, ist nicht bekannt.

Lebruments Verlag kassiert 8 Millionen Franken Gebühren
Linth24 nennt konkrete Subventionszahlen für Lokal-Radios und TV’s. Lebruments Radio hiess früher «Radio Grischa» – heute «RSO». Erfolgreich ist es nicht. Im Stammgebiet von RSO, dem Bünder Unterland mit Chur, hören ihm täglich 29’500 Menschen zu. Viel mehr Publikum im gleichen Gebiet hat Radio FM1: 49’600. Der Sender aus dem fernen St.Gallen erhält keinen Franken Bundesgeld. Lebruments Privatradio kassiert dafür 3’159’683 Franken Gebühren pro Jahr.

Ein Nischendasein fristet auch TSO – Lebruments Lokal-TV. Es ist das einzige im Bündnerland. In seinem Konzessionsgebiet schauen täglich nur 14’400 Personen zu, während 8.3 Minuten. Für den Sender jenseits der Öffentlichkeit überweist das Bundesamt für Kommunikation jährlich 4’901’784 Franken an Lebrument aus dem Gebührentopf.

Hanspeter Lebrument hat sein Geschäftsmodell perfektioniert: Er macht Medien für ein kleines Publikum und kassiert dafür maximal viel Gebühren: 8.06 Millionen Franken für ein kleines Radio und ein kaum gesehenes Fernsehen. Kein privater Verlag in der Deutschschweiz kassiert annähernd so viel wie der Bergkönig.

Bern glaubt, es leiste Entwicklungshilfe für die alpine Zone und diese Noten spielt ihnen Lebrument gekonnt vor. Tatsächlich optimiert er seine Profite, indem er für seine schwachen elektronischen Medien Gebühren kassiert und gleichzeitig mit seinen noch rentablen Zeitungen verknüpft. Bern stärkt damit sein Monopol. Und finanziert es.

Geschäftszahlen veröffentlicht Hanspeter Lebrument nicht: «Die werden sie solange nicht lesen, wie es mich als Verleger gibt», sagte er am 1. Mai 2018 seiner Zeitung «Südostschweiz». Doch im Sommer 2018 verplapperte er sich gegenüber dem Fachmagazin «Journalist». Dort steht: «Somedia hat im vergangenen Jahr einen Umsatz von 120 Millionen Franken gemacht und einen Gewinn vor Steuern und Abschreibungen von 7%». Das bedeutet: Seine «Somedia» macht jährlich einen Gewinn von über 8 Millionen Franken. Exakt soviel, wie er vom Bund abholt.

Der nächste Gebühren-Honigtopf lockt: Staatliche Hilfe für die Zeitungen, finanziert mit den TV- und Radiozwangsgebühren. Der Präsident des Verlegerverbandes schwärmt von 120 Millionen Franken pro Jahr für die Presseförderung. Das wären dann viermal mehr als heute. Lebrument nennt noch keine Zahlen. Vor dem kleinen Publikum lässt er diese Katze nicht aus dem Sack.

Dafür braucht er ein grösseres Podium oder ein Sitzungszimmer in Bern.

Ach, und da war noch…. Fake-News
Nur bezahlte Medien garantieren wahrhaften und seriösen Journalismus. Dieses Hohelied wurde in der HSR mehrfach angestimmt. Im Gegensatz zu den Printmedien würden die Fakten im Internet falsch oder verfälscht dargestellt. Ein schönes Beispiel der verzerrten News in den Medien leistete nun aber Lebruments Linth-Zeitung grad selber.

Mit dem Titelfoto der heutigen Linthzeitung wird die Diskussionsrunde  von gestern als Grossanlass dargestellt. In Tat und Wahrheit sah es beim von Lebruments Zeitungen beworbenen Anlass ziemlich trist aus.

Mario Aldrovandi


 

 

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