CHANDIRAMANI: MEINE BÖRSE

Der Finanzanalyst und Linth24-Kolumnist Christopher Chandiramani mit einem Jahresrückblick und einem Ausblick 2019 auf die Börse.

Zehn Jahre nach der Finanzkrise 2008 hat sich unsere Wirtschaft zwar gut erholt, beispielsweise durch leichtes Wachstum, weitgehende Vollbeschäftigung, Erholung des Euros und US-Dollars sowie der Rohstoffpreise, Stabilisierung des Finanzsystems, Immobilien wieder nahe an den Höchstpreisen – alles vergleichsweise positive Wirtschaftsindikatoren.

Aber die Aktienmärkte konnten im laufenden Jahr nicht mithalten. Die Aussichten werden zunehmend unsicher. Die Kursschwankungen haben stark zugenommen, seit dem Spätherbst und vor allem gegen das Jahresende. Der amerikanische Dow-Jones Index hat im Jahre 2018 um 6% verloren, der Schweizer SMI 10 Prozent, der deutsche Index DAX ist sogar um 18% eingebrochen. Das traditionelle Feiertagsrally fiel aus – im Gegenteil – die Marktschwäche verstärkte sich. Unsichere Wachstumsaussichten der Wirtschaft, Zinserhöhungen in den USA, zunehmender Handelskrieg und Zollstreit der USA mit China und anderen Staaten, die Brexit-Verhandlungen ohne Einigung (Austritt Grossbritanniens aus der EU), sowie Schwierigkeiten durch die abnehmende politische Stabilität Deutschlands, landesweite Proteste in Frankreich (Gelbwesten), sowie die Defizitpolitik in Italiens Budget belasten.

Zwischen Feiertagen gab es in den USA noch den „Shutdown“, einen Haushaltstreit zwischen dem Präsidenten und dem Parlament mit einem vorübergehenden Ausgabenstopp und Stillstand des Staatsapparates. Auch bei uns in der Schweiz gab es schon einfachere Zeiten. Komplizierte Baustellen wie die Renten- und Steuerreform, die Kosten im Gesundheitswesen, auch das Verhältnis zu Europa dürfte noch längere Zeit Probleme ergeben (Rahmenvertrag, Börsenäquivalenz usw.). Gewisse Branchen befinden sich im Umbruch, vor allem die Banken, Tourismus und der Detailhandel (Digitalisierung).

Das kommende Anlagejahr 2019, Wirtschaft und Aktienbörsen und deren Einschätzungen dürften schwierig bleiben. Im Moment herrscht eine anhaltend gedrückte Stimmung. Schwankungen könnten anhalten. Zinsanstiegs- und Inflationsängste sind jedoch eher übertrieben und verfrüht. Die Gewinnsituation der Unternehmungen ist nach wie vor gut. Weitere Dividendenerhöhungen sind möglich. Auf dem gegenwärtigen Kursniveau der Aktien gibt es bereits wieder einige günstige Kaufgelegenheiten in erstklassige Anlagewerte, trotz anhaltender geopolitischer Risiken. Anleihen mit praktisch einer Nullverzinsung bleiben zurzeit noch uninteressant.

Christopher Chandiramani

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