BÖRSE: HOFFNUNG AUF LEICHTES PLUS INTAKT

Ein durchzogenes Börsenjahr neigt sich dem Ende zu. Der Schweizer Aktienmarkt könnte 2018 doch noch mit einem leichten Plus beenden. Voraussetzung ist eine weitere Entspannung im Handelsstreit zwischen den USA und China und eine USNotenbank, die dem Markt die Furcht vor einem allzu starken Zinsanstieg im kommenden Jahr nimmt.

Für einmal sind es am Schweizer Aktienmarkt die grosskapitalisierten Unternehmen, die den kleineren den Rang ablaufen. Der Vorteil für die Grossen zeigt sich seit dem Sommer, als sich der chinesisch-amerikanische Handelsstreit intensivierte und hat sich im Herbst durch einen zeitweiligen Anstieg der langfristigen Zinsen in den USA bekräftigt. Beide Ereignisse befeuern die Sorgen um die Perspektiven der Weltwirtschaft und brachten entsprechend zyklische Wachstumstitel unter Druck.

Dagegen waren die defensiven Schwergewichte wieder in der Anlegergunst. Dies im Gegensatz zu den vergangenen Jahren, in denen der Vorteil klar bei den Kleinen lag (siehe Grafik). Die Wachstumsbedenken sind nicht nur bei den klein- und mittelkapitalisierten Schweizer Unternehmen ersichtlich, beispielsweise auch bei der US-Technologie oder bei den Schwellenländern machen sich Sorgen breit, wonach die Wachstumserwartungen nicht erfüllt werden könnten. Tatsächlich zeigen die globalen Wirtschaftsindikatoren eine rückläufige Dynamik an. Der US-Wachstumsmotor läuft zwar aktuell auf Hochtouren, aber für das kommende Jahr werden die Effekte der Steuersenkungen weniger deutlich. Auch in der Schweiz hat sich das Wirtschaftswachstum eingetrübt, was nach den sehr starken Vorquartalen aber nicht besorgniserregend ist. Für das kommende Jahr erwarten wir für die Schweiz ein Wirtschaftswachstum von rund 2% nach deutlich überdurchschnittlichen knapp 3% in 2018.

Die Wachstumsdynamik lässt also leicht nach, das wirtschaftliche Fundament bleibt aber intakt. Daher gehen wir davon aus, dass die Finanzmarktturbulenzen der vergangenen Monate nicht in einer starken Korrektur münden, sondern immer wieder von soliden Wirtschaftsdaten aufgefangen werden. Kurzfristig ist aber auch gegen oben wenig Luft vorhanden. Denn der italienische Budgetstreit mit der EU ist bei weitem nicht gelöst und auch der Brexit wird bis zum geplanten Vollzug im März und allenfalls darüber hinaus noch für Aufregung sorgen.

Zu den unterstützenden Marktfaktoren könnte in den kommenden Wochen überraschenderweise die US-Notenbank zählen. Zwar ist der fortgeschrittene Zinszyklus weiterhin ein wichtiger Treiber für den Gegenwind an den Aktienmärkten. Und auch für Dezember erwarten wir einen weiteren Zinsschritt durch die Fed. Mit Blick auf die rücklaufenden Konjunkturindikatoren und die nervösen Finanzmärkte könnten die Notenbanker aber verbal weiterhin etwas auf die Bremse treten und sich so ein Fenster für mögliche Zinspausen offenhalten. Somit wäre auch der Boden für einen soliden Schlussmonat am Aktienmarkt geebnet, mit der Möglichkeit, dass Investoren im Schweizer Aktienmarkt das insgesamt turbulente Jahr 2018 mit einem leichten Plus abschliessen.

(OriginalMeldung, Autor: roland.klaeger@raiffeisen.ch

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