BLITZERSERIE: DIE ARGUMENTE DER POLIZEI

In Schmerikon, Uznach und Jona standen wochenlang Tempo-Geldmaschinen der Kantonspolizei, auch «Blitzer» genannt. Das Linthgebiet wurde so zur Milchkuh des Kantons, denn 47 Prozent aller kantonalen Busseneinnahmen mit semistationären Blitzern wurden seit Anfang Jahr hier realisiert.

Beim Dorfausgang Schmerikon stand während 48 Tagen die am besten rentierende Geldmaschine des Kantons in der Tempo 50 Zone.

Damit stand dieser Blitzer bedeutend länger, als die Polizei selber vorgibt. Linth24 fragte die Kantonspolizei, wie lange ein Messgerät an einem Standort steht. Die Antwort von Gian Andrea Rezzoli, Mediensprecher der Kapo: «Die Dauer beträgt ungefähr 4 – 6 Wochen. Sie kann aber stark variieren: Service, Aufladung der Batterien, Witterung, neue Aufträge usw.»

Schmerikon stand mit sieben Wochen am oberen Ende dieser «Variationen». Dies gilt noch mehr für das Messgerät an der Grynaustrasse in Uznach, wo das Gerät 65 Tage lang blitzte oder für dasjenige an der Zürcherstrasse in Jona, wo 56 Tage einkassiert wurde. Es waren aber ausgerechnet diese drei Dauer-Blitzer, die im gesamten Kanton am meisten Bussgelder produzierten.

Warum aber stand das Gerät überhaupt beim Dorfeingang in Schmerikon? Blieb es dort, weil besonders hohe Einnahmen garantiert waren? Die Antwort von Rezzoli: «Nein. Wir setzen die Geräte nicht nach Höhe der Einnahmen ein, sondern dort, wo Reklamationen von Anwohnern hängig sind, wo die Gemeinden dies wünschen, wo die Verkehrssicherheit tangiert ist, wo die Geschwindigkeiten nicht eingehalten werden usw.»

Niemand hat den Blitzer verlangt

Ein Augenschein vor Ort zeigt: Das Gerät stand gut versteckt und optisch abgedeckt in der Tempo 50 Zone. Der Abstand zur Ausserortszone mit 80 Stundenkilometer betrug nur 150 Meter. Auf diesem Weg gibt es kein Haus, kein Fussgängerstreifen, keine Schule. Es gibt also keine spezielle Gefahr und keine Anwohner welche reklamieren könnten. Auch die Gemeinde hatte das nicht verlangt. Der Schmerkner Ratsschreiber Claudio De Cambio brauchte nur wenige Buchstaben zur Beantwortung der Linth24 Fragen: «Nein» lautete seine Antwort auf: «Wurden Sie von Anwohnern, Einwohnern oder Betroffenen / Gebüssten auf diese Anlage angesprochen?». Und «Nein» lautete De Cambios Antwort auf: «Haben Sie das Einrichten dieser Anlage bei der Kantonspolizei angeregt?».

Dieselben zwei Fragen beantworten auch Uznach und Jona. Uznachs Gemeindepräsident Christian Holderegger schrieb Linth24 «Meine Antworten lauten bei beiden Fragen nein.» Ein zweifaches Nein gab es auch aus der Stadtkanzlei von Rapperswil-Jona.

Eschenbachs Gemeindepräsident ist dafür

Damit bleibt der Polizei als Erklärung für ihr Tun nur der Hinweis auf das «usw.» das «Undsoweiter» und auf den allgemeinen Auftrag der Polizei. Diesen umschreibt Gian Andrea Rezzoli als Mediensprecher der Polizei so: «Die gesetzlich definierten Höchstgeschwindigkeiten gelten auf allen Strassenabschnitten und sind somit durch die Polizei zu überwachen.»

In dieser Haltung wird die Kantonspolizei von Eschenbachs Gemeindepräsident Josef Blöchlinger unterstützt. Auf seinem Gemeindegebiet fanden in diesem Jahr fünf der elf Blitzereinsätze im Linthgebiet statt; zweimal in Eschenbach und je einmal in St. Gallenkappel, Ermenschwil und Neuhaus.

Blöchlinger schreibt: «Die Verkehrsmessungen werden meiner Ansicht nach darum genau dort gemacht, wo auch Geschwindigkeitsübertretungen leider immer wieder stattfinden. Also finde ich es auch richtig, dass an diesen neuralgischen Stellen Kontrollen gemacht werden. Die Blitzer standen alle im Innerortsbereich! Das sagt ja wohl alles aus.»

(Bericht: Linth24, Autor: Mario Aldrovandi)

Nächster Teil der Blitzer-Serie: Wie Politiker auf die Dauer-Blitzerei reagieren.

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