BISTUM ST.GALLEN: GLAUBE, KRISE UND CHAOS IN DER PUBERTÄT

Das diesjährige, 28. Diözesanforum kirchliche Jugendarbeit mit über 100 Teilnehmenden wurde mit einem Pastatalk – ein Nachtessen mit Dialog an den Tischen – und nicht wie üblich mit einer Besinnung in der Kirche eröffnet.

Die Psychologin Brigitta Wyss referierte über die schwierige Zeit der Pubertät und diskutierte mit den Teilnehmenden konkrete Beispiele von Krisensituationen von Pubertierenden. Franz Keissl und Bischof Markus Büchel wandten sich mit Impulsreferaten an die Tagungs-Gäste.

In der Pubertät erleben junge Menschen grosse Veränderungen an Körper, Geist und Seele, sie sind «dünnhäutiger» in dieser Phase und geraten schneller in persönliche Krisen. Eine Aufgabe der kirchlichen Jugendarbeit ist es, Jugendliche durch Krisenzeiten zu begleiten. Im Diözesanforum hatten die Teilnehmenden die Möglichkeit, diese Kompetenzen zu schärfen und zu stärken. Dies in Diskussionen, durch den Vortrag und die Besprechung von Fallbeispielen.

«Umbau» im Gehirn
Brigitta Wyss, langjährige Leiterin des Internates St.Antonius, Appenzell, heute freischaffende Psychologin, führte die rund 100 Teilnehmenden in die schwierige Welt von Pubertierenden. Weniger als 50 Prozent der Menschen fühlen sich im Leben sicher, auf dem Weg vom Kind zum Erwachsenen sind Stress und Zukunftsangst oft überdurchschnittlich hoch. Pubertierende geraten in eine Rollenkrise. «Sag mir was ich tun soll», wird abgelöst durch: «Lass mich in Ruhe, ich bin kein Kind mehr». Im Gehirn findet ein regelrechter «Umbau» statt. Pubertierende müssen sich stets wieder neu finden, die Selbstwahrnehmung wird grösser, Sexualhormone steigen an, körperliche Veränderungen beeinträchtigen das Wohlbefinden. «Wesentliche Themen mit denen Eltern wie Jugendarbeitende in der Begleitung konfrontiert werden sind das Aussehen, Mobbing, Gewalt oder auch Einsamkeit », sagte Brigitta Wyss. 50 Prozent der 11- bis 13-jährigen machen bereits eine Diät. Der relativ freie Zugang zu Pornos erschwert den Umgang mit Sexualität und führt teils zu einem regelrechten Leistungsdruck, dem junge Männer wie Frauen nicht gewachsen sind. «Körperliche und seelisch-geistige Reifung klaffen auseinander», fasste die Referentin den Zustand von Pubertierenden zusammen. Jugendliche können in dieser Phase schwer abschätzen, was handeln oder Worte bewirken. Nein sagen ist schwer, ausprobieren wichtig.

Sich selber bleiben
Brigitta Wyss sprach auch über die Rolle der Erwachsenen in dieser Phase. «Vertrauen haben, authentisch sein, sich selber bleiben», nannte sie als wesentliche Stichworte. In unserer Zeit gibt es viel weniger äussere Strukturen, die Halt geben, als noch vor einem oder zwei Jahrzehnten. Vorbilder sind wichtig, Personen, auf die Jugendliche sich verlassen können, die sie ernst- und annehmen. «Krisen entstehen, wenn Grundbedürfnisse des Menschen wie Bindung, Autonomie und Kontrolle oder Anerkennung nicht erfüllt sind», betonte Brigitte Wyss. Wer beispielsweise zu wenig Ankerkennung spüre, leide oft unter mangelndem Selbstwertgefühl. Optimal ist, wenn Jugendliche über ihre Probleme sprechen können. «Wenn das nicht gelingt, dann ist es an uns, dies an ihrem Verhalten zu erkennen», sagte die Psychologin. Indikatoren seien beispielswiese gesteigerte Aggressivität, Gewichtsverlust, Gesundheitsprobleme oder die Unfähigkeit, dem Gegenüber in die Augen zu schauen. Das Referat kann auf www.daju.ch herunter geladen werden.

Anhand von Fallbeispielen diskutierten die Teilnehmenden, ob und in welchen Krisen Jugendliche stecken. An den Tischen wurde intensiv diskutiert über die notwendigen Begleitungen und die Schwere der Krise.

Ohne «Jesus-Marmelade»
Wie kann die Jugendpastoral in Krisen unterstützend da sein? Franz Kreissl forderte in seinem Impuls dazu auf, «keine Jesus-Marmelade darüber zu streichen», sondern mit Hand und Fuss mitzugehen, erreichbar zu sein, zuzuhören um zu verstehen was ist. Er beschrieb damit ein pastorales Urbild, Jesus ging mit seinen Jüngern nach Emaus. Der Leiter des Pastoralamtes wünscht sich eine kirchliche Jugendarbeit, die junge Menschen im Licht der frohen Botschaft begleitet und ihnen vermittelt: «Du bist nicht allein». Keine Krise mindere die Zusage Gottes an uns Menschen. Franz Kreissl zitierte zum Schluss Augustinus: «Du kannst nie tiefer fallen als in Gottes Hand».
Bischof Markus Büchel dankte in seinem Schlusswort allen, die mit jungen Menschen auf dem Weg sind. Er lobte das Diözesanforum als Möglichkeit, einander Mut zu machen auf dem Weg und wesentliche Impulse zu erhalten.

(OriginalMitteilung, Autorin: Sabine Rüthemann, Bistum St.Gallen)

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