Kanton
21.03.2020
21.03.2020 16:35 Uhr

Italiens Gesundheits-Institut relativiert

Das Durchschnittsalter von 3405 Verstorbenen beträgt 79.5 Jahre. Total fünf waren unter 40 Jahre, alle bereits vor der Corona-Infektion krank. Das sagt Italiens oberstes Gesundheits-Institut.

Kein Land der Welt beklagte bisher mehr Todesopfer als Italien: Bis Freitag waren es 3405. Das nationale Gesundheitsinstitut zeigt nun in einer Studie auf, wer besonders gefährdet ist und hat dazu die vorhandenen klinischen Daten ausgewertet.

Was sagt diese tragische Statistik? Die Altersgruppe, welche deutlich am stärksten betroffen ist, sind die 80- bis 89-Jährigen. Das Durchschnittsalter der Verstorbenen liegt bei 79,5 Jahren. Von den unter 40-Jährigen, die am Coronavirus gestorben sind, ware alle bereits vor der Virusinfektion krank. Es handelt sich dabei um 5 Menschen.

"70 Prozent der Opfer sind Männer. 3 Personen von den 3405 starben offenbar ausschliesslich «am» Coronavirus - «ohne Wenn und Aber», wie die Italiener sagen. Alle anderen litten an mindestens einer schweren Vorerkrankung. Die Hälfte hatte drei oder mehr Krankheiten, die häufigsten waren: Bluthochdruck, Diabetes, Krebs, Herz- und Atembeschwerden." Das schreibt Oliver Meiler aus Rom im Tagesanzeiger.

Warum gerade Italien?

Warum es gerade Italien so stark trifft, dazu gebe es verschiedene Thesen. Ein Grund könnte demografisch sein: Die Bevölkerung von Italien gehört weltweit zu einer der ältesten. Grund zwei beschreibt Meiler im Tagesanzeiger so: "Das «Epizentrum» der Ausbreitung umfasst jene drei Regionen im Norden, die das wirtschaftliche und industrielle Herz des Landes bilden. Nirgendwo in Europa ist die Luftverschmutzung grösser. Viele ältere Bewohner leiden an Atemwegsbeschwerden. Und die Bevölkerungsdichte ist hoch: Ungefähr 40 Prozent der Italiener leben dort. Ein gefährlicher Mix."

Grund drei: In der jüngsten Finanz- und Wirtschaftskrise wurde im Gesundheitswesen radikal zusammengespart. Der hochverschuldete Staat habe Forschungszuschüsse im vergangenen Jahrzehnt um 21 Prozent gekürzt und viele brillante Wissenschaftler ans Ausland verloren. Die Corona-Krise traf das System im ungünstigsten Moment.

Grund vier: Italien war das erste Land, das Flüge aus und nach China verbot. Die Massnahme war nicht durchdacht: So reisten Passagiere aus China über Paris, Frankfurt und Zürich nach Italien ein - ungetestet!

Den Anweisungen folgen

Auch in der Schweiz gibt es Fakten, die man kennen sollte: Laut dem Bundesamt für Gesundheit sterben jedes Jahr durchschnittlich 1500 Menschen an einer Grippe, in einem starken Grippejahr 2500. Während der Grippesaison, über die in der Schweiz vom September 2018 bis zum April 2019 berichtet wurde, konsultierten hochgerechnet 209'200 Personen wegen einer grippeähnlichen Erkrankung den Arzt.

Diskussionslos: Die Schweizer Bevölkerung ist jetzt dazu aufgerufen, den angeordneten Massnahmen des Bundesrats Folge zu leisten. Der Staat tut sein Bestes, um die Corona-Epidemie in der Schweiz unter Kontrolle zu halten und eine Ausgangssperre fürs ganze Volk zu vermeiden. Er hat ein 42-Milliarden-Franken-Paket geschnürt, um Unternehmen zu unterstützen und eine Wirtschaftskrise zu verhindern. Unzählige Helfer sind im Einsatz, geben alles, um die Betroffenen zu unterstützen. Dafür sind wir sehr dankbar. Genauso wie für einen gut funktionierenden Staat, der Sicherheit vermittelt, für ausreichend Versorgung schaut und in besseren Zeiten für genügend finanzielle Ressourcen gesorgt hat.

Sibylle Marti, Linth24
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