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Essen & Trinken
30.03.2021

Genuss mit Dietiker: Abstecher nach Kopenhagen

Die dänische Hauptstadt ist definitiv ein attraktives Reiseziel mit zahlreichen Sehenswürdigkeiten wie das Schloss Amalienborg.
Die dänische Hauptstadt ist definitiv ein attraktives Reiseziel mit zahlreichen Sehenswürdigkeiten wie das Schloss Amalienborg. Bild: zvg
Nächste Woche werden Sie Kopenhagen noch nicht besuchen. Was sich aber in den letzten Jahren in der Gastronomie der dänischen Hauptstadt getan hat, ist schlicht verblüffend.

In der Stadt Kopenhagen leben etwas mehr als 600'000 Menschen, in der Grossaglomeration ca. 1,5 Millionen. Die Altstadt mit vielen charakteristischen roten Backsteingebäuden kann man bequem zu Fuss oder mit dem Velo (Kopenhagen ist eine Velostadt) erkunden. Gesehen haben muss man Schloss Amalienborg mit der täglichen Wachablösung-Zeremonie (12 Uhr), den runden Turm, den ein König erbauen liess, um auf seine Untertanen herabzusehen und die weltberühmte kleine Meerjungfrau, etwa eine halbe Spazierstunde vom Nyhavn entfernt. Am «neuen Hafen» mit seiner pittoresken Häuserzeile trinken die Leute vor und in den Restaurants kühles Bier oder Drinks; im Winter unter Strahlern und um Feueröfen Glühwein.

Imposant ist die königliche Bibliothek mit der kühnen Glas-Beton-Konstruktion am Wasser, nahtlos verbunden mit den Lesesälen im historischen Teil mit dem idyllischen Garten mit Teich.

Nordic Cuisine

Das «Noma» mag zwar die Nummer eins der Stadt oder sogar der Welt sein, wird jedoch auch preislich nicht so rasch zu übertreffen sein. Der Trendsetter ist aber nicht allein mit seinem Konzept der regional geprägten, puristischen Küche. Wer sein Glück im «Noma» versuchen will, sollte früh aufstehen. Nur vereinzelt sind jeweils Plätze am Shared Table zu ergattern. Knapp 350 Franken für das Menü ohne Getränke muss man pro Kopf rechnen.

Ein Must in Kopenhagen: Der Spaziergang zur kleinen Meerjungfrau. Bild: zvg

Viele andere Etablissements setzen ebenfalls auf das, was die Ostsee, was die dänischen Wälder, Felder und Zuchten hergeben, verzichten auf die französische Grande Cuisine, lassen Fleischjus und Gänseleber weg.

Anders als in Frankreich und in der Schweiz

 Schlichte Holztische, gut gelaunte Kellner, leger gekleidete Gäste. Jene vertiefte Feierlichkeit, wie sie in manchen grossen Restaurants Frankreichs und der Schweiz angetroffen wird, ist den Dänen fremd. Auch bei der Getränkebegleitung müssen Kopenhagen-Besucher umdenken, denn schwere Rotweine und Barrique-Weisse passen eher nicht zur leichten, aromatischen Nordic Cuisine.

Also bestellten wir zum 6-Gang-Menu im Amass, einem ebenfalls von Michelin geadelten Restaurant, eine Flasche Sancerre – selbstverständlich aus biologischem Anbau. Die servierten Gerichte waren frisch, einheimisch und kreativ. In Öl/Essig marinierter Zander mit dezentem Muskat- und Kürbis-Geschmack, butterzarten Tintenfisch aus dem Steamer mit einem Hauch von Meerrettich, geröstete Randen mit Walnussmousse und Rosenblätter, frisch vor dem Haus geräucherter Pollack mit Hollandaise und fermentiertem Federkohl. Dazu frisches dänisches Brot und Chips aus Nebenprodukten der Brotproduktion und zum Abschluss Randen/Kaffeeglacé mit glaciertem Kaffeeöl und gerösteten Holunderblüten.

Ein leckeres Randengericht im Top-Restaurant Amass. Bild: zvg

Smørrebrød und mehr

Smørrebrød ist das Nationalgericht der Dänen für den Hunger zwischendurch. Dünn geschnittene Brotscheiben mit gesalzener Butter bestrichen, als Belag Fische (u.a. Hering), aber auch Krabben oder Kaviar, Käse, Wurst, Pastete oder Fleisch. Garniert wird mit gekochtem oder gebratenem Ei, rohem Eigelb, frischem, gekochtem oder eingemachtem Gemüse, Salat, Obst, Küchenkräutern und verschiedenen Saucen, wie Mayonnaise oder Remoulade.

Die besten Smørrebrød kriegt man in der Nähe des Wasserschlosses Rosenborg im Aamanns (Oester Fartimagsgade 12), nämlich mit Roggenbrot, wunderbar belegt bis hin zum zarten Ribeye.

4-Gang-Menu unter 60 Franken

Abends assen wir auch vorzüglich im Cofoco Vaekst (Sankt Peters Strande 34) mit einem 4- Gang-Menu unter 60 Franken, wozu uns ein eleganter Pinot noir aus dem Burgund mundete. Im Maple (Vesterbrogade 24) wurden wir mit einer Artischokencrème-Suppe, Tuna auf hausgemachten Tortilla Chips und Ahorn marinierten Spare Ribs resp. Roastbeef, perfekt nach unserem Wunsch medium to rare gebraten, verwöhnt. Dazu richtig schöne, schlanke und knusprige Pommes, wie ich sie schon lange nicht mehr serviert bekommen habe.

Vorzügliche Fleischgerichte im «Maple». Bild: zvg

Shopping und mehr

Zugegeben, Kopenhagen ist keine Billigmeile. Aber trotzdem ein Einkaufsparadies. Neben den vielen Boutiquen und Markenshops gibt es tolle Secondhand-Läden für junge Einkäuferinnen. Und den schönen, alten Teeladen Perch’s (Kronprinsensgade 5) – natürlich königlicher Hoflieferant – sollten Sie nicht verpassen.

Und dann gibt es noch Christiania, die weltbekannte «Freakfreistadt» mit dem Cannabis-Markt zum Eintauchen in eine völlig andere Welt...

Und ein letzter Tipp: Nehmen Sie sich vor dem Abflug zwei oder drei Stunden Zeit für das Ozeaneum (eine Metrostation vor dem dem Airport). Der «Blaue Planet» (direkt am Meer) beeindruckt mit einem Riesenaquarium mit Haien, Rochen, Riesenschildkröten, Fischottern ebenso wie mit lebensnahen Korallenriffen und interessanten Kleinaquarien.

  • Ein Bijous für Teeliebhaber. Bild: zvg
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  • Eindrucksvolle Aquarien im Ozeaneum neben dem Kopenhagener Flughafen Kastrup. Bild: zvg
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Hansjörg Dietiker, Linth24