Linthgebiet
04.02.2020
04.02.2020 22:13 Uhr

Wahl20: Wenn Petra tobt

Eine Frau hat den Wahlkampf im Linthgebiet kräftig durchgeschüttelt. Der Orkan «Petra» zerhudelte manches Kandidaten-Plakat. Nur wenige hielten stand. Fast wie in der Politik. Eine Text-Bild-Glosse.

Vom Winde verweht, war dieses Mal keine epische Südstaaten-Saga sondern eine kurze Nacht-Episode auch am östlichen Ende des Zürichsees.

Mit Autobahngeschwindigkeit ist Petra über das Linthgebiet hinweggefegt. Summarisch kann festgehalten werden: Die Grünen und Linken hielten bei diesem Klimaereignis am besten dagegen. Die Bürgerlichen stehen eher schief im Wind und die SVP ist bei diesem Thema sowieso komplett abwesend.

Clever nutzten die Grünen das Gelände gegen den tobenden Sturm aus. Ihre Plakate schmiegten sich an die Bahnstrassen und überstanden in ihrem Windschatten den Orkan.

Für die FDP erwies sich ihre offensive Nähe zur Industrie als Nachteil. Ihre Plakate beim Gewerbegelände Buch fielen gleich komplett um.

Demgegenüber zeigte sich der Stadtpräsident von Rapperswil-Jona für einmal standhaft. Ob das aus eigenem Antrieb geschieht oder dank der beiden starken Männer an seiner Seite, bleibt offen. Jeder Vergleich mit der realen Politik ist natürlich rein zufällig.

Zwischen Grün und FDP siedeln sich bekanntlich die Grünliberalen an. Sogar im Sturm fanden sie den Kompromiss. Die jungen Frauen standen ihren Mann. Gleichzeitig opferten sie ihren Kollegen zugunsten eines transparenten Blicks auf das Linthgebiet.

An anderen Orten drehte es die Hälfte der Grünliberalen um die eigene Achse. Ein Zustand, den die Partei aus dem richtigen politischen Leben bestens kennt.

Ganz schlecht sieht es für die CVP aus. Plakat-technisch. Ihre Kandidaten wurden flachgelegt, kritisch beäugt von der SP, die im Hintergrund Standhaft blieb.

Bei der SP gibt es allerdings ein anderes Problem. Dieses Mal nicht ein klimatechnisches, sondern ein geschlechterspezifisches. Die Partei mit einer separaten Männer- und einer separaten Frauenliste hat es noch nicht geschafft, bei drei Plakaten einen 1:1 Ausgleich zwischen den Geschlechtern herzustellen. Ausser mann/man/frau/es/sie/er* bezieht die LGBT-Thematik ein. Aber einfach ist das nun wirklich nicht.

Zurück zur CVP, der manches Plakat um die Ohren geblasen wurde. Da fällt die überragende und zwiespältige Rolle von Yvonne Suter auf. Als Kantonsratskandidatin – Achtung «Bisherige» - liess sie sich nicht zerfetzen. Im Gegensatz zu ihren Mitbewerbern, die ihm Niemandland der Winde verschwanden.

Aber im Gegensatz zu den properen Regierungsrats-Kandidaten der FDP hängt die Nicht-Regierungskandidatin Suter etwas windschied in der Luft.

Vielleicht wäre es angesichts des Klimawandels aber auch Zeit die Plakate ad acta zu legen. Internetporträts und gute Aktionen können von keinem Sturm zerfetzt werden.

Und eine ewige Weissheit zeigte sich auch in dieser Nacht. Die Fasnacht wird nicht so schnell umgehauen.

Text: Mario Aldrovandi, Fotos: Bruno Hug
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