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23.02.2021

Immobilienfirmen leiden wenig unter Krise

Schweizer Immobilienfirmen leiden bislang wenig unter der Krise. Mit ihren Mietern, die oft schlechter durch die Pandemie kommen, suchen sie das Gespräch. Im Bild das neue Geschäftsgebäude Atmos von PSP Swiss Property in Zürich-West. (Symbolbild) Bild: KEYSTONE/OBS/PSP SWISS PROPERTY
Immobilien – Bislang scheint die Pandemie die Schweizer Immobilienfirmen nur wenig beeinträchtigt zu haben. Das zeigen die ersten Jahresabschlüsse der Gesellschaften.

PSP Swiss Property zum Beispiel verbuchte zwar 2020 einen Rückgang beim Reingewinn um 36 Prozent auf 292,1 Millionen Franken, wie das Unternehmen am Dienstag anlässlich des Jahresergebnisses mitteilte. Doch geschuldet ist dies nicht Covid-19, sondern Sonderfaktoren aus dem Jahr 2019, die 2020 nicht mehr angefallen sind.

2019 konnte der zweitgrösste börsenkotierte Schweizer Immobilienkonzern noch von der Auflösung latenter Steuern, Verkaufserfolgen und einer ausserordentlichen Portfolioaufwertung profitieren.

Bereinigt stieg der Gewinn hingegen leicht. Basis dafür waren leicht höhere Mieteinnahmen. Für das laufende Jahr gibt sich PSP zuversichtlich und erhöht die Ertragsprognosen. Und die Aktionäre sollen schon jetzt eine leicht höhere Dividende erhalten.

Auch 2021 Einbussen zu erwarten

Die Mieterlasse, die PSP Swiss Property im vergangenen Jahr erfasst hat, halten sich mit 4,6 Millionen Franken ebenfalls in Grenzen. Der Stand des Mietinkassos belief sich Ende 2020 auf hohe 97 Prozent und die durch den Lockdown bedingten offenen Mietzinsforderungen betrugen 5,4 Millionen Franken.

2020 habe es wegen Covid-19 keine nennenswerte Auszüge oder Konkursfälle gegeben, sagte der CEO Konzernchef Giacomo Balzarini an der virtuellen Bilanzmedienkonferenz. "Das ist unwesentlich." PSP erzielte 2020 Mieteinnahmen von 296 Millionen Franken.

Im laufenden Jahr geht PSP von einem Betrag in ähnlicher Höhe aus. PSP führe mit allen betroffenen Mietern individuelle und konstruktive Gespräche. Dabei äusserte sich der CEO gegen die Unterstützung durch Dritte, wie es das in den Städten Basel oder Zürich angewandte Drittelsmodell vorsieht.

Mit dem Modell sollen die Vermieter einen Anreiz erhalten, ihrer Mieterschaft beim Mietzins entgegenzukommen: Wenn die Mieter nur noch einen Drittel des Mietzinses zahlen müssen, übernimmt etwa die Stadt Zürich den zweiten Drittel des Nettomietzinses in der Höhe von maximal 8'333 Franken pro Monatsmiete. Das dritte Drittel übernehmen die Vermieter.

Gespräch wird gesucht

Ähnlich tönt es bei den Mitbewerbern, die trotz Covid höhere Gewinne verbuchten. Mobimo hat "eine Vielzahl von Mieterinnen und Mietern proaktiv und im Umfang von 6,5 Millionen Franken unterstützt". Man sei seit November mit vom neuerlichen Lockdown betroffenen Mietern im Gespräch und habe als erste Massnahme die Stundung angeboten. Eine Prognose über die möglichen Mietzinserlasse im Jahr 2021 wollte Mobimo nicht abgeben.

Bei der stark auf Wohnungen fokussierten Novavest hiess es ebenfalls, man habe mit verschiedenen Gewerbemietern frühzeitig das Gespräch gesucht und individuelle Lösungen wie temporäre Mietzinsreduktionen oder Mietzinsstundungen erarbeitet. Dies habe zu einer Reduktion bei den Mietzinseinnahmen von 0,4 Millionen Franken oder 1,4 Prozent der Soll-Mieterträge geführt.

Im letzten Jahr wurde heftig darüber diskutiert, ob und wie stark der Staat in private Verträge wie Mietverhältnisse eingreifen soll. Das vom Bundesrat erarbeitete Covid-19-Geschäftsmietengesetz wurde im Dezember vom Parlament im Dezember aber versenkt. Dieses hatte vorgesehen, dass von einer Geschäftsschliessung oder von starken Einschränkungen betroffene Mieterinnen und Mieter nur 40 Prozent der Miete bezahlen müssen.

Die restlichen 60 Prozent hätte von den Vermietern übernommen werden müssen. Mit dem neuerlichen Lockdown im Januar hat sich die Lage für viele Mieter wieder deutlich verschärft. Ihnen soll nun aber mit der Lockerung der Härtefallregel, die rasch Gelder für mehr Betriebe vorsieht, geholfen werden.

Keystone-SDA