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Gesundheit
18.02.2021
18.02.2021 19:18 Uhr

«Beim Pflegepersonal herrscht Verunsicherung»

Dr. med. Karin Faisst, Leiterin des St.Galler Amtes für Gesundheitsvorsorge
In den St.Galler Altersheimen haben sich zwar 70 Prozent aller Bewohner impfen lassen. Vom Pflegepersonal erst aber 10 bis 40 Prozent – je nach Institution. Warum nur so wenige?

Der Kanton hat die Impfaktion in den Betagten- und Pflegeheimen am 6. Januar 2021 gestartet. Sie verlief dank der Zusammenarbeit mit den Heimen und der niedergelassenen Ärzteschaft sowie den eingespielten mobilen Impfteams sehr speditiv, heisst es in einer Medienmitteilung. Innerhalb von sechs Wochen haben die mobilen Impfteams 8’892 Dosen verimpft.

Weniger Corona-Fälle seit Impfbeginn

Die Impfung werde gut vertragen, abgesehen von den bekannten Nebenwirkungen wie lokale Reaktionen um die Einstichstelle oder Kopfschmerzen. In einem Heim kam es zu einem nicht näher spezifizierten Zwischenfall. Die Person wurde zur Überwachung ins Spital gebracht und konnte dieses einige Stunden später wieder verlassen.

Die hohe Impfbeteiligung bei den Bewohnern - fast drei Viertel - sei sehr erfreulich, denn bei geimpften Personen ist das Erkrankungsrisiko und die Wahrscheinlichkeit für schwere Verläufe deutlich kleiner. In den letzten Tagen seien die Fallzahlen und die Todesfälle in den Alters- und Pflegeheimen denn auch merklich zurückgegangen, so der Kanton weiter.

Pflegepersonal ist verunsichert

Die Impfbeteiligung bei den Bewohnern beträgt rund 70 Prozent. Beim Personal liegt die Beteiligung je nach Institution aber nur zwischen zehn und 40 Prozent.

stgallen24 hat bei Präventivmedizinerin Karin Faisst nachgefragt. Faisst leitet das St.Galler Amt für Gesundheitsvorsorge. Warum ist die Impfbeteiligung beim Pflegepersonal so gering? «Man weiss, dass sich jeweils etwa 30 bis 50 Prozent des Pflegepersonals gegen eine Grippe impfen lässt. Jetzt wurde mit einer ganz neuen Impfung gestartet. In den Pflege- und Betagtenheimen sind vermehrt auch jüngere Angestellte, die zurückhaltend sind und nicht bei den Ersten sein wollen, die geimpft werden.» Ebenfalls könne man eine gewisse Verunsicherungen aufgrund von Medienberichten verzeichnen. «Deshalb entspricht der Wert von zehn bis 40 Prozent etwa unserer Erwartung.» Konsequenzen gebe es für das Personal, dass sich nicht impfen lassen will, keine.

Der Kanton will die zweite Impfung in den Heimen bis Mitte März abschliessen.

Der stgallen24-Senf dazu

Eigentlich gibt man in St.Gallen nur ungerne Senf dazu. Wir machen es in unseren Kommentaren trotzdem.

Der Kanton St.Gallen hat bereits alle impfwilligen Bewohner seiner 120 Alters- oder Pflegeheims geimpft. 70 Prozent aller Bewohner gehören zu diesen «Impfwilligen». Das ist erfreulich.

Weniger erfreulich ist, dass sich nur gerade zehn bis 40 Prozent aller Pflegekräfte haben impfen lassen. Es gibt also Institutionen, in denen nur jede zehnte Pflegekraft geimpft ist!

Woran liegts, dass ausgerechnet die, die eigentlich die Ersten in der Schlange der Impfwilligen sein sollten, sich grossmehrheitlich verweigern? Präventivmedizinerin Karin Faisst begründet dies etwas vage mit einer «Verunsicherung», die beim Pflegepersonal herrsche – und verneint Konsequenzen für Impfverweigerer.

Da fragt man sich, ob der Kanton seine Hausaufgaben richtig gemacht hat, wenn es ihm nicht einmal gelingt, seine eigenen Leute von der Wichtigkeit einer Impfung zu überzeugen. Nota bene die Angestellten, die am ehesten das Chinavirus in die Heime schleppen könnten.

Wenn es der Kanton nicht einmal schafft, die wichtigste Impf-Zielgruppe mit ins Boot zu holen: Wie will er dann den Rest der Bevölkerung für eine Impfung begeistern? Hier muss dringend nachgebessert werden, damit die Impfquote des Heimpersonals zumindest jene der -bewohner erreicht. Aus Solidarität zu den Letzteren – und als Vorbild für den Rest der Bevölkerung.

Linth24