Home Gemeinden In-/Ausland Sport Magazin Agenda
Gemeinden
21.02.2021
12.02.2021 10:22 Uhr

«Es kann und darf keine unpolitischen Kirchen geben»

Nach der Abstimmung zur KVI soll eine bürgerliche Motion den Kirchen politische Neutralität vorschreiben. Bild: Linth24
Kirchen im Linthgebiet finden, dass es die Stimme der Kirche in der Politik unbedingt braucht, jedoch darf sie sich dabei nicht vor den Karren von Parteien spannen lassen.

Viele Kirchen sprachen sich für ein «Ja» bei der Abstimmung um die Konzernverantwortungsinitiative aus. Das sorgte für Kritik. Die Konzernverantwortung hallt nach, darum kam es zu einer bürgerlichen Motion, die den öffentlich-rechtlichen Kirchen politische Neutralität vorschreiben soll. Linth24 hörte sich im Linthgebiet um, wie die Kirchen zu dieser Motion stehen.

Heimat für alle

«Ein Christ muss auch politisch Stellung beziehen», sagt Jörn Schlede vom Evangelischen Pfarramt Weesen-Amden-Riet, «allerdings nicht für oder gegen eine Partei und deren Wähler an sich. Es geht um ein Engagement in der Grundfrage: Was dient dem Menschen?» Von daher könne es auch sein, dass man aus christlicher Sicht einmal ein Votum von links und das nächste Mal eines von rechts befürworten könne, erläutert Schlede. Eine Kirche könne gewiss keine SVP-Kirche oder Grünen-Kirche sein, sie soll Heimat für alle bieten, meint der Pfarrer.

Für Einheit sorgen

Auch Robert Schätzle von der Katholischen Kirche Rapperswil-Jona sieht das gleich: «Ein parteipolitisches Engagement passt nicht zur Kirche. Parteipolitik spaltet ihrer Natur nach, die Kirche soll aber für Einheit sorgen. Deshalb muss die Kirche Werte vertreten und dafür auch öffentlich werben.» Sich vor den Karren von Parteien, politischen Initiativen oder Komitees spannen lassen dürfe die Kirche aber nicht, erklärt Pfarreibeauftragter Schätzle. «Das ist im katholischen Kirchenrecht selbst so geregelt, dafür braucht es keine weiteren Verordnungen oder Gesetze.»

Neutral bleiben

«Für uns als Kirchgemeinde ist es wichtig neutral zu bleiben», sagt Ueli Schläpfer, Kirchgemeindeschreiber der Evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Rapperswil-Jona. Das heisst keine Abstimmungsparolen und keine Plakate. In der Kirchgemeinde gebe es ein breites Meinungsspektrum und niemand soll aufgrund einer anderen Meinung ausgeschlossen sein, so Schläpfer. «Unsere Aufgabe ist zu vereinen und Werte zu repräsentieren. Das heisst aber nicht, dass die Kirche keine christliche Reflexion über kontroverse Themen führen und ihre Ansichten vertreten darf», meint der Kirchgemeindeschreiber.

«Ein Christ muss auch politisch Stellung beziehen.»
Jörn Schlede vom Evangelischen Pfarramt Weesen-Amden-Riet

Die Botschaft Jesu sei nie unpolitisch, schreibt Robert Schätzle, da sie den Menschen zum Einsatz für die Schwachen, Armen, Kranken, Unterdrückten und für die Schöpfung verpflichte. Dafür haben sich die Kirchen schon immer eingesetzt, ergänzt Ueli Schläpfer. Jörn Schlede unterstützt diese Aussagen: «Die Texte der Bibel sind hochpolitisch, gerade wenn es darum geht, die Schwachen zu stärken und sich gegen Politiker zu wenden, die das Recht der Schwachen mit den Füssen treten.»

Verweis auf die Vergangenheit

Jörn Schlede verweist zudem noch auf die Geschichte: «Auch die bekennende Kirche im Nationalsozialismus hat sich bewusst dagegengestellt, dass der Staat die Kirche mundtot machen und sie zur Neutralität verpflichten wollte. Namen wie Dietrich Bonhoeffer, Martin Niemöller oder auch die kirchlich engagierten Geschwister Scholl begründeten ihr politisches Engagement mit ihrem christlichen Glauben: ‘Was würde Jesus dazu sagen?’»

Die Vergangenheit kennt man, die Zukunft wird sich noch herausstellen. Für Pfarrer Schlede ist klar: «Es kann und darf keine unpolitische Kirche geben, sie ist nach meinem Verständnis eine (von mehreren) Stimme(n) in einer Gesellschaft, die das Gewissen prägen.»

Linda Barberi, Linth24