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21.01.2021
21.01.2021 06:31 Uhr

Peter Marvey erinnert sich an seinen Freund Siegfried

Peter Marvey (r.) erinnert sich an gemeinsame Zeiten mit Siegfried Fischbacher. Bild: zvg
Nur acht Monate nach Roy ist jetzt auch der weltbekannte Magier Siegfried verstorben. Der Feusisberger Peter Marvey war mit ihm befreundet und erinnert sich an ihn.

Sie waren die wohl bekanntesten Magier der Welt: Siegfried & Roy. Die beiden Deutschen traten mit ihren weissen Tigern und Löwen über 20 Jahre lang in Las Vegas auf. 2003 mussten sie ihre Karriere beenden, da Roy Horn während einer Show von einem Tiger angegriffen und schwer verletzt wurde. Horn starb am 8. Mai 2020 im Alter von 76 Jahren, Siegfried Fischbacher am 13. Januar mit 81 Jahren.

In Puerto Rico getroffen

Einer, der die beiden Magier privat kannte, ist der Feusisberger Peter Marvey. In einem an die Medien verschickten Nachruf erinnert sich der Illusionist an gemeinsame Erlebnisse. «Siegfried wurde für mich so etwas wie der grosse Bruder. Besser kennen lernte ich ihn aber erst nach dem tragischen Unfall von Roy, im Jahr 2008.»  Es hatte sich herumgesprochen, dass Marvey in Puerto Rico die Fliegende Kutsche zeigte. Siegfried reiste dafür auf die Karibikinsel und besuchte die Show – erst inkognito, am zweiten Abend dann als Siegfried. «Es war seine erste Reise alleine, ohne Roy, ohne Angestellte, ohne Team. Für ihn eine ganz neue Erfahrung. Vielleicht war es auch die erste Reise zu sich selbst. Nachdem er sich über Jahre immer um Roy kümmern musste. Nun wollte er eben selber Auto fahren, ohne Chauffeur. Er wollte lernen, wie man das Auto tankt, einkauft, all die normalen Dinge eben, welche über Jahrzehnte seine Entourage ausgeführt hatte.» 

Sie hätten sich auf Anhieb prächtig verstanden. «Er war witzig und erzählte unglaubliche, aber auch sehr lustige Geschichten und Anekdoten aus seinem Leben. Und er hatte immer einen Spruch auf Lager. Im Foyer nach der Show schnappte er sich gleich mal meine  Flamme Vivi und tanzte mit ihr übers Parkett – Salsa natürlich. Zusammen fuhren wir durch San Juan, wir assen aus einem Teller, hatten Spass und schlenderten durch ‹Old San Juan›. Er erzählte von vergangenen wilden Zeiten, wie er und Roy vor vielen Jahren mit den Tigern an die Strände von Puerto Rico baden gingen», erinnert sich Peter Marvey an die erste Begegnung.

«Er wollte immer Leberli essen»

«Mehrere Male besuchte er mich zu Hause in Feusisberg im Magic-House und ich ihn in Las Vegas. Bei mir wollte er immer Leberli essen. Das bekam er in den USA nicht und erinnerte ihn an seine Kindheit im deutschen Rosenheim. Einmal sagte er: ‹Peter, ich beneide dich. Du kannst auftreten, wo und wann du willst, und bist niemandem Rechenschaft schuldig›. Da war ich sprachlos, träumt doch jeder Illusionist von einer Mega-Show in Las Vegas, wie Siegfried & Roy sie hatten. Dieser Traum ging für Siegfried & Roy zwar in Erfüllung, aber es war auch härteste Arbeit ohne Pause, über Jahrzehnte. Nur die Show zählte. Und als sie sich nach vielen Jahren erstmals einen, dann zwei Freitage pro Woche aushandeln konnten, wussten die beiden nicht, was sie mit ihrer Freizeit anfangen sollten», so Marvey.

Unvergesslich bleibt für ihn auch der letzte Bühnenauftritt von Siegfried & Roy 2009 im Casino Bellagio in Las Vegas, ein Benefiz-Anlass für eine Hirnklinik in den Staaten: «Siegfried bat mich, auszuhelfen und eine meiner Illusionen auszuleihen. Vor dem Auftritt waren wir alle in der Garderobe, Roy war gezeichnet vom Unfall, aber unbeugbar und mit Schalk. Und Sigi – wie ich ihn nannte – rauchte mal wieder zu viel. Es ging dann plötzlich nicht mehr nur um die Illusion, sondern auch darum, zu schauen, dass die Presse und geladenen Gäste, welche plötzlich hinter die Bühne stürmten, den Tigern nicht in die Quere kommen. Siegfried war natürlich sehr nervös, und ich schaute, dass ich alles aus dem Weg räumen konnte, worüber er sich hätte aufregen können.»

Die grossen Entscheide habe Siegfried nie wirklich bewusst abgewägt, sie passierten einfach. «‹It was destiny› sagte er oft, denn Englisch sprach er inzwischen besser als Deutsch. Und darin lag wohl eine unserer grössten Gemeinsamkeiten», so Marvey und hält fest: «Zusammen mit Roy hatte er nicht nur Las Vegas nachhaltig verändert, sondern auch die Magie.»

Irene Lustenberger, Linth24/Höfe24