Linthgebiet
06.12.2019
13.12.2019 17:56 Uhr

CHANDIRAMANIS BÖRSENWOCHE NR. 47

Ein Wiederaufflackern des Handelskonflikts, der Generalstreik in Frankreich und andere geopolitische Probleme schickten die Aktienkurse zu Wochenbeginn in den Keller. Später haben sich die Preise wieder erholt und mäniglich griff zu.

Eine Neuauflage des Handelskriegs hat zu Wochenbeginn den Aktienmärkten spürbar zugesetzt. Die Rede war von neuen Strafzöllen der USA gegen lateinamerikanische Staaten, und vor allem auch gegen Frankreich wegen Plänen zur Einführung einer neuen Digitalsteuer. Diese würde vor allem amerikanische Internetkonzerne treffen. US-Präsident überlegt sich auch neue Sanktionen gegen China wegen schlechter Behandlung von Minderheiten, speziell der Uiguren. Präsident Trump steht selbst unter Druck, die Republikaner und das US-Repräsentantenhaus haben das Verfahren zu Amtsenthebung definitiv eingeleitet.

Frankreich hat grosse hausgemachte Probleme, nicht nur leere Staatskassen. Am Donnerstag wurde zum Generalstreik aufgerufen. Bekämpft wird die Rentenreform, Präsident Macron hat einen schweren Stand. Schon vor Monaten hatten die protestierenden «Gelbwesten» eine Preiserhöhung auf Treibstoffen verhindert.

In Bezug auf den voraussichtlich weltgrössten Börsengang des saudischen Ölkonzerns Aramco steht der Ausgabepreis jetzt fest. Die Aktien des Ölgiganten kommen zu je 32 Rial - umgerechnet etwa 8.50 Dollar zur Platzierung, am oberen Rand der Erwartungen. Damit würde das Unternehmen mit 1.7 Billionen Dollar bewertet, zwar etwas weniger hoch als ursprünglich geschätzt.

Strafermittlungsbehörden haben den Rohstoffkonzern Glencore informiert, dass sie Ermittlungen wegen des Verdachts auf Bestechung aufgenommen habe, dies teilte das Unternehmen am Donnerstag mit. Details sind noch keine bekannt. Die Glencore-Aktie sackte an der Londoner Börse um rund 7.5 Prozent ab.

Die Finanzmarktaufsicht (Finma) muss sich nach einem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts erneut mit dem milliardenschweren Geldwäschereifall der Banca della Svizzera Italiana (EFG-Tochtergesellschaft) befassen. Kritik äussert das Gericht an der Art und Weise, wie der von der Bank eingezogene Gewinn (CHF 95 Mio.) kalkuliert wurde. Die BSI hatte laut Finma in den Jahren 2011 bis 2015 im Zusammenhang mit dem Korruptionsfall des malaysischen Staatsfonds mehrfach gegen das Geldwäschereigesetz verstossen.

Neue Hoffnung gibt es für den konkurs-gefährdeten Luzerner Stahlkonzern Schmolz+Bickenbach. Auf einer a.o. Generalversammlung am Montag haben sich die beiden Grossaktionäre Martin Haefner und der russische Investors Viktor Vekselberg auf einen Kompromiss bei der Kapitalerhöhung geeinigt. Dem Unternehmen sollen mindestens 325 Millionen Schweizer Franken zufliessen.

Auch sonst hat sich die Schweizer Börse nach einem Kaltstart zu Wochenbeginn wieder erholt. Bis Freitagmittag erreichte der Schweizer Börsenindex  SMI wiederum über 10‘400 Punkte. Positiv entwickelte sich der Aktienkurs der Swiss Re. Der Rückversicherer verkaufte die britische Tochter ReAssure für 4.3 Milliarden Franken an die ebenfalls britische Phoenix Group und erhält hier einen Verwaltungsratssitz. Verloren hat hingegen der Aktienkurs des Flughafens Zürich. Britische Aktienfonds haben 1.7 Millionen Aktien oder Anteile von 5.6 Prozent des Aktienkapitals verkauft. Die Aktien wurden in einem Bieterverfahren zu CH 167 Franken platziert (5 Prozent billiger als der Vortageskurs).

Aussichten

Gemäss Pressemeldungen verlangt die ZKB neuerdings Strafzinsen von ihren Kunden mit über CHF 100‘000 auf dem Konto. Die Hemmungen zahlreicher Banken nehmen zunehmend ab, auch den Kleinsparern die Negativzinsen der Nationalbank weiter zu belasten. Das ist eine mehr oder weniger gesichtete Tendenz für das Jahr 2020, d.h. die Fortsetzung der Tiefzinsphase.

Sonst sind Börsenprognosen genauso so schwierig wie langfristige Devisen- oder Wetteraussichten. Massgebend werden hier die Gewinnentwicklung der Unternehmungen sein, die Dividendenpolitik, ein absehbares Ende des internationalen Handelskonflikts, die Entwicklung der globalen Wirtschaft, speziell in Asien sowie das Zustandekommen einen geordneten Brexits im Januar und zuletzt auch das Schicksal des US-Präsidenten - Absetzung oder eine weitere vierjährige Amtsperiode nach den Wahlen im Herbst 2020.

Christopher Chandiramani, Börsenanalyst und freier Mitarbeiter Linth24
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