Home Gemeinden In-/Ausland Sport Magazin Agenda
Magazin
16.09.2020

«Schlagende» Mutter wird freigesprochen

Das Bezirksgericht Höfe sprach die Angeklagte frei, zumal es keine Sachbeweise wie Spuren oder Arztberichte gibt.
Das Bezirksgericht Höfe sprach eine Mutter frei, die ihre zwei Kinder mehrfach geschlagen haben soll. Juristische Feinheiten und die familiäre Situation spielten eine wesentliche Rolle.

Letzte Woche stand eine Mutter vor dem Bezirksgericht Höfe. Sie soll ihre damals drei- und fünfjährigen Kinder zur Strafe kalt abgeduscht, an den Schläfenhaaren gezogen, mit der flachen Hand auf den Hinterkopf und auf die Hand sowie mit dem Teppichklopfer geschlagen haben. Sichtbare Spuren hat dies zwar nicht hinterlassen, dennoch musste sie sich wegen «mehrfachen wiederholten Tätlichkeiten» verantworten und sollte dafür gemäss Staatsanwaltschaft Höfe Einsiedeln eine Busse von 1'500 Franken zahlen.

Bei der Einvernahme versicherte die Mutter – die mit einem Anwalt erschien –, dass sie dies alles nicht getan habe. Auf der Gegenseite standen als Zeugen der damalige Partner und Vater der Kinder, dessen Mutter sowie eine gemeinsame Freundin. Sie alle schilderten die Vorkommnisse mehr oder weniger identisch. Sie dramatisierten zwar nicht, machten aber auf die deutliche Überforderung der Mutter – «es war kaum auszuhalten» – aufmerksam.

Klage bloss Retourkutsche?

Da stellt sich die Frage, warum diese offensichtlich nicht schweren Verfehlungen überhaupt bis ans Gericht getragen wurden. Dabei wurde im Laufe der Verhandlung klar,dass eine zerrüttete Situation dahinter steckt. Die Partnerin und Mutter sei nämlich «abgehauen», wie es ihr Ex ausdrückt. Heute lebt sie in der Innerschweiz, die Kinder sind alle zwei Wochen beim Vater in den Höfen.

Pikant bei der zeitlichen Abfolge ist, dass der Vater die Mutter wegen der Tätlichkeiten anklagte, nachdem er gerademal zwei Tage zuvor selber von ihr wegen häuslicher Gewalt verklagt wurde. Dieser Fall wird dann Ende Monat verhandelt. Die Aufgabe der Einzelrichterin war es nun herauszufinden, was an den geäusserten Vorwürfen wirklich dran ist – denn nur dies stand zur Debatte.

Nicht wiederholt und systematisch

An der anschliessenden Urteilsverkündung wies die Einzelrichterin auf andere menschliche und juristische Feinheiten hin. So sei der Partner/Vater als Zeuge wenig glaubwürdig gewesen, seine Mutter und die Kollegin hingegen schon. In deren Aussagen sei jedoch zum Ausdruck gekommen, dass es sich nicht um wiederholtes und systematisches Vorgehen gehandelt habe. 

Die Mutter wird deshalb freigesprochen, zumal es keine Sachbeweise wie Spuren oder Arztberichte gibt. Sie erhält knapp 5'200 Franken Entschädigung, die Kosten trägt der Staat. Natürlich kann das Urteil vom Kläger und vom Staatsanwalt weitergezogen werden – die unschöne Familiengeschichte wird allerdings so oder so noch kein Ende finden.

Andreas Knobel, Höfe24/Linth24