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Osakas Kampf mit den Erwartungen

Ungeliebtes Übel: die schüchterne Naomi Osaka mag Medienkonferenzen gar nicht
Ungeliebtes Übel: die schüchterne Naomi Osaka mag Medienkonferenzen gar nicht Bild: KEYSTONE/AP/Tracey Nearmy
Australian Open – Ein Achtelfinal zwischen Weltnummer 1 Ashleigh Barty und Titelverteidigerin Naomi Osaka wäre ein vorweggenommener Final gewesen. Osaka sucht aber noch den richtigen Umgang mit den Erwartungen.

Noch im letzten Jahr war Naomi Osaka eine Getriebene mit geschundener Seele. Trotz vier Grand-Slam-Titeln fand die 24-jährige Japanerin den richtigen Umgang mit dem Druck eines globalen Superstars nicht. Die Auftritte in der Öffentlichkeit - vor allem neben dem Tennisplatz - belasteten sie so sehr, dass sie mit psychischen Problemen eine Auszeit nehmen musste.

In Australien präsentierte sich eine andere Naomi Osaka, das zeigte sich gerade in der Niederlage wie am Freitag in der 3. Runde gegen die glänzend aufspielende Bencic-Bezwingerin Amanda Anisimova (WTA 60), bei der sie zwei Matchbälle nicht nützen konnte. Die in New York aufgewachsene Tochter eines Haitianers und einer Japanerin hat sich vorgenommen, das Tennis wieder mehr zu geniessen.

Glücklich nach einer Niederlage

"Ich bin nicht Gott, ich kann nicht jedes Spiel gewinnen", erklärte sie nun. "Sie hat toll gespielt, ich habe um jeden Punkt gekämpft. Da kann ich nicht traurig sein." Sie sei gerade in diesem Match sehr gewachsen. "Beim letzten Match, den ich am US Open verloren habe, war meine Einstellung noch eine ganz andere. Klar, ich habe auch jetzt verloren, aber ich bin glücklich, wie es gelaufen bin. Darauf bin ich stolz."

Im letzten Jahr wurde Osaka der ganze Rummel, der sie schon länger belastet hatte, endgültig zu viel. Am French Open weigerte sie sich, zu Pressekonferenzen zu erscheinen, und erklärte vor der 2. Runde Forfait, nachdem ihr beschieden worden war, dass diese verpflichtend seien. Sie kehrte für die Olympischen Spiele zuhause in Tokio zurück, wo sie das Feuer entzündete, sportlich aber enttäuschte. Nach einer Drittrunden-Niederlage am US Open beendete sie ihre Saison vorzeitig. "Gewinnen macht mich nicht mehr glücklich", erklärte die je zweifache Australian- und US Open-Siegerin damals.

Nun kann sie sich sogar über eine Niederlage freuen, obwohl diese bedeutet, dass Osaka in der Weltrangliste aus den Top 80 fällt. Es ist ein grosser Schritt in die Richtung einer besseren psychischen Gesundheit für die bestverdienende Sportlerin der Welt.

Der Gegensatz zu Barty

Den Tennisfans nimmt die Niederlage allerdings die Vorfreude auf einen Leckerbissen im Achtelfinal, in dem die australische Weltranglisten-Erste Ashleigh Barty und Osaka so etwas wie einen vorweggenommenen Final hätten spielen sollen. Nun ist Barty umso mehr die klare Favoritin auf den Turniersieg - und steht damit vor ihrer ganz eigenen mentalen Herausforderung.

Der Kontrast, wie die beiden Stars mit dem Druck umgehen, könnte allerdings grösser kaum sein. Da die (zumindest in der Vergangenheit) gequälte Osaka, die schon in jungen Jahren vom Vater in Richtung Tenniskarriere getrimmt wurde. Dort die betont lockere und bodenständige Australierin, die zwischenzeitlich eine Pause vom Tennis einbaute, um Cricket, Golf und viel anderes zu spielen - und dabei merkte, dass Tennis eben doch das ist, was ihr am meisten Spass macht.

Nun trägt sie erst recht die Bürde, ihrem Heimatland den ersten Titel in Melbourne seit 1978 zu bescheren. Dass sie mit diesem Druck auch so locker umgehen kann, muss sie aber erst noch beweisen.

Keystone-SDA