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06.01.2022

Für einen Tag König sein

Die Person, die in ihrem Brötchen das kleine, weisse Figürchen findet, wird König oder Königin.
Die Person, die in ihrem Brötchen das kleine, weisse Figürchen findet, wird König oder Königin. Bild: Pixabay
Heute, am 6. Januar, ergibt sich in vielen Haushalten die Möglichkeit, ein König zu sein – jedoch nur mit einer Plastikkrone. Doch woher stammt der Brauch des Dreikönigkuchens?

Die Aufregung der Kinder am 6. Januar ist gross: In welchem Brötchen des Dreikönigkuchens versteckt sich wohl das Königsfigürchen? Derjenige, der es findet, darf sich nämlich die Plastikkrone aufsetzten und für einen Tag König sein.

Dass dieser Tag auf den 6. Januar fällt, ist kein Zufall. Laut Überlieferungen ist dies nämlich der Tag, an dem die drei Könige Caspar, Melchior und Balthasar durch den Stern von Bethlehem zu Jesus geführt wurden. Nicht nur diese Erzählung liegt weit zurück, sondern auch der Brauch des Dreikönigkuchens entstand vor vielen hunderten Jahren.

Ursprung bei den Römern

Ursprünglich stammt die Idee dafür von den Römern, welche jeweils den Ackergott Saturn pflegten. Zu seinen Ehren wurde ein Kuchen gegessen, in welchem eine Bohne steckte. Derjenige, der diese erwischte, wurde für einen Tag zum Bohnenkönig ernannt. Nach und nach fand dieser Brauch in anderen Ländern ebenfalls Anklang und wurde auch zur christlichen Tradition am Dreikönigstag.

Jährlich 1,5 Millionen in der Schweiz

In der Schweiz ist der Dreikönigskuchen das meistverkaufte Spezialgebäck im Land – jährlich werden im Durchschnitt 1,5 Millionen Kuchen verkauft. Jene Beliebtheit ist dem Kunsthistoriker Max Währen zu verdanken, welcher den Brauch mit Hilfe des Schweizerischen Bäcker- und Konditorenverbandes Ende der 1950er Jahre wiederbelebte. Die dürftigen Kriegs- und Nachkriegsjahre lagen hinter der Bevölkerung, die Wirtschaft boomte und viele Menschen verdienten wieder genug Geld, um sich etwas Süsses zu leisten. Mittlerweile wird der Brauch nicht nur in den eigenen vier Wänden gefeiert, sondern auch Schulen und Bürogemeinschaften erfreuen sich daran.

Andere Länder, andere Arten, andere Namen

Auch in anderen Ländern gibt es den Dreikönigskuchen. Jedoch ist jeder in seiner Art und seinem Namen unterschiedlich.

  • Griechenland: In Griechenland wird eine Münze in den «Vasilopita» eingebacken, der traditionell am 1. Januar verzehrt wird.
  • Frankreich: Im Norden Frankreichs isst man traditionell die «Galette des Rois» aus Blätterteig, häufig mit einer Marzipanfüllung. Im Süden gibt es die «Couronne» oder den «Gâteau des Rois», die aus Briocheteig hergestellt und mit kandierten Früchten gefüllt wird.
  • Portugal: In Portugal (und in Brasilien) wird der «Bolo-Rei» aus Hefefeinteig gefertigt und mit kandierten Früchten verziert. 
  • Spanien: Ab Weihnachten wird in Spanien der «Roscón de Reyes», ein traditioneller Kranzkuchen aus Hefeteig, für das Fest der Heiligen Drei Könige am 6. Januar gebacken.. Es gibt ihn ohne Füllung, mit Schlagsahne, Trüffelfüllung, Puddingcreme oder Cabello de ángel. Darin versteckt sind jeweils ein Porzellanfigürchen und eine trockene Bohne, die keinesfalls verzehrt werden darf. 
  • Mexiko: Die Tradition der Rosca de Reyes wurde in Mexiko im 16. Jahrhundert von Spanien eingeführt. Der Kuchen wird aus Hefeteig und normalerweise ohne Füllung, nur für das Fest der Heiligen Drei Könige am 6. Januar gebacken.
  • Louisana: Der King-Cake wurde von französischen Einwanderern eingeführt und reicht bis ins 19. Jahrhundert zurück. Es gibt ihn aus Blätterteig mit Marzipanfüllung oder auch als südfranzösische Variante als bunt dekorierten Hefeteigring. Meist findet man den ringförmigen King Cake aus Brioche Teig oder auch dänischem Plunder-Teig. Die Blätterteig-Variante ist seltener anzutreffen.
Linda Barberi, Linth24